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Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

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Beck, Paul A.: Die Konversion des Herzogs Paul Fried. Karl Aug. von Württemberg
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https://doi.org/10.11588/diglit.18485#0135

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als einen Beweis seiner Freundschaft und seines
Vertrauens zu mir ansehen, wenn er der Ein-
ladung folgt." Am Schlüsse dieses ungemein
verbindlichen Briefes wirst sich der Gewaltige
gar noch zu den Füßen der Prinzessin Paul.
Der Pariser „Moniteur" aber meldete um die-
selbe Zeit bei Gelegenheit des Berichtes über
den Aufenthalt des Kaisers am württembergischen
Hofe n. a. nicht ohne Absicht: „Die Prinzessinnen
an diesem Hofe (womit wohl die Prinzessinnen
Paul sowie die „schöne O-ttaui", d. i. die
Tochter des Kurfürsten, Katharina, die nachmalige
Gemahlin Jerümes, gemeint waren), sind alle
sehr liebenswürdig und viele davon außerordent-
lich schön." Prinz Paul war aber damals nicht
französisch gesinnt und hatte keine Lust, sich
an den Siegeswagen des bereits auf dem
Zenithe seines Ruhmes stehenden Korsen spannen
zu lassen und gegen das Haus Oesterreich zu
fechten. Im Gegenteil machte er sich im Jahre
1806 vor dein Ausbruch des Krieges gegen
Preußen heimlich auf und davon, um gegen den
übermütigen Franken zu kämpfen, und begab sich
in die Suite dos Herzogs von Braunschweig.
Sein Vater, der König, der seine Truppen an
der Seite des Gewaltigen mitmarschieren ließ,
war wütend darüber und ließ den Flüchtigen
vergebens durch seinen Minister v. Wangenheim
von Preußen reklamieren; König Friedrich Wil-
helm von Preußen erklärte dies aber einfach für
Familiensache, in die er sich nicht einmischen
wolle. Im Kriege von 1809 zog er allerdings
gegen die aufständischen Vorarlberger, aber im
Jahre 1812 konnte er nicht bewogen werden,
mit Napoleon gegen dis Russen zu ziehen.
Während des Waffenstillstandes im Jahre 1813
lief er wieder fort und trat — zum furchtbaren
Aerger seines Vaters — in russische Dienste und
machte die Freiheitskriege mit; u. a. befehligte
er im Jahre 1814 die Anhalt-Thüringische Brigade
beim dritten deutschen Armeekorps unter Groß-
herzog Karl August von Weimar, nicht ohne
Verdienst; nach Herstellung des Friedens nahm
er aber, dem Kriegsdienst nicht leidenschaftlich
zugetan, als kaiserlich russischer Generalleutnant
seinen Abschied. Im Jahre 1817 trennte er sich
— ein dunkler Punkt in seinen: Leben — von
seiner Gemahlin, von welcher er vier Kinder,
nämlich die nachmalige Großfürstin Helene
(Friederike Charlotte Marie, geb. 1807), den
Prinzen Friedrich Karl Augnst (geb. 1808,
-s- 1870), den Vater des jetzigen Königs Wil-
helm II. von Württemberg, die Prinzessin Pau-
line Friederike Marie (geb. 1810), welche im
Jahre 1829 den Prinzen Wilhelm von Nassau
ehelichte, den Prinzen Fried. August Eberhard
(geb. 1813, ß 1885 als Kommandeur des preußischen
Gardekorps), hatte und welche fortan in ihrer
Heimat Hildburghausen lebte und zu Bamberg
an: 12. Dezember 1847 starb. Prinz Paul aber,
der sich noch dazu mit seinen: Bruder, den: re-
gierenden König Wilhelm I. von Württemberg,
wegen der Hausgesetze und Apanagenverhältnisse
überworfen (s. darüber seine Eingabe an den Geh.
Rat und an die deutsche Bundesversammlung in
Frankfurt a. M-, abgedruckt in: „Schwab. Merk.",
Beilage zu Nr. 102 vom 15. Mai 1817 und von
1819), lebte fortan 30 Jahre in Paris, wo er-

