Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

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längere Zeit) aus Altwürttemberg verschwunden
zu sein. In Weingarten, Ottobenren haben aber
Netti weder gebaut,noch gemalt; Paul und Leop.
Retti hielte» sich zu Weingarten i. I. 1720 bloß
vorübergehend bei Frisoni auf. Der i. I. 1709
nach Ludwigsbnrg berufene Frisoni hatte anfangs
auch noch einen Bruder oder sonstigen nahen
Verwandten bei sich, den Architekten Karl
Jnnoccnz Frisoni, welcher aber früh,
i. 1.1715, verstorben und in dein nahen Oeffingen
ans dein Gottesacker begraben ist. Von 1715
an hatte Donato Frisoni die Stuceaturarbeiten
seinem Schwager Carolini (alias Carlini) über-
lassen. Paolo Netti hatte zuin Lndwigsburger
Schloßbau in höherem Aufträge beigezogen den
Kunstmaler Karl (alias Joseph) Carlo ni(e)
aus Scann bei Como (geb. 1686, P zu Como
1776), den Bruder des namentlich in Einsiedeln
und Weingarten tätig gewesenen Bildhauers Diego
Francesco Carloni. Karl Carloni hatte auch im
Kloster Weingarten (dis sog. „Ablösung", wohl
sein großartigstes Stück, und den hl. Joseph) und
i. I. 1730 ein Deckenstück in das Schlößchen
von Heimsheini gemalt. Noch einen weiteren
Maler berief P. Netti, den Italiener Scott (dd) i
(vielleicht den späteren w. „Theatralnialer"; die
Lcvnhnrdskirche von Dangendorf am südwestlichen
schwäb. Albabhang wurde um das Jahr 1767
von 2 Malern Johann und Bartholomäus Scotti
ansgemalt, welche auch in die Stiftskirche von
Zwiefalten Nebenaltarbilder lieferten); als Mar-
morierer den auch in Weingarten Eigen Anton
(alias H.) Corbellini. Ferner wird noch ein
Joh. Bapt. F-errand ini (al. Feratini) genannt,
welcher um d. I. 1748 die Deckengemälde der 1849
abgebrannteil Stadtpfarrkirche von Güglingen
und in der Kirche von Sontheim gemalt habe.
Weitere italienische Künstler in Ludwigsburg
beziv. Stuttgart waren: Bittio, erster Theater-
maler; Jnnocenz Colo mb a, Architekt und
Dekorateur, vorher „Thealralarchitekt"; Lncas
Antonio Colomba, Onkel des vorgen. (geb. 1661
zu Arrogno in Tessin, st das. 1737), erscheint
auch um das Jahr 1726 als Hofmaler; Lukas An-
tonio Columba malte in die Klosterkirchen von
Schöntnl und Zwiefalten sowie in die Deutsch-
ordenskirche zu Heilbronn. Als Hofstuccatoren
werden aufgeführt: Bossi, Vasalli und Altieri.
Als „Ehrenmitglied der Lcudsmie des arts in
Stuttgart" wird Bocciardi, sculpteur du rai zu
Paris, genannt.

Bricfknste n.
Nach T. — Meine in Nr. 9/10 dieser Zeit-
schrift sowie fast gleichzeitig in der „Monatschrijt
für christliche Sozialreform", 27. Jahrg., Heft 11
von >905 (Basel, Druckerei der Ges. des „Basler
Volksblatt", jetzt Zürich) erschienene Abhand-
lung über das Hütkind erw e s en (bezw. den
„Junggesindemarkt in Obeischwaben") wird, wo-
rauf Sie mich aufmerksam machen, allerdings
gehörig ausgeschrieben. Zuerst war es das
„Berliner Tagblatt" und nach ihm eine Reihe
von anderen Blättern, welches in seiner Nummer
vom 21. Januar d. I. nach meiner Arbeit einen
Artikel mit der Aufschrift: „Menschenhandel in

