Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 23.1905

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bitte des Hs. Sebastian von Gott zu er-
langen :
1. Abwendung leiblicher Uebel, besonders
der Pest, aller Seuchen und ähnlicher bös-
artiger ansteckender Krankheiten sowie all-
gemeiner Landplagen;
2. Abwendung der Uebel der Seele,
besonders der schweren Sünde, welche der
Christ mehr fürchten muß als Uebel des
Leibes;
3. Stärkung, Befestigung im heiligen
Glauben und Mut zum unerschrockenen
Bekenntnisse desselben durch Wort und
Beispiel;
4. Befestigung und Uebung der christ-
lichen Nächstenliebe durch geistliche und
leibliche Werke der Barmherzigkeit.
Daher werden den Mitgliedern gewisse
Gebete und Teilnahme an den Brudcr-
schaftsgotteödiensten vorgeschrieben und
eifriger Empfang der heiligen Sakramente
empfohlen.
Weiter war zu Wolfegg die Rosen-
kranz b r u d e r s ch a f t eingeführt worden,
und zwar vermutlich im Jahr 1695, alten
Rechnungen zufolge. Die erste Jahrtags-
rechnung ist vom Jahr 1696 ; erster
Präses war Michael Mnschler, Pfarrer
(Propst) zu Wolfegg. Sie bestand bis
gegen 1840 und ist dann erloschen. 1883
wurde sie mit Gutheißung des Bischöf-
lichen Ordinariats wieder errichtet bezw.
sanktioniert und am 28. Oktober feierlich
eröffnet. Noch existiert die ursprüngliche
Rechnung, deren Kapital zu kirchlichen
Zwecken verwendet wird. Früher wurden
für die verstorbenen Mitglieder fünf heilige
Messen gelesen, was dann später anf-
hörte. Infolge der Ausscheidung wurden
die BrudcrschaftSkapitalien herausgegeben,
so daß seil 1893 wieder fünf heilige
Messen gelesen werden. Bruderschafts-
büchlein sind nach den neueren Satzungen
im Gebrauch.
Als dritte Bruderschafl wurde zu Wolfcgg
errichtet die vom heiligen Herzen
Jesu im Jahr 1707, angefangen von
der Gräfin Anna Maria v. Wolfegg,
geb. Freifrau v. Schellenberg, Ge-
mahlin des Grafen Ferdinand Ludwig
v. Wolfegg, welche beide an der Spitze
der eingeschriebenen Mitglieder stehen.
Klemens XV. beschenkte sie mit Ablässen,
Bischof Johann Franz zu Konstanz be-

stätigte sie. Das erste Titularfest wurde
1708 gefeiert. Durch milde Stiftungen
bekam die Bruderschaft eigenes Vermögen,
das zu heiligen Messen und Knltkosten
verwendet wurde. Im Jahr 1804 wurde
das ganze Vermögen eingezogcn und dem
herrschaftlichen Schul- und Armcnfonds
je zur Hälfte überwiese». Statt der vielen
heiligen Messen sollte nur noch ein Jahr-
tag für die verstorbenen Mitglieder ge-
halten und ans der Nosenkranzbruder-
schaftspflege bestritten werden, was aber
nicht geschehen ist. Die Bruderschaft,
welche im Jahr 1830 eingegangen zu sein
scheint, wurde am 15. November 1879
wiederholt bestätigt und von Papst Leo XIII.
mit zahlreichen Ablässen versehen der Erz-
brnderschaft znm heiligsten Herzen Jesu
in der Kirche der hl. Maria vom Frieden
zu Rom einverleibt, mit Gutheißung deö
Bischöflichen Ordinariats (21. Mai 1880).
Zweck der Bruderschafl ist (nach dem
neuen Bruderschaftszettel) „das göttliche
Herz Jesu eifrig zu verehren, ihm Liebe
mit Liebe zu erwidern, ihm für die Ein-
setzung des allerheiligsten Altarssakramentö
zu danken und für die Kälte, den Undank
und die Beleidigungen, mit welchen ihm
seine unendliche Liebe so oft vergolten
wird, Ersatz zu leisten".
Die Mitglieder sollen gewisse Gebete
verrichten, an den Brnderschaflssesten
(Titularfest, Dreikönigsfest, Ostermontag,
Pfingstmontag, Patrozinium der hl. Katha-
rina, Monatssonntage) teilnehme», zur
Verherrlichung deö Gottesdienstes und
Verschönerung des Gotteshauses auf jed-
mögliche Weise beitragen. Für die in
Wolfegg eingeschriebenen Mitglieder werden
jährlich in der dortigen Pfarrkirche zwölf
heilige Messen gelesen.
Bis zum Jahr 1810 war es in der
Pfarrei Wolfegg Sille, jährlich eine Geld-
sammlung für die gnadenreiche Aufopferung
Mariä zu Mindelheim, zum Behuf
des marianischen Bündnisses zu Mindelheim
zu veranstalten. Die Sache kam dann
zur Anzeige, das K. Oberamt verwahrte
die gesammelten 50 fl., und durch Dekret
vom 13. November 1810 wurde diese und
jede derartige Kollekte verboten und dem
Präses deö marianischen Bundes in Mindel-
heim eröffnet, daß künftighin keine der-
gleichen Sammlung mehr statlfinde. Auch
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