Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

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im Zeilischen Archiv über den Leprosen-
berg findet, ist vom Jahre 1521 unter
der Aufschrift „^xtractus 6e

Änno 1521 (Auszug ans dem Urbarinm)
der Stadt Wnrzach, des lieben Heiligen,
des Hochspitals und des I^eprosoni Zins
und Gült betreffend". Diese Urkunde ist
unter Georg IV., Truchseß zu Waldburg
und Herrn zu Wolfegg zc., in die Lon-
versionis s. ?2u1i (d. h. aw Feste der
Bekehrung des hl. Paulus), also am
25. Jan. 1521 ausgefertigt worden und
gibt Aufschluß über die Einkünfte der
Armen Sondersiechen ans dem Berg.

(Vgl. Oberamtsbeschreibung von Leutkirch,
S. 245; Birlinger, Volkstümliches aus Schwaben,
„Wahrzeichen auf dem Leprosenberg",!, S. 169/170,
Ziff. 263. Vgl. weiter: Aus Schwaben, I, S. 192,
Nr. 171.)

Danach hatten sog. Gnaden- oder

A l m o f e n g e l d e r zu leisten die Pfarreien:

Wurzach
Diepoldshofen
Reichenhofen
St. Wolfgang
Zeil

Seibranz
Aichstetten
Ottmannshofen
Ellwangen
Tann
Wolfegg
Hauerz
Eberhardszell
Haisterkirch
Eggmannsried
Unteressendorf
Oberessendorf
Molpertshaus
Schwarzach
Dietmanns

Diese Abgaben
wurden unter dem 23. Angnft 1536 durch
ein Dekret des Bischösl. konstanz. General-
vikariats bestätigt und denselben anbefohlen.

Die diesbezügliche lateinische Verfügung
lautet in deutscher Sprache:

„Da, wie wir in Erfahrung gebracht, es dem
Leprosenhaus, außerhalb der Stadt Wurzach in
der Konstanzer Diözese gelegen, an Vermögen und
anderem zum Unterhalt der dort befindlichen
Aussätzigen Notwendigen ziemlich mangelt, weil
die Leprosen wegen ihrer großen Zahl sich nicht
länger so halten können, deshalb und aus an-
deren uns vorgetragenen Gründen bewogen, geben
wir es euch Verwaltern des Kirchenvermögens
auf Grund unserer Vollmacht anHeim und ge-
statten wir, daß ihr von und aus den Pflegen
der benachbarten Kirchen, von welchen die besagten,
uns untergebenen Leprosen stammen, nach Ver-
mögen und wie es euch billig und recht dünkt,
dem betreffenden Leprosenhaus zu Hilfe kommen

möget und dürfet, jedoch selbstverständlich unter
der Bedingung, daß deswegen von den betr.
Kirchen weder unbewegliche Güter noch beweg-
liche, Gott geweihte Kostbarkeiten veräußert wer-
den; — sonst wollen wir, daß diese Verfügung
nicht in Vollzug und Kraft trete."

Daraus geht hervor, daß die Einkünfte
der Leprosenpflege bis ins 16. Jahrhun-
dert herein recht dürftig waren, weshalb
noch auf andere Snstentationsmittel Bedacht
genommen werden mußte. Aus diesem
Grunde wnrde in den Herrschaften Wnr-
zach, Zeil, Wolfegg, Waldsee der sog.
Siechen- oder Hochzeitsgulden für
die Leprosen erhoben, d. h. von jedem
Hochzeitspaar mnßte aus diesen Gebieten
1 Gnlden an die Leprosenpflege entrichtet
werden. Wann diese Abgabe eingeführt
wurde, darüber gebeu die Akten keinen
Aufschluß. Ein Dokument von 1686
meldet vou dieser Verpflichtung für die
Untertanen der Herrschaft Wolfegg, ein
weiteres von 1694 von derselben für die
Herrschaften Zeil nnd Wnrzach; gereicht
wurde der Hochzeitsguldeu vou Zeil noch
1792, von Waldsee noch 17L5 nnd von
Wurzach noch im Anfang des 19. Jahr-
hunderts. Anch die Zünfte leisteten an
ihren Jahrtagen einen Beitrag.

Gegen das Ende des l6,, im 17. Jahr-
hundert, die Pestzeit 1629/30 unv Kriegö-
zeit abgerechnet, nnd auch noch im An-
fang des 18. Jahrhunderts bis 1738,
wurden, wie aus 31 „Züus uud Gült-
verschreibungen" hervorgeht, dem Leprosen-
haus verschiedene und zum Teil recht
namhafte S tiftnngen zugewendet. Der
nähere Inhalt dieser Zins- nnd Gültbriefe
ist leider meistens nicht mehr leserlich.
Auch erfreute sich diese Anstalt stets des
Wohlwollens der Truchsefsen von Wnrzach
und Zeil, welche jährlich 150 fl. Fixum
nnd monatlich 4 fl. an Almosen derselben
durch Jahrhunderte hindurch zufließen
ließen. Manche Leprosen brachteil bei
ihrer Aufnahme größere Kapitalien bei.
Besondere Erwähuung verdient noch, daß
im Jahre 1582 ein Dritteil d es Bnrg-
hofs zu Oberrohrbach (auch Burg-
stall genannt), aus IV2 Roßbäu^) be-
stehend, von dem Kurbayerischen Herzog

!) Im Wurzachschen und Zeilischen waren die
Höfe und Güter nach sog. R 0 ß b ä u e n (— Mähne)
abgeteilt, weiter hinauf im Algäu aber nach
Winterfuhren; es wurden 8 —1V Jauchert zu
einem Roßbau gerechnet.

10 Pfund Heller jährlich

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