Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

Page: 58
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Ritter in voller Rüstung mit der Mar-
tyrerpalme in der Rechten, die Linke ans
die Brust gelegt, zum Himmel blickend;
vor ihm Schwert und Schild; ans einem
Tische eine umgestürzte Krone, über dem-
selben ein Wappen mit fünf Sternen und
einen Pelikan im Schild, darüber Jnfnl
und Stab, links die Buchstaben 7O und I.,
rechtst, und Id. (wahrscheinlich das Wappen
von Stift Not, und die Buchstaben be-
deuten : Abt Ignatius zu Rot). Dem-
nach hat der Abt Ignatius von Not dem
Frater Theophilns von Malkowicz diese
Reliquien geschenkt und diesen hl. Her-
menegild zum Patron seiner geplanten
Brnderstiftung bestimmt. Das Fest eines
hl. Hermenegild wird gefeiert am 13. April;
dieser war ein spanischer königlicher Mär-
tyrer ans dem sechsten Jahrhundert; doch
können die fraglichen Reliquien diesen!
Hermenegild nicht angehören, da sein
Haupt erwiesenermaßen in Saragossa anf-
bewahrt wird und da unsere Reliquien
von einem römischen Märtyrer her-
stammen.
Eine Anthentik über diese Reliquien ist
nicht vorhanden, noch die bischöfliche Er-
laubnis zur öffentlichen Ausstellung und
Verehrung, dagegen liegt ein wichtiges
lateinisches Dcknmcnt eines Priesters Paul
Höß vor (Original in M. Rosengarten)
voui 5. November 1753, das wir unten
in deutscher Sprache folgen lassen. Da die
Reliquien, wie oben bemerkt, auf dem
Gotlesberg verwahrlost waren und die
Pietät einerseits verbot, diese Ueberreste
dem Gottesacker zu übergeben, anderseits
forderte, sie der gänzlichen Mißachtung
und möglichen Verunehrung zu entziehen,
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1873 an Se. Turchl. Fürst Eberhard die
Bitte, diese Reliquien den chrw. Schnl-
schwestern dahier als bleibendes Eigentum
zuwenden zu wollen, da dieselben sich ge-
neigt erklärt hätnn, di.se Ueberreste an-
ständig fassen zu lassen und in ihrer
Privatkapelle anfznbewahrcn. Dieser Bitte
wurde bereitwilligst entsprochen, und jetzt
bilden diese Reliquien, herrlich gefaßt,
eine sehenswerte Zierde der Hauskapelle
in Maria Rosengarten.
Das angeführte Dokument hat folgenden
Wortlaut:
Zu Gottes größerer Glorie und zur Ehre des

hl. Hermenegild, um welchen es sich hier han-
delt, sei allen und jedem einzelnen, dem zu
wissen daran liegt, bekannt, daß ich Endunter-
schriebener »on einer Person, welche aus Ge-
wissensbissen beichtete, unter dem Beichtsiegel es
habe, wenn ich berichte, was von eben derselben
in Kraft eines Eides mir mitgeteilt wurde, mit
dieser Formel:
„Ich (die beichtende Person) schwöre euch bei
Gott, dem allerheiligsten Blute Jesu Christi und
allen Heiligen, daß dieselben heiligen Reliquien,
bestehend in dem Haupte und vier anderen vor-
nehmeren Gebeinen des Leibes des hl. Römischen
Märtyrers, Namens Hermenegild, eines Sprösslings
aus königlichem Geblüts, in eine»: gegen Frankreich
gelegenen Kloster des Ordens des hl. Norbert,
! ivo jener Heilige schon seit ungefähr 100 Jahren
zur öffentlichen Verehrung auf dem Altar kanonisch
I ausgesetzt durch den Glanz der Wunder aufs
berühmteste erstrahlte, im Jahrs 1735 diebisch
weggenommen, darauf ihres kostbaren Schmucks,
womit sie überreich geziert waren, von den
Dieben beraubt und i» einer Lehmgrube versteckt
und daselbst zurückgelnssen worden sind. Da diese
That ihr (nämlich der beichtenden Personl be-
kannt gewesen sei, so sei sie, endlich durch Ge-
wissensbisse, denen sie langer zu widerstehen nicht
vermochte, aufgeweckt, an den Ort, wo, wie man
gesagt, diese öfters erwähnten hl. Reliquien ver-
borgen lagen, zurückgekehrt, Habs dieselben
wiederum nusgegrabbn und mit sich ge-
nommen, bis es geschehe», daß ihr durch be-
sondere Vorsehung Gottes eine Person, welche
hl. Reliquien sehr liebte, begegnete, welcher sie
auf ihre wiederholten Bitten zur Wiederherstellung
der Verehrung dieses Heiligen dieselben aus
freien Stücken geschenkt habe zugleich mit der
Erlaubnis, sich von mir ein priesterliches Zeugnis
nusstellen zu lassem
. Deßwegen, da auch ich deßgleichen von der
beichtenden Person die ausdrückliche Ermächtigung
habe, das, was hier berichtet wird, durch ein
Zeugnis, schriftlich oder mündlich, jener er-
wähnten Empfängerin der hl. Reliquien mitzu-
teilen, so bin ich dazu um so mehr geneigt, als
die um das Zeugnis bittende Person dieselbe ist,
welche mir das Beichtkind zuvor bezeichnet und
dabei bezeugt hat, sie habe die öfters erwähnten
Reliquien, bestehend aus dem Haupt und vier
größeren Gebeinen, einem gewissen Ordensbruder,
Namens Theophilus Marin vom hl. Kreuz des
Ordens des hl. Franziskus von Paula, welcher
zur Zeit in Röttenbach lebt, zum Geschenke ge-
macht, damit er dieselben in seiner genehmigten
religiösen Stiftung der immerwährenden An-
betung der allerheiligsten Dreifaltigkeit zu der
den Heiligen gebührenden Verehrung bringe, ja
den hl. Hermenegild selbst zum Hnuptpatron der
genannten Stiftung nnnehme und erhebe — und
so thue ich es kraft deS Gegenwärtigen, soweit
ich es kann und darf und ermächtigt bin und
daß dieses, so wie es hier vorliegt, sich so ver-
hält, bezeuge ich treulich hauptsächlich aber zur
größeren Glorie Gottes und zu Ehren der Hei-
ligen, vornehmlich zur Wiederherstellung der An-
dacht und zur Erneuerung der Verehrung gegen
den öfters genannten hl. Hermenegild, durch meine
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