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Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 23.1905

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Geschichte des ehemaligen Franziskanerinnenklosters zu Unlingen, [3]
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https://doi.org/10.11588/diglit.18110#0190

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kleinere dem Heiligen von Zell gehört
hatte. Der von Zell hatte jedoch immer
den besten Teil nnd mehr genommen nnd
dem Kloster die schleckten Garben stehen
lasse», was viel Streit verursachte; da-
her verzichtete man gegen 12 st. ganz ans
diesen Zehnten; zugleich wurden weitere
M/a Janchert Acker an den Heilige» von
Zell um 70 fl. bar verkauft. Auch die
1694 nnd 1695 erworbenen Guter zu
Uttenweiler wurden wieder verkauft,
weil man dem Kloster nichts hatte geben
wollen.
Von T an s chv ertr ägen seien folgende
genannt. 1658 (19. April) tauschte das
Kloster Unlingen vom Kloster Marchtal
drei Janckert Aecker und eine Wiese im
Unlinger Oesch ein gegen vier Janchert
Aecker im Mnnderkinger Zwing nnd Bann
(G). 1666 (4. Oktober) tauschen die
Schwestern V? Behausung nnd Scheuer
gegen ein dem Kloster durch eine Kloster-
frau erwachsenes Hans nebst 260 fl. ein.
Im gleichen Monat traten sie das dem
Kloster gehörende Konrad LanterersH
Haus dem Hans Kraus gegen dessen
eigenes Haus, Scheuer und Garten ab.
Man sieht daraus, daß das Kloster schon
mehrere Häuser zu Unlingen besaß. 1674
(7. September) nahm es Gütertausch mit
den Heiligenpflegern von D ü r m entingen
vor, wobei letzteren auch ein dem Kloster
durch Erbschaft von Jakob Greitern,
gewesenen Kaplan zu Göffingen, zuge-
fallener Acker überlassen wurde (G.).
Auch sonst sielen dem Kloster daun und
wann liegende Güter durch Erbschaft bezw.
als Heimsteuer einzelner Konventsmitglieder
zu. So brachte die Vorsteherin selbst als
Erbteil fünf Janchert, als Heimstener
zwei Jauchert Aecker ans Kloster, Schw.
Franziska ca. fünf Janchert Aecker und
M/2 Mannsmahd Wiesen. Schw. Theresia
erbte das elterliche Haus nnd eine halbe
Gerechtigkeit. Dies war besonders bei
Unlinger Bürgerstöchtern der Fall.
0 Dieses Geschlecht Lauterer, Lütterer,
Luter, war schon im 15. Jahrhundert zu Unlingen
ansässig. In der zweiten Hälfte des 16. Jahr-
hunderts kam ein Zweig nach Tübingen und von
da im 17. Jahrhundert nach Oesterreich. In
Unlingen scheint es in der ersten Hälfte des
17. Jahrhunderts ansgestorben zu sein. Wie
das Kloster in den Besitz des Lautererscheu
Hauses kam, ist nicht bekannt.

Somit war der Güterbesitz des Klosters
in dieser Zeit schon ein recht bedeutender,
und die jährlich eingehenden Gülten
reichten zum Unterhalt einer großen Zahl
von Schwestern hin. Schon um 1685
besaß das Kloster 23 Jauchert Aecker und
8sti Mannsmahd Wiesen eigene Güter,
welche es ohne der Gemeinde Beschwerden
selbst bebaute; dazu drei Krautländer,
einen Hanfgarien, Waldbesitz nnd zwei
Gemeinde- oder Dorfgerechtigkeiten. In
Unlingen selbst besaßen sie den oberen
(ehemals SalmanSweiler) Hof mit 37^
Janchert Aecker» und M/7 Mannsmahd
Wiesen und den unteren Hof mit über
30 Janckert Aeckern, darunter Nellen-
burger Güter, Lehen von Innsbruck; zu
Hailtingeu ein größeres und kleineres
Hofgut, dazu die Güter zu Altheim,
Brauuenweiler, Uigendvrf und
Uttenweiler. Sämtliche Güter sind
im „Urbuch" mit ihren Ectlägnissen ver-
zeichnet, nnd es würde viel zu weit führen,
alle der Reihe nach mit ihren Inhabern
anfznführen. So stand es mit dem Besitz
des Klosters gegen Ende des 17. Jahr-
hunderts, während dasselbe 1618 völlig
verarmt war.
Es wäre nicht möglich gewesen, so viele
liegende Güter aufzukaufen, wenn nicht
die Klosterfrauen zum Teil für jene Zeit
recht große Summen Geldes ins Kloster
gebracht hätten. Die Vorsteherin selbst
brachte eine große Summe Geldes hinein.
Drei im Jahre 1660 eingetretene Jung-
frauen brachten zusammen gegen 3000 fl.
ins Kloster (als Heimstener). Ans dieselbe
Weise kamen von 1667—1677 1600 st.,
ca. 1680—1690 über 4000 fl. hinein.
Dazu noch reiche Stiftungen, von denen
eigens die Rede sein wird.
Man mag in dem reichen Besitzstand
des Klosters St. FranziSci eine über-
mäßige Häufung von Gütern in geistlichen
Händen erblicken, aber es ist dabei nicht
zu vergessen, daß das Kloster in vielen
Fällen nicht den Anfang machte. An wen
sollten sich verarmte Bauern in ihrer
Geldnot wenden? Sie waren froh, einen
Käufer zu finden. Manchmal schritt das
Kloster erst auf inständiges Bitten hin zum
Kauf. Zum Schaden der armen Bauern
geschah es nicht; sie fanden auch sonst im
Kloster Hilfe. Daß übrigens nicht daö
 
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