Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

Seite: 59
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eigenhändige Unterschrift und durch Aufdrucknng
meines priesterftchen Sigels.
Gegeben Stießen, den 3. Dez. 1753.
Paulus Höß, zur Zeit Beue-
fiziat in Stießen zuin nnmder-
(U. S.) thätigen Bild der seligsten Jung-
frau Maria
in der Pfarrei Dietenheiin."
4. Die Reliquie des heiligen
Blutes Christi.
Die kostbarste von allen Reliquien des
Gottesbergs ist, wenn eckt, die Reliquie
vonl allerheiligsten Blute Christi.
Woher die HeiligblnI-Reliquie ans dem
Goltesberg stammt, läßt sich nicht ent-
scheiden, da wir keinerlei Urkunde besitzen
und in allen Akten des Göllesbergs von
dieser Reliquie keine Erwähnung gemacht
wird. Wenn der obengenannte Theophilnö
diese Reliquie von Italien, wie die andern,
gebracht hätte, wäre sicher in den ver-
schiedenen Urkunden als von der wichtigsten
auch die Rede. So ist man hiebei ganz
ans Vermutungen angewiesen; die Pfarr-
chronik (verfaßt ca. 1866—1870) weiß
nur zu berichten, daß „zum heiligen Blut
auf dem Gottesberg, daö am sogenannten
Blutfreitag seit alten Zeiten znm Küssen
dargereicht wird, an den Freitagen nach
Christi Himmelfahrt die Gemeinden von
Bellamont und Füramoos, am Pfingst-
dienstag die Gemeinde voll Trnschwende
wallfahrten. Letztere Gemeinde betet seit
einem früheren, sieben Jahre hindurch sich
wiederholenden Hagelschlag drei Freitage
nacheinander auf dem Gottesberg".
Die Reliquie selbst befindet sich in einer
kleinen, vergoldeten Monstranz und kann
für sich allein heransgenommen werden.
Es hat den Anschein, als ob die Reliquie
früher von jemand als Medaillon getragen
wurde; denn der Ring znm Anhängen de
findet sich noch daran. Unter dem Kristall-
glas bemerkt man ein mit etwas Bliu ge-
tränktes Leinwondstnckchen und darüber die
Aufschrift : Oe San§. Xti; über die Rück-
seite sind Seidenfäden gezogen, und hier
befindet sich ein rotes kleines Siegel mit
dem Familienwappen des ehemaligen Stadt-
pfairers und Dekans v. Kolb (1756 bis
1799) (wie ei» solches schön ansgeführt
ersicktlich ist ans dem Denkmal zur Linken
des Eingangs zur Seelenkapelle sowie ans
einem der beiden ziselierten Messingkrenze
am Eingang der Stadtpfarrkirche). Wenn

auch eine Anthentik nicht vorhanden ist
und jeglicke Notiz darüber fehlt, so bietet
uns der Name Kolbs, als eines ebenso
frommen als hochgelehrten Priesters eine
gewisse Garantie dafür, daß seinerzeit wohl
kaum ein Zweifel an der Echtheit dieser
Reliquie bestanden hat; sonst hätte er sicher
dieselbe nicht so kostbar fassen und mit
seinem Siegel versehen lassen. Auch wäre
es kaum denkbar, daß die Verehrung der
Heiligblut - Reliquie unwidersprochen ge-
blieben wäre, wenn ihre Herkunft ganz
unsicher und zweifelhaft gewesen wäre. Im
übrigen hat man sich an den Grundsatz
zu halten, welchen die Ablaßkongregation
unterm 20. Januar 1896 ausgestellt hat;
er lautet: „Alte Reliquien, für deren Echt-
heit keine Anthentik mehr vorhanden ist,
sind in der Verehrung zu erhalten, in der
sie bisher standen, wenn nicht im einzelnen
Fall sichere Beweise da sind, daß dieselben
»neckt oder untergeschoben seien" (Pfasf
S. 288).
Somit wären wir mit unseren Studien
über das ehrwürdige Heiligtum ans dem
GotteSberg zu Ende gekommen: ehrwürdig
ist es durch sein Alter, ehrwürdig durch
die Privilegien, mit denen es ausgestattet
ward, ehrwürdig aber ganz besonders durch
seinen kostbaren Nelchuienschatz.
(Fortsetzung folgt.)
8.8. Geschichte deF ehemaligon .k-rau-
giDkmeeiimciililosteich zn Miilimieii.
(Fortsetzung.)
Nach einer herzlichen und letzten
. Mahnung schrieb sie folgende Worte ins
kleine llrbnch (lol. 64/65): „Jetznnd
nim ich Vrlaub von Eich, vnd begehr
mit dem Hailigen Paulo auffgelest zue
sein vnd bey Christo zue leben Schwester
Anna Johanna Hermanutzin meines alters
Im 78igsten. Jur Hailigen Orren 67.
vnwirdige Mnetler 48 Jar. Ich rime
mich alein In dem Chreitz meines Herrn
Jesu Christi. Wan ihr meine handt-
schrisft werden lessen, so bitet gott auch
für mich arme sindterin anno 1696 Im
Juli." — Sie schrieb das mit so sicheren
Zügen, daß man daraus nie ans ein so
hohes Alter schließen würde. Und sie
nennt sich eine arme Sünderin im Augen-
! blick, da sie ans ei» so taten- und ver-
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