Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 23.1905

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wurde zum Klosterbau verwendet. Infolge
dessen wurde der Zahltag nicht mehr ganz
obigen Bestimmungen gemäß gehalten, bis-
weilen zwei oder drei heilige Messen ge-
lesen, auch kein Almosen mehr anögeteilt,
mithin kein Gulden mehr ausgegeben, wie
im Stiftbrief bestimmt war.
Ein großer Wohltäter des Klosters war
auch Truchseß Wilhelm Heinrich,
Sohn des 1612 verstorbenen Truchseß
Christoph. Er stiftete den Klosterfrauen
einen Hof zu Bra u ne n w eiler, der
eine jährliche Gült von 46 fl. abwarf.
Dies geschah, wie wir einem späteren
Aktenstück (Pfr.) entnehmen, anno 1615;
eine StiflnngSurkunde befindet sich nicht
unter den Klosterakten. Dafür sollen die
Schwestern auf ihre Kosten durch sechs
Priester einen Jahrtag mit zwei Aemlern
und vier heiligen Messen abhalten lassen
am 28. Hornung oder den folgenden Tag
und am Vorabend eine lange Vigil beten.
Auch sollen sie am Vorabend und am Tag
selbst einen Schrägen mit schwarzem Tuch
bedeckt aufstellen, daran das Wappen der
Herrschaft aufhängen und neben ihm wie
auf dem Altar vier Kerzen brennen lassen
solange der Gottesdienst dauert. Weiler
soll jede Schwester an einem gewissen Ort
zu einer gewissen Zeit auf ihrem Chor
täglich für die Abgestorbenen des Hauses
Waldburg den Psalm De prokunckis, für
die Lebenden den Psalm IVliserere beten;
dazu sollen alle Schwestern insgesamt auf
jede Qnatemberzeit eine lange Vigil für
die Verstorbenen aus jenem Haus beten.
Auch dieser Jahrtag wurde später nicht
mehr der Stiftung gemäß gehalten. Aus
„gewissen Ursachen" erlaubte Truchseß
Hanö Ernst, daß man drei heilige
Messen lesnr lasse, wo man wolle, wenn
es nur auf den Jahrtag geschehe (Jahr-
tagsverzeichnis).
Wohl meistens ans dieser Periode stammt
eine ganze Reihe von Jahrtags-
stift n n g e u , die fast sämtlich nur ans
dem Jahrtagsveizeichniö des Klosters be-
kannt sind, worin leider das Jahr der
Stiftung nicht angegeben ist. Sicher ist,
daß sie alle ans der Zeit nach 1530
stammen, weil sie in dem damals angelegten
Jahrtagsverzeichnis der Pfarrei noch nicht
ausgenommen sind, sondern in den Nach-
trägen, jedoch nicht alle, verzeichnet sind.

Die meiste» Stiftungen rühren von Per-
sonen außerhalb UnlingenS her und legen
Zeugnis ab, daß unser Kloster in der
Umgegend in Ansehen stand und nament-
lich in besseren Kreisen viele Gönner be-
saß. Die Stifter und deren Stiftungen
folgen hier der Reihe nach.
Adam Braun, Pfarrer zu Unlingeu
(1560—1584), stiftete den Schwestern
25 fl.; dafür sollen sie an seinem Jahr-
tag zur heiligen Messe und Opfer gehen
und seiner im Gebet gedenken.
Matthias Notter, Pfarrer von
Unlingen (1584—1624), stiftete dem
Kloster 40 sl.; außerdem soll man jähr-
lich an seinem Jahrtag den Schwestern
15 kr. geben. Dafür sollen zwei Schwestern
zur heiligen Messe und Opfer gehen und
ihn in ihr Gebet cinschließen.
Ulrich Kircher,') Pfarrer auf dem
Bussen, stiftete eine Wiese, die er um
45 sl. gekauft hatte; die Schwestern sollen
ihn dafür in ihr Gebet einschließen.
Peter Blather, Kartäuser zu Bryell
bei Augsburg, stiftete 10 st., damit die
Schwestern für ihn beten.
E li s ab eth aIf f l i n gerin,2) Aebtissin
zu Heiligkreuztal, machte eine Stiftung von
10 st., wonach die Schwestern um die
österliche Zeit jährlich die sieben Buß-
psalmen und die Litanei von allen Heiligen
für sie beten sollen.
Martha I s f lin g er i n, Klosterfrau
zu Heiligkreuztal, stiftete 12 fl. zu einem
Bratspieß; die Schwestern sollen jährlich
eine Vigil für sie beten.
Johann Jakob Ri eff (in, von?),
Doktor der beiden Rechte, und seine Frau
Salome Sanglerin stifteten 100 fl., einen
silbernen Becher, zu einem Kelch ein sil-
bernes Käntle und ein Heiligtum in
Silber gefaßt; dafür müssen die Schwestern
eine Seelenmesse für die Stifter und deren
Eltern lesen lassen.
Martin Herma nutz, Pfarrer zu
Daney, von Unlingen gebürtig, vermachte
25 sl., damit man seiner täglich im Gebet
gedenke.
') Pfarrer Ulrich Ki'rch(>> er, aitium max.,
war 1567 bei der Diözesansynode zu Konstanz
anwesend („Freib. Diöces.-Arch." 22, S. 224);
lebte noch 1674.
2) Elisnbetha Jsflingerin v. Granegg war
Aebtissin zu Heiligkreuztal 1671 ff.; sie starb 1602,
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