Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

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genannt (1, 141 und 144), sowohl im
Dekanat Dieteuheim als im Dekanat
Schwendi. Das erstemal hat es den
Zusatz: I^ec ecclesi^ intra, expeäit^
s— die Schuldigkeit bezahl«) est cum
ecclesia in l^er^s et ^liis ecclesüs sitis
in 6ecZNÄtu Lckvven6i. Danüt ist die
Identität des Ortes gegeben. Der Heraus-
geber des I^id. 6ec. deutet Wiewen als
Wiehenzell oder Weihungszell (1, 143).
An anderer Stelle vermutet er aber auch
Wain darunter (1, 146), Weihnngszell
kann aber uicht gemeint sein. Denn der
I^id. m^rc. (5, 108) neuut neben Nuwa-
huseu (Neuhauserhof s. o.) Wiggencell aus-
drücklich als Filial von Dietenheim. Daß
das „Zell" weggeblieben wäre, ist kaum
auzuuehmeu; eher wäre Zell geschrieben
und das Wiewen weggelassen worden, zu-
mal eine Verwechslung mit einem anderen
Zell ausgeschlossen war. Eben au letzter
Stelle ist eine Pfarrei Wenn nud Wunden
ausgezählt. Das erschwert die Deutung.
Im I^.id. tax. (5, 64) ist der Ort Wund
geuauut mit dem Zusatz: conierunt 6icti
(^ut^vill. Eine Gutwil war aber die Ge-
mahlin Rudolfs von Stotziugeu, der um
jene Zeit (1364) den halben Teil des
Ortes Wain au Graf Heiurich vou Werden-
berg-Alpcck veikaufte (Beschreibung des
Oberamts Lanpheim, S. 287). Die ge-
nannte Gutwil war offenbar die Erbtochter
der frühereu Herren vou Waiu (Württ.
Vierteljahrshefte 12, 1903, 468). Wenn
ist vermutlich Schreibfehler des überhaupt
weniger sorgfältig geführten I^ib. msrc.
Wie verschiedenartig die Aussprache des
Ortes gewesen sein muß, beweisen folgende
Schreibungen aus Urkunden: 1260 wird ein
dominus du(o)ni'Aclus miles 6e VV(o)ne
(W. U.-B. 6, 478), 1271 ein Fridericus
de Wiuu (? W. U.-B. 7, 164) genanut.
1275 hat eiu Berhtboldns de Wiene das
Bürgerrecht in Ravensburg (ebd. 7, 365).
1281 wird eiu H(einricus) de Wiuweu
(ebd. 8, 284), 1286 eiu Fridericus de
Wn (ebd. 9, 58), 1289 wieder eiu Fridericus
de Wu(e)ine (ebd. 9, 317), 1291 ein 6o-
minus . . 6ictus 6e VViv (ebd. 9, 437)
erwähnt. Im 14. Jahrhnudert hieß der
Ort Wynn (Württ. Vierteljahrshefte a. a. O.
S. 408). Im Snbsidienregister von 1508
hat er bereits die Form Wahn angenommen
(27, 50).

4. Buche wird sl, 143) irrtümlich als
Buch, Filial von Oberkirchberg, gedeutet.
Der Irrtum erstreckt sich auch auf das
unmittelbar folgende Kilchberg, das für
Ober- nnd Unterkirchberg angesehen wird.
Allein die beiden Kirchberg samt Buch
können deswegen nicht gemeint sein, weil
diese Orte gar nicht im Dekanat Dieten-
heim, sondern in dem Dekanat Schwendi
lagen. Uuter Kirchberg ist Kirchberg au
der Jller zu verstehen. Im I^id. taxat.
(5, 64) steht bei Buch der Zusatz: cvnkert
Äb!i>3s s. IZlÄsii; idi6em sunt nisi c^u^t-
tuor 6omiciÜÄ. Dies deutet darauf hin,
daß der Ort im Niedergang begriffeu war.
Seiuer Lage nach muß Buch bei den Orten
Balzheim, Waiu, Kirchberg zu fucheu sein.
Im Snbsidienregister lesen wir: ^cclesia
LucI) cum i^liali ecclesia, in Orsenlrusen
incorpor^tÄ monÄSterio Ocdsendusen
(27, 47). Odenhausen war 1275 selb-
ständige Pfarrei gewesen, 1353 hatte der
Abt von St. Blasien das Patrouat (ebd.
1, 144; 5, 60). Unter Buch sind die
Höfe Oberbuch, Mittelbuch und Unterbuch
gemeint iu der Gemeiude Wain. „Oberbuch
bildete mit Autenweiler, Mittelbnch und
Unterbuch eiue eigene Pfarrei. Die Kirche
staud zu Oberbuch, ohne Zweifel ursprüng-
lich eine Wallfahrtskirche, der z. B. 1337
nach einer im Kgl. Staatsarchiv liegenden
Urkunde päpstliche Ablaßbriefe ausgestellt
werden . . . Das Patronatsrecht über Buch
hatte St. Blasieu bis 1440 inne, iu welchem
Jahr es dasselbe dem Johann Besserer
in Ulm überläßt, der es dann 1446 an
das Kloster Ochsenhausen überträgt. Auch
der Sitz des Pfarrers war ursprünglich
in Oberbuch; doch wurde derselbe, als
Odenhausen sich sehr vergrößert hatte,
1457 dorthin verlegt mit der Bestimmung,
daß wöchentlich und zn gewissen Zeiteu
zu Oberbuch Messe gelesen und die cura
Änimsrum auf deu vier Höfen vou Orfen-
hanseu aus versehen werden solle. Da
dies natürlich Schwierigkeiten machte, so
wurde, uachdem schon 1463 Ulrich Echinger
die Abtrennung des Mittelbuchhofes von
Buch und dessen Zuweisung an Wain
durchgesetzt hatte, im Jahre 1521 ein Ver-
trag abgeschlossen, wouach „die Kirche zu
Oberbuch und die Höfe des Weihungs-
tales iu die St. Michaelskirche zu Wain
einverleibt und dessen Pfarrkinder heißen
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