Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1891

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von Schwaben.

1891

Dr. Geiger in Tübingen und dir gute Detha in Reute.

„Evangelischer" Nitt und Ausflug iu das „katholische" Oberschwaben.
Zum Nachdenken vorurteilsloser Protestanten und zur Aufklärung zweifelsnchtiger Katholiken
geschildert von einen«, der auch einmal zehn Jahre lang an einem evangelischen Wagen ziehen «nutzte.

(Fortsetzung.)

In« Leben der sel. Agnes von Böhrnen liest man: „Kein
und keine Zeit stand ihrer Frömmigkeit int Wege. Kaum
st? vom Mittagessen aufgestanden und «vaudelten zwischen
^.^leleu Bäumen und zwischen den sorgfältig gepflegten

WfDer - e *u gehoben wurde." -rne «Lee«e

>e ch ,die Geschöpfe zu Gott aufzusteigen gelvohnt, wird, wem
„i^oselbeu betrachtet, plötzlich verzückt und erhoben, so Auto

Vv^^eeteu, das göttliche Psalmengebet verrichtend, als Agnes

buv,
sie k

Cif' Franz v. Sales u. a. In der Kanonisations-

ei„? hi- Rosa von Lima finden sich die Worte: von

ej-fp m Singvögelein «vurde sie drei Stunden vor dem Mittag-
stickt Betrachtung Gottes hingerissen und in Ekstase ver-
lud kam erst zur Vesperzeit «vieder z«« sich,
lieiio Christus der Herr das Bild eines Bettlers au-

kx^?uuen habe, lesen «vir, «vie ii« vielen andern, so im Leben
"... - , Brthellais: es tarne«« viele Bettler vor die Thüre,
^ biesen erschien in Gestalt eines Armen unser Herr Jesus

l>»te

d^stus

d(1er';'tv stnd erhielt selbst von« Almosen der Arthellais. Daß
cn., oer Herr

*1. iieß, ist vom hl. Kajetan vor«

ftvntei r ^erv 'll Gestalt eines Kindes sich küssen und «««««-
dy,« L leB, ist vom hl. Kajetan von Thiena, dem hl. Felix
bou ^HRalizio, der sel. Angela von Foligno, der hl. Rosa
ÖuüqeUUa Un^ noch von vielen anderen bekannt. Das Ver-
die mh das sie ii« dieser Zeit gehabt, ist ein Be«veis für
bch,„^"lchkeit der Vision. Die Gelehrten, sagt Benedikt XIV.,

Bchken, «venu sie dergleichen z««n« Gegenstand ihrer Unter-

. • ^ iv 3l“‘l vi/v.ytn|ivuiu umu"

ÄH wachen, daß, trenn auch bis«veile>«^ die göttliche««
J^eu und Erscheinungen iu« Anfang einige F«lrcht ni«d^er-
n^nng mit sich bringen, sie doch in« Verlaus angenehm, kost-
«»a« ^ wonnevoll «oerden und Ruhe ü« die Seele bringen,
(nJleuk diabolischen, wenn sie in« Anfang verwirren, o«es
\J? }}}\ Verlaus ihn««, oder trenn sie in« Anfang reize««d H««l
und «vonniglich erscheinen, in« Verla««f aber «««««ne«
K verwirren u««d den Schauende«« verwirrt lassen,
es die Dienstleistn>«g der Engel a««belangt, so genügt

tieftCUl hinzutveise««, «vas n«an im Leben der sel. Koleta

Sie blieb in großen Peinen nnb Schmerzen,^ als d«e
^llew^ ^u sie verließen, tun die nächtliche Ruhe anszusnchen,
sie ll ^wück ««««d fühlte sich ganz verlassen. Da besuchte««
!v«vi?"<. ^'RKl des Hi«n«nels, welche ihr diente«« und halsen,
l-ei> übrigen Dienste leisteten, «velche getreue Diene«
Ev««iip aÖb oder der Braut des höchsten Königs erwersen
sie Von der hl. Franziska Romana wird berichtet, das«
genvft ^ besondere Gutthat Gottes einen Engel als H aus-
Beschützer nnb Begleiter hatte. In der Kanon«-
ihr , ulle der hl. Rosa von Lima lesen wir, daß der Herr
sichtb'^",Engel geschickt habe, der vor ihr herging und s«e
i^i« . beschnk^b. So vertraulich «var der Verkehr diese«
belnD.'^wit ihren« Engel, daß sie ih>« ««icht bloß wie ihre««
freund schätzte, so««dern ih«« a««ch als Bote«« «u«d