st: einem Hotel auf dem Vendomeplatz seine
Wohnung hatte und eine gewisse Nolle spielte,
mit der aus Spanien stammenden katholischen
Lady Chimenez Suthinghan: zusammen, mit
welcher er sich nach de»: Ableben seiner ersten
Gemahlin auch morganatisch vermählte. Aus
dieser Verbindung mit der Lady Suthinghan:
stammt wohl eins in: Jahre 1818 zu Paris geb.
(von Prinz Paul anerkannte) Tochter Panline
Chimenez, welche unter dem 12. April 1841 unter
dem Namen „Helfenstein" in den württembergischen
Grafenstand erhoben wurde, ein Wappen mit dem
Helfensteinschen Elefanten erhielt, in: gleichen Jahre
den nachmaligen außerordentlichen französischen Ge-
sandten und bevollmächtigten Minister in Florenz,
Gaston comts de bloirtsssu/, ehelichte und erst
kürzlich im Februar 1905 zu Paris starb. Wenn Prinz
Paul auch an sich zurückgezogen lebte, so verkehrle
er doch in den höchsten Kreisen der Gesellschaft,
an: Hofe der Bourbonen wie an dem der Orleans
und an den: der ihm verwandtschaftlich besonders
nahestehenden Napoleonide», und nah»: eine seinen:
Range entsprechende Stellung ein. Als Kurios::»:
verdient hier auch angemerkt zu werden, daß er
stn Jahre 1830 auf der Liste der für den
griechischen Thron vorgeschlagenen Kandidaten
stand. In seinen späteren Jahren wandte er
sich der katholischen Kirche zu. Seine von der
protestantischen Welt einige Zeit bestrittene Kon-
version wird in der Biographie des in: Jahrs
1859 s- Ist Navignan 3. s. von Ist deUonUevo^
8. (s. (II. Bd., S. 29) nach den eigenen seiner-
zeit von Navignan dom päpstlichen Nuntius i»
Paris, Antonio Garibaldi, auf dessen Veranlassung
gemachten authentischen Angaben folgendermaßen
erzählt: Navignan war der eigentliche Seolsorger
für Konvertiten in Paris, deren er jedes Jahr-
en. 40—50 in die Kirche aufnahm. Er wurde
bei dem Prinzen Paul um das Jahr 1846
durch dessen schon genannte Tochter, bis. de
blontessu;- eingeführt und kam manchmal zu
ihm. Gegen Ende des Jahres 1851 wurde der
Herzog von einer bedenkliche:: Krankheit befallen,
die lange dauerte, ihn: aber doch gestattete, bis-
weilen anszugehen. Es trat infolge hievon eine
Taubheit ein, welche die Unterhaltung mit ihn:
sehr erschwerte. Eine barmherzige Schwester
pflegte ihn, welche einen gewissen Einfluß auf
ihn gewann; wenigstens durfte sie von Gott
spreche:: und ward angehört, bis. de biontessu)-,
die von ihren: Vater zärtlich geliebt wurde, setzte
fleißig die frommen Gespräche mit ihn: fort.
Navignan kam nun oft hin. Endlich entschied
sich dieser- sehr energische, die Unabhängigkeit
ungemein liebende Charakter mit der größten
Offenheit zur Annahme der katholischen Religion,
welcher- ja auch sein Urgroß-, sein Großvater
und sein eigener- Vater- bis zu dessen achten
Lebensjahr- angohört hatten. Am 30. Januar
1852 legte er auf seinem Zimmer das katholische
Glaubensbekenntnis ab, kam allen Bedingungen
nach und beichtete; die Kommunion verschob
Navignan, zur größeren Bequemlichkeit des kranken
Fürsten, auf einige Tage. Da wurde nun Navignan
auf einmal krank und konnte Bett oder Zimmer-
est: Vierteljahr nicht inehr verlassen. Prinz
Paul schickte alle Tage in die Niederlassung der
Jesuiten in Paris, Straße de Ldvres, um zu

. S
 
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