Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

Page: 40
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Galgen geschlagen wurden, und da sie,
wie in Nürnberg der Fall seyn soll, un-
gehenkt blieben, weis man nicht ihrer hab-
hast werden konnte, in Preußen unter dem
gegenwärtigen König mit Auszeichnung in
seiner Armee angestellt wurden und dort
ebenfalls vou ibren Eameraden keine Be-
anständigui'g fanden.^) Dem Koseriz
sind in dieser Beziehung alle Tore ver-
schlossen und er auf sich selbst iu seinem
ferneren Fortkommen beschränkt. Er soll
Talente haben uud überdies kann er seine
ausländischen Freunde iu Anspruch nebmen,
wenn sie ihn nicht als Verräther verstoßen.
Dasjenige, was viele Leute, die den Ko-
seriz genau kennen, glauben läßt, daß er
fast gewiß war, begnadigt zu werden nnd
deswegen so viel Mut zeigen konnte, gründet
sich auf die Feigheit, welche er bei ver-
schiedenen Fällen gezeigt haben soll. Ich
sah schon Hanptverbrecher hinrichten, welche
ohnverzagt den Tod erwarteten; aber solche
waren nicht als feig bekannt. Indessen
ist es möglich, daß die Lage, in welche
Koseriz sich versetzt sah, eine moralische
Revolution hervorgebracht habe und die
geistliche Hilfe dazu hauptsächlich beige-
lrageu hat, so auch die Verzweiflung.
Sehr gut wird es seyn, weuu man jetzt
diese Sachen als völlig beendigt betrachtet
und Niemanden mehr verfolgt. Christum
lieb haben, ist besser, denn alles wissen."

Koseriz, mit dem sich des Herzogs
nnd seiner Freunde Briefe so sehr be-
schäftigten, wurde mit Lehr durch einen
Gendarmen nach Bremen eskortiert und
von dort, vom König mit Geldmitteln ver-
gehen, nach Amerika eingeschifft unter dem
Namen Erbe, der ihm als unehelichem
Sohn eigentlich von Rechts wegen zukam.
Er kam nach Washington, errichtete eine
Essigfabrik, nach andern eine Branntwein-
bude und spielte unter den dortigen Spieß-
bürgern eine Zeillang die Rolle als
Hauptmann einer sogenannten deutschen
Washington-Garde, wie man eine Abtei-
luug der Stadtmiliz uannte. Später scheinen
sich seine Umstände verschlechtert zn haben.
Ein Gerücht ließ ihn Bankrott machen, ein

2) Er meint offenbar den württembergischen
Leutnant v. Franeois, der wegen Insubordination
zum Tod verurteilt, zur Festung begnadigt, vom
Hohen-Asperg entfloh und als kömgl. preußischer
General starh.

anderes zum Kriegsdienst gegen die Semi-
nolen anwerben und bei einer Expedition
gegen dieselben am gelben Fieber gestorben
sein. Mit den Seminolen, einem in-
dianischen Siamm, mit denen viele ent-
laufene Negersklaven im Bunde standen,
hatte im äußersten Südosten der Ver-
einigten Staaten, in Florida, ein lang-
wieriger Kampf sich entsponnen, der erst
in den 40er Jahren mit Ausrottung oder
Zwangsansiedlung der Indianer jenseits
des Mississippi sein Ende fand. Es wäre
eine eigentümliche Ironie des Schicksals,
wenn Koseriz, dem die im konstitu-
tionellen Württemberg herrschende Freiheit
nicht genügte, seinen Tov gefunden hätte
im Kampfe gegen einen um seine Freiheit
streitenden Stamm. Allein diese Nachricht
scheint mythisch zu seiu. Amerikanische
Zeitnngen meldeten vielmehr, daß Ko-
seriz im Sommer (August) 1838 in
einem Hospital in Amerika gestorben sei.

Ueber Koseriz gibt es ein Bänkel-
sängerlied, das man lange Zeit in Schwa-
ben uud Franken ans den Jahrmärkten
konnte singen hören, und das die Kose-
rizsche Verschwörung in der eigentümlichen
Weise dieser umherziehenden Orgeldreher
und Bierfiedler, auch mit Zugabe einer
Bildertafel auf Wachsleinwand, als ein
„schauriges Exempel" ausbeutete „so sich
zugetragen zn Lndwigsburg".

Zu Ludwigsburg, da war der Sitz

Von dieser Meuterei,

Ihr Führer war der Koseriz;

Hier ist die Polizei:

Die hat im Dunkeln lang gewacht.

Bis sie die Sach' ans Licht gebracht.

Vom hohen königlichen Thron
Der gute Wilhem sprach:

„Gesteh', gesteh', mein lieber Sohn,

Ich laß die Straf' dir nach".

Doch er belog ihn freventlich,

O Koseriz, wie liederlich!

Hier steh'n sie an des Grabes Rand,
Des bitteru Tods gewärtig.

Schon kommandiert der Leutenant:
„Ihr Schützen, macht euch fertig!"
Ach Lehr, du armer Sünder,

Denk an dein Weib und Kinder.

Da sprengt ein Adjutant herbei
Und spricht: „Wilhelm gibt Gnade,

Er gibt sie los, er gibt sie frei!"
Das Publikum ruft: „Schade!

Wie lange freuten wir uns schon
Aus diese Exekution!"

Der Köuig Wilhelm nicht allein
Schenkt ihnen Leib nnd Leben,
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