Uirterhändler benützte, so oft ihr göttlicher Bräutigam ihr
nicht zur ge«vohntei« St««nde erschienen «var. Eininal «vurde
sie von dein Hüttchen des Gartens durch ihren Engel, der
die Schlösser der Thüren öffnete, unversehrt ii« das Schlaf-
ziminer ihrer Mutter gebracht.

Von große««« Wert erscheinen endlich den« Referenten die
Aussagen der Zeugen, «velche den Ruf der Heiligkeit der g««ten
Betha bestätigen.

Er sagt: es kann erstens nicht zweifelhaft sein, daß
Elisabeth bei Lebenden in« Ruf der Heiligkeit gestai«de«l ist, da
ihr der Beiname „die g««te" gegeben «var, der so viel als
„die heilige" bedeutet. Es «vird ferner Elisabeth ans dein
Grunde „die gute" genannt, «veil sie in der Uebnng der heroische««
Tuger«den so beständig «var, das insbesondere die Ze««gen VI,
VII, X und XIX beweisen. Zeuge VI, Jakob Güttler von
Rente, Koch im Chorherrenstift bezeilgt: ich habe in meiner
Jugend von meiner Mutter gar oft gehört, daß meine Base,
Gertrud mit Rainen, Klosterfrau in Rente, eine andere Mit-
schivester in« Kloster gekannthabe, «velche sagte, sie habe «nitder
gntenBetha im Kl oft er zu sau« in enge lebt nnb diese Mit-
schwester der guten Betha habe die Heiligkeit der letz-
teren gepriesei«. Von meiner Mutter und ihrer Schwester
habe ich viel Tugendhaftes über die gute Betha gehört, fotrie
daß die Dienerin Gottes «regen der Heiligkeit ihres Lebens
„die gllte" genannt «vorden sei, aber auch von «««einen« Vater
habe ich öfters Deritomnten, daß nicht bloß bei ihn«, fonbern
auch bei andern Be«vohnern Renteö itnb der Nachbarschaft
die Meinuirg von ihrer Heiligkeit seststehe. Zeuge VII,
Michael Geiger, Propst des Chorherrenstifts, äußert sich:
daß die gute Betha bei Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit ge-
standen ist, glaube ich, «veil sie ««ach der Ueberliesernng «regen
ihrer Heiligkeit, Unschuld nnb Tugend die „gute" Betha ge-
nannt wnrde nnb «veil verschiedene Personen zu ihr «vie zu
einer hl. Klosterfrau geko«n«nen sind. Zeuge X, Georg K«)««in,
Profeß des Stifts, bezeugt: daß die gute Betha mit vielen
Tugendei« geschmückt war, glaube ich aus dein, daß sie „die
gute", d. i. die fromme oder tngendreiche und heilige, ge-
««aniit «vurde. Diese Auslegung habe ich von den älteren
Vätern gehört. Zeuge XIX, Jakob Maier, Aintödiener von
Rente, giebt an, daß Elisabeth durch Tugend sich ausgezeichnet
hat, schließe ich nicht bloß ans der allgeineinen Meinung u««d
Ueberliesernng, sondern in« besonder«« daraus, daß «nein Vater
oft erzählt hat, er habe von «««einem Großvater väterlicher-
seits, einem Mann von 102 Jahren, erfahren, daß Elisabeth
sowohl noch bei Lebzeiten als nach dein Tode „die gute und
selige" «vegen ihres ganz heiligen Lebens genannt «vorden sei
nnb daß ihre Sachen «vie Reliquien bei den Reliquien anderer
Heiligen anfbe«vahrt «vurde««. Diese Zeugnisse betreifen, daß
die sel. Elisabeth bei Lebzeitei« in vorzüglichem Ruf der Hei-
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