Deutschland" unter Anknüpfung einiger nicht in
meinem Sinne gelegenen Reflexionen am Schlüsse
auszog und brachte. Wie sich alsbald heraus-
stellte, war der Artikel der von Or. V. Böhmert
und P. Scheven in Dresden heransgegebenen
„Sozialkorrespondenz, Zeitungsansgabe", Nr. 2
vom 5. Januar d. I. entnommen. Immerhin
gaben alle diese Organe wenigstens die Quelle
zu ihrem Artikel, d. i. die gen. „Monatsschrift"
und den Verfasser der Abhandlung ausdrücklich
an. Neuerdings haben sich auch kath. Blätter
dieser Hütkinderfrage bemächtigt, so die „Jpf-
und Jagstzeitung" Nr. 68 vom 24. März d. I.
in einem Aufsatz: ,,-e- Die Hütkinder", welcher
derselbe von einer außerwürttembergischen Sozial-
kvrrespondenz zugegangen sein will. Ebenso das
„Deutsche Volksblatt" in Nr. 69/70 2. Blatt vom
26./27. März in einem Artikel: „8cd. Die Tiroler
Hütkinder". Obwohl beide letztgen. Artikel un-
verkennbare starke Spuren der Benützung meiner
obengen. Abhandlung an sich tragen, so vermißt
man doch die Angabe der Quelle und des Ver-
fassers der ursprünglichen Abhandlung. Alle über-
bot aber das in Bregenz erscheinende „Vorarlbor-
g er V o lks b latt", welches in seinen Nr». 79, 80,
82 und 83 vom 7./8. und 11./12. April er. meine
Abhandlung unter der Aufschrift: „Das Hütkinder-
wesen in Oberschwaben" ohne irgend eine'vorherige
Anfrage, geschweige Erlaubnis und noch dazu ohne
irgend eine Angabe der Quelle sowie ohne Nennung
des Verfassers in nnqnalifizierbarerWeise zum größ-
ten Teile wörtlich abschrieb. Auch zwei andere frühere
Arbeiten des „D.-A." werden anderwärts zur Zeit
weidlich ausgeschrieben. Bei diesem Anlässe wieder-
holen wir abermals unser längst im „D.-A." IX von
1894, Nr.7, S. 28 undXXI von 1903, Nr. 10, S. 160
bekannt gemachtes Verbot bezw. Warnung vor
Nachdruck ans dem„D.-A." ohne ausdrücklicheEr-
lanbnis desHerausgebers und Redakteurs. Die Red.
O. Nach St. Der 1'. Kaspar, nach dem
Herzog Karl Alexander in den letzten Augen-
blicken seines Lebens gerufen haben soll, ist keine
fingierte, sondern eine wirkliche historische
Persönlichkeit. Es war dies 1". Kaspar
Tschopp, welchen der Herzog alsbald nach seiner
Thronbesteigung durch Vermittlung des päpstlichen
Nuntius in Wien als Beichtvater erhielt („ordiois
8. B. I'runciscl reiormatorum l'rovincias llno-
guricae"). Später begleitete er als Hofgeistlichcr
des Herzogs Witwe nach Göppingen; er war im
ganzen 16 Jahre im Hofdienste tätig. Am
16. November 1750 starb er in einem Alter von
fast 58 Jahren zu Stuttgart und wurde am 19.
in dem nahen Hofen beerdigt. Im dortigen
Totenbuch heißt es n. a. von ihm: „. . . Terra
marigns 3ereoissimum llucein Larvlum gVIe-
xand rum secutus est ec per annos i6 eon-
fessarium eggt" („D.-N." II., 1884 Nr. 6, S. 41;
IV (1886), Nr. 7, S. 51). Kapuziner und Fran-
ziskaner wurden bekanntlich früher gerne mit-
einander verwechselt.
U mgetaus ch t werde n
die Jahrgänge „D.-A." 1897—1904 inklusive:
je 1 gegen einen Jahrgang 1905 oder 1906.
Die Red.

Stuttgart, Buchdruckers! der SIkt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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