Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

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Hand betitelt sie „Iri5toriu Znieltlcu cum
iccmidu8"." Außer den Welfenbildern
enthält die Schrift noch einen tntutu8
6c s. 5. ZnnZ-uine. Nach den allen Re-
pertorien des Klosterarchivs (jetzt in
Stuttgart) befand sich dort ein Buch in
Kleinfolio mit den Bildern der Familie
des Stifters auf Pergament und eine Ge-
schichte des heiligen Blutes, verfaßt unter
Abt Gerwick (1520—1567). Ob dieses
Manuskript mit der Haager Handschrift
übereinstimmt, ist ungewiß, da der Schreiber
des Inventars, Joachim Kramer (1795
bis 1797), die Bilder als schlecht be-
zeichnet und darunter sich auch ein Kaiser-
bild befindet, welches auffallend mit den
gewohnten Darstellungen Kaiser Maximi-
lians I. übereinstimmt.
Nun finden wir aber ein solches Kaiser-
bild als Kaiser Konrad I. bezeichnet bei
Buceliu S. 375, ans welches ich beson-
ders aufmerksam machen möchte. Damit
scheint aber erwiesen zu sein, daß Bucelin
die von Bnsl erwähnte Bilderhandschrift
benützt hat und deren Bildnisse den ge-
nannten Kupferstichen als Vorlage dienten.
Da diese Kupferstiche weder bei Guter-
mann noch bei BnSl erwähnt sind, so ist
es notwendig, diese Bilder der Reihe nach
zu betrachten. Die erste schon oben er-
wähnte Figur ist die sagenhafte Stamm-
mutter Irmengard, Gemahlin Jsenbards,
auf einem Throne sitzend, welcher auf seinen
Eckpfosten zwei reizende Knabensignren
im Charakter der deutschen Frührenaissance
trägt. Die Herzogin hält ein Schoß-
hündchen, welches mit der bekannten
Welfensage in Verbindung gebracht wird,
nach welcher die Stammmutter Catilina
geheißen habe. Die zweite Figur ist be-
zeichnet als Welf I., ebenfalls auf einem
Throne sitzend, welcher mit ähnlichen
Putten verziert ist, unten ein Tartschen-
schild mit drei Lilien, wahrscheinlich im
Hinblick auf seine karolingische Abstam-
mung.
Es folgt Elhico, Lohn Welfs I., in
der Linken eine Fahne mit schreitendem
Löwen haltend, in der Rechten das Schwert,
Harnisch, gezattelten Wasfenrock und Ring-
kragen. Beide Grafen tragen wie alle
späteren Welfen die Herzogskrone, eine
Art Barett ohne Kreuz auf der Spitze.
Die nächste Figur ist Judith, die zweite

Gemahlin des Kaisers Ludwig des
Frommen, dargestellt in laugen Gewändern,
eine Krone auf dem Haupte. Die vierte
Figur stellt den Kaiser Ludwig den
Frommen dar mit Krone, Szepter und
Reichsapfel, im Kaisermantel und Stola.
Unten das Wappen Karls des Großen
mit den Lilien und dem halben Adler.
Ferner Kaiser Konrad I., merkwürdiger-
weise ganz ein Porträt Kaiser Maximi-
lians I., auf dem Stuhl sitzend, mit Krone,
Schwert und Reichsapfel, zu den Füßen
ein Phantasiewappen: Doppeladler mit
einem Löwen im Herzschild.
Es folgen der Reihe nach wieder
Welfen, zunächst Heinrich mit dem gol-
denen Wagen, der Sohn Ethicos, in
einer Art Tappert mit Sackärmeln,
darunter Harnisch ; seine Gemahlin Hattha
trägt das Modell einer Kirche (sie stiftete
in Altdorf ein Nonnenkloster), zu ihren
Füßen Wappenschild mit Turm auf Drei-
berg, das Wappen der Grafen von Hohen-
wart. Der hl. Konrad, 930—976
Bischof von Konstanz, im geistlichen Ornat
und dem Welfenwappen, dann dessen Brüder
Ethico und Rudolf. Der erstere mit
Fahne, worauf ein Löwe, mit Eisenkrazen
und Waffenrock mit gezattelten Aermeln,
Rudolf mit Eichenkranz und über dem
Harnisch den Waffenrock. Dessen Ge-
mahlin Jtta, eine Tochter des Grafen
Konrad von Oeningen, mit einem Falken,
unten auf einem Tartschenschild der Löwe.
Welf Itz, der Sohn des vorigen, mit
Hermeliukragen und Schellengürtel, das
Schwert in der Linken. Wappen: der
welsische Löwe. Dessen Gemahlin Jrmen-
trud, eine Tochter des Grasen Friedrich
von Luxemburg. Wappen: drei Spitzen,
nach Eggmann, „Die hochbernhmten Wel-
fen" (Rav. 1866) das Wappen der
Grasen von Gleichberg. Sie trägt lange
Zattelärmel und einen Schellengürtel.
Heinrich, ein zweiter Sohn Rudolfs, im
Jagdkostüm mit Lanze und Jagdhorn,
einen Eichenzweig ums Haupt. Derselbe
soll auf der Gemsenjagd verunglückt sein.
Welf III., eine doppeltürmige Kirche
tragend, mit langen, gezattelten Hänge-
ärmeln und dem Herzogshnt. Er stiftete
zu Altdorf ein Benediktinerkloster, welches
jedoch 1053 abbrannte und dann auf dem
Martinsberg wieder aufgebant wurde-
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