Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

Seite: 97
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Organ für Geschichte, Altertumskunde,

Auust und Vtultur der Diözese Kattenvurg und der angrenzenden Gebiete.

herausgegeben und redigiert von Amtsrichter a. D> Vecs: in I?ilveu§burz.

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. 7.
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UahrM.

Das Unzellln bezw. Gninnasinm
in Kottweil vor 100 Jahren.

In Rottweil bestand bekanntlich schon
von älteren Zeiten her ein bis gegen Ende
des vorvorigen Jahrhunderts von Jesniten
geleitetes Lyzeum, dessen theologische nnd
philosophische Professuren im Jahre 1812
an die nen errichtete katholisch-theologische
Fakultät nach Ellwangen verlegt wnrden,
während das Lyzenm ohne dieselben weiter
bestand und im Jahre 1817 in ein Gym-
nasium verwandelt wurde. Tie nachfolgen-
den Schilderungen über die Zustände an
dieser Lehranstalt in der Zeit von 1812
bis 1815 sind den demnächst im Verlage
von Fried. Alb er in Ravensburg
erscheinender interessanten „Lebenserinne-
rungen" des (im Jahre 1798 zu Hürbel
geb., 1873 iu Stuttgart 1') würlt. Ober-
finanzrates Fried. Eser (f. über denselben
Biographie in Nr. 4 dieser Zeitschrift,
XXV., 1907, S. 49—53) eines bekannten
Natur- und Kunstforschers entnommen und
geben eine Probe von dem reichen und
anziehenden Inhalte dieser „Memoiren".
Nachdem Eser seine erste Gymnasial-
bildung — etwa bis zum Mittelgymnasium —
aus dem seiner Heimat nahen bayerischen,
damals auch ziemlich aus dem württ. Ober-
schwaben besuchten Gymnasium zu Kempte n
erhallen, wurde er in die württembergische
Anstalt nach Nottweil übersetzt und er-
zählt seine dortigen Erlebnisse wie folgt:
„Um mein späteres Fortkommen zn er-
leichtern, gedachte mich mein Vater an
eine inländische Lehranstalt zn bringen
und hatte dazu auf den Rat des Pro-
fessors Drey das Gymnasinm nnd Lyzeum

zu Nottweil, wo Drev bisher Lehrer der
Mathematik nnd Physik gewesen war,
anserfehen.

Gegen Ende Oktober 18l2 wnrde die
Neise nach dem künftigen Stndienorte
Nottweil in Begleitung meines Jugend-
gefährten, Gottfried Wocher, Sohn
des fürstlich Zeilscheu Hofrats Wocher
iu Nentrauchburg bei Jsuy, auge-
trcten. Er hatte seine früheren Studien
am Gymnasinm zn Biber ach gemacht
und wollte sie in Nottweil, mit mir in
einem Hause wohnend, fortsetzen. Die
Ansicht der malerisch auf eiuem steilen
Hügel gelegenen Siadt machte einen guten
Eindruck, auch die breiten Hauptstraßen
uud geräumigeu Plätze, welche dieses
Slädtcheu vor manchen andern vorteilhaft
anszeichnen, versprachen einen nicht un-
angenehmen Aufenthalt.

Unbehaglich aber fanden wir, an Bes-
seres gewohnt, das kleine, sast ärmliche
und nicht gerade sehr reinliche Zimmer,
das wir beide mit uusereu Habseligkeiten
im Hause unseres künftigen Kostherrn ein-
nehmen sollten. Professor Drey hatte von
einer gebildeten Familie gesprochen, in
deren Umgang wir für unsere Ausbildung
gewinnen könnten; allem der Hansherr,
der zwar auf der Universum Würzburg
seine Studieu gemacht hatte, war ein
75jähriger Greis, der sich seit Jahren ans
dem öffentlichen Leben zurückgezogen hatte,
selteu eiueu Besuch bei sich sah und ziem-
lich unbekümmert um alles, was aus der
Welt geschah, seiue Tage im Lehnstnhle
in träumerischer Nuhe dahinzubringen
pflegte, uud die Bildung seiner gleichfalls
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