Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1892

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einer Ordens, ihren Endzweck erreichet hat. R. P. Ana-
cletus Nciffenstuel sagt, daß dises ebenfahls genau beobachtet
werde, wann man gewise Heiligthümmer mit öffentlichen Kir-
chen-Gepräng zuverehren begehre. Und Geschieht diseö billich-
ster Massen, damit nemlich, wie Papst Urbanus der 8.te in
seiner Rulia Sanctissimus anmercket, weder Betrug, noch einige
Fehler, noch was neues, und unordentliches in einer so hoch-
wichtigen Sach begangen werde: ne kraus, aut error, aliquid
novurn, ac inordinatum in re tarn gravi committatur.

So ist demnach sich nit zu verwunderen, noch weniger
die von unserem heiligisten Seiten-Blnt Christi JEsn gegebene
Nachricht dessentwegen in Zweiffel zu ziehen, alldieweilen unser
Gottshauß Weingarten, um von solchem einen öffentliche»
Gottsdienst zu halten, widerholter mahlen bey dem Päpstlichen-
Stuhl flehentlichist gebetten, und nit gleich erlanget hat: son-
deren vilmehr im Gegentheil wird die Wahrheit gedachten
heiligisten Bluts nit wenig bestättiget, da selbes Jhro Päpst-
liche Heiligkeit Jnnocentius der Zwölffte nach lang und fleißig
durch ein H. Cardinal-Versammlnng der Kirchen-Gebräuchen
vorgenommene Undersuchung, als ein wahres aus; der heilig-
sten Seiten Christi JEsu geflossenes Blut mit einer besonde-
ren Meß, und eigentlichen Officio der siben Tag-Zeiten ver-
ehren zu kennen, Anno 1693. gnädigist verwilliget habe».

8 2.

Um welche Päpstliche Gnad und Verwilligung unsere
liebe in GOtt ruhende Vorfahrer, sowol die Hochwürdige
Herren Prälaten, alö die übrige Ehrwürdige Patres Lonven-
tuales sich zu underschidenen Zeiten sehr eyffrig beworben,
und schon vor 159. Jahren gewise Chor-Gebetter zusammen
gcschriben haben, wie solches ein altes Sacristey-Büchlein vor-
weiset: nit minder ist das gantze Convent Anno 1639. (wie
mchrerwehnter P. Oabr. Rueel. Ephem. 2. Jun. als gegen»
»artiger Zeüg schrisftlich angemerckt) einmüthig zusammen
getretten, und hat endlich einhellig beschlossen, die Erlanbnnß
und Einwilligung von Rom zu erlangen, trafst welcher ein
eigene H. Meß, und besonders Chor-Gebett von unserem
heiligisten Blut zu gewise» Zeiten därffte gehalten werden.

Es seynd abermal etliche Jahr verstrichen, da indessen
obiges fromme Vorhaben noch keinen Fortgang zu gewinnen
beginnte: dahero P. Gabr. Bucelin, Anno 1677. den 20.ten
Aug. dem hochwürdigisten Herrn Angela Rossanensischen Ertz-
Bischoffen zugeschriben, und ihme die Sach bester masse an-
befohlen, welcher ohnverzüglich ein gantz gnädige Antwort zu-
ruck geschickt, und gewise Versicherung gegeben, daß er zu
Erhaltung eines öffentlichen GOttödiensts für das allhiesige
hochheilige Blut, welches er den theürcn Werth unserer Er-
lösung zuseyn anrühmet, allen Fleiß und Müh anwende»
wolle: pro impetranda (lautet nnder anderen der Ertz-Bischösf-
liche Briefs de dato zu Rom de» 18.ten Sept. Anno 1667)
kacultate recitandi Oktieium 3acro-3ancti 3anguinis, quod
E^trum fuit Repemptionis nostrae, omnem lapidem ä
me movendum, certo certiüs tibi velim persuadeas.

Das nächst-kommende Jahr darauf, nemlich Anno 1678.
de» 30.ten Octob. hat auch Weyland, glorwürdigister Gedächt-
nnß, LeopolduS Römischer Kayser an den Herrn Cardinaien
Pio ein Kayserlichcs Schreiben abgehen lassen, und ebenfahls
unser vorhabcnde H. Bluts-Verehrung dem Päpstlichen Stuhl
zu gelegener Zeit vorzutragen aufs nachtrncklichiste anvertranet,
wie wir schon oben § 5. des; vergehenden Capitels angeführt
haben.

§ 3.

Ferner habe» sich zu Rom selbsten hoche Patronen her-

vor getha», als »amtlich der Oeeanus 3aeri Lollegi;; der
Cardinal Pio, CarpivenS, Azzolinns, mib andere grosse Mi-
nistri des; Päpstlichen Hofs, welche bey der H. Cardinal-Ver-
sammlung für die Wcingartische Angelegenheit sich sondere
Mühe gegeben, wie solches alles Angelus Rossanensischer Ertz-
Bischoff eigenhändig bezeüget in einem an unseren P. Gabr.
Bucelin Anno 1679. den 15. Jul. von Rom abgelassen
Briefs.

Und auf dieses hat dannoch Weingarten ihren so eyffrig-
verlangten Zweck nit erreichen kennen: sonderen dises so heilig-
angefangene Gcschäfft zu seinem höchst-erwünschten End zu
bringen ist bis; auf die Regierungs-Zeit Wehl. Abbts Wili-
baldi von Kobold unseres GottShanß Weingarten würdigisten
Vorsteher Vorbehalten worden.

8 4-

Allermassen diser kluge Prälat in Anno 1692. es durch
eyffrige Negotation und Underhandlnng des damahlcn wegen
gehaltenen General-Capitel zu Rom befündliche P. Petri Uroine
Provincialis des; H. Carmeliter-Ordens in Obcr-Teütschland
dahin zu bringen gewusst, das; Jhro Eminenz der Cardinal
Cvllorcdns, als ein besonderer Verehrer des; allerheiligsten
Bluts, und grosser Patron unseres Gottöhanses der Sach sich
angenommen, und die schrifftliche Versicherung gegeben, daß
an erwünschten Erfolg nit zu zweifