Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

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nicht mehr widerstehen tonnte und sich bereit
erklärte, unter folgenden Bedingungen Gü-
ter zu kaufen:
1. Eine neue Zustimmung des Bischofs
zu diesem Kauf muß dem Kloster vorge-
zcigt weiden;
2. der Kaufbrief soll unmittelbar von
Konstanz, nicht von einer territorialen
Obrigkeit expediert werden und
3. vom Generalvikar konfirmiert und
mit dem bischöflichen Siegel korroboriert
werden, was am 17. März zu geschehen
habe;
4. die Güter sollen dem Kloster zum
wirklichen Besitz übergeben werden und
dieses solle 18 Jahre hindurch in unge-
störtem Besitz derselben bleiben.
Die Kirchenpflege ging darauf ein, »nd
so verkauften der Pfarrer und beide Hei-
ligenpfleger an die Mutter Maria Johanna
Mangoldin und den Konvent 88^/i Janchert
Aecker und 14^ M. Wiesen um 6180 fl.
(nebst 50 NeichStalern oder 75 fl. zu
einer Fahne) (Orig. G.), Ob das Kloster
wohl darauf eingegaugen wäre, wenn die
Schwestern geahnt hätten, welch schlimme
Folgen dieser Kauf später haben werde?
Trotz dieser enormen Ausgabe konnte
das Kloster gleich zwei Jahre darauf den
Weinberg am Bodensee um 300 fl.
kaufen; es war dies nur infolge einer
Stiftung möglich. Dann aber erfährt
man nichts mehr von einem Güterkauf bis
anno 1727, in welchem Jahre sie von
Georg Herrn anritz von Unlingen mit
Bewilligung der Gemeinde 7 Janchert
Aecker und 1 M. Wiese um 1156 fl.
kauften; diese Güter waren aber schon
anno 1709 unter der Bedingung der
Wiedereinlösung dem Konvent auf 18 Jahre
um die vierte Garbe eingehändigt worden.
Endlich ist aus dieser Zeit noch zu er-
wähnen, daß Bernhard Kathan (?)
von Altheim anno 1734 dem Konvent
1 M. Wiese um 70 fl. verkaufte (G.).
Im Jahre 1720 hatte die besorgte Vor-
steherin Cä eilia B o n e n b e r g e r i n ein
Güterbuch angelegt, in welcher» der da-
malige Besitzstand des Klosters genau be-
schrieben wurde. Hier sei ein kurzer Ueber-
blick gegeben:
Ei g e n e Güter : 23 '/t Janchert Aecker,
7 M. Wiesen nebst Gras-, Hanf- und
Krautgarten; 9 Holzteile.

Lehenhöfe bezw. -Güter: er) zu
Unlingen: Oberer Hof (Georg Her-
mauutz), unterer Hof (Georg Nieder),
Güter, welche Lorenz Widmer und Güter,
welche Jakob Munding bebaute, die Kern-
mühle (Menrad Moosbrugger); b) zu
Uigendorf: ein Lehenhof (Ulrich Haber-
bosch) nebst dem Uigendcrfer Zehnten,
welcher 1712 renoviert worden war;
c) zu Altheim: ein Hofgut (Jos. Buck)
und Güter, welche Philipp Buck bebaute;
6) zu B r au neu w ei l e r: ein Lehenhof
(Jos. Steiueysen); e) zu Hailtingen:
ein Soldgüllein (M. Scham) und ein
anderes Gütlein (Joh. Scham).
Dazu kamen noch die kürzlich erworbenen
Güter, Unserer lieben Frauen Zehnten und
Lvdenzinse.
Die im Jahre 1714 ins Kloster einge-
tretene Jungfrau Maria Fischerin
von Dietelhofen bekam als Heimsteuer
10^2 Janchert Aecker und Wiesen. Es
waren aber Korneliusgüter, und das
Stift Buchau wollte sie dem Kloster nicht
lassen. Sie mußten daher verkauft werden ;
das Kloster löste 1000 fl. bares Geld.
Aus besonderer Gnade ließ der Fürst
von Für stenberg-Mößkirch dem Kon-
v'nt den 100 fl. betragenden Abzug nach
(12. März 1716).
Außer dem Haus Fürstenberg, von dem
das Kloster „viele Gnaden empfangen"
hatte, ist für diese Zeit inö Guttäterbuch
eingetragen Pfarrer Johann Georg
Seitz, welcher im Jahre 1703 das Zeit-
liche verließ. Er vermachte dem Kloster
zwei silberne vergoldete Becherlein, zwei
silberne Löffel, ein Messer und Gabel
neben anderen Dingen. Auf seinen Jahr-
tag sollen die Scbwester» 30 kr. erhalten.
Am 31. März 1714 starb zu Schüsse u-
ried der Hofmeister des dortigen Klosters,
Martin Mangold, ebenfalls ein
Bruder der Mutter Maria Johanna
Mangoldin. Er vermachte den Kloster-
frauen zu Unlingen 20 st. und außerdem
400 st., wofür sie 1200 heilige Messen
lesen lassen sollten. Sie durften jedoch den
Geistlichen nicht mehr als 100 fl. geben,
weshalb 300 fl. dem Kloster verblieben.
Inwieweit die Kriegsjahre 1703 ff. mit
ihren vielen Einquartierungen und feind-
lichen Einfällen zu Unlingen dem Kloster
Schaden gebracht haben, ist nicht bekannt.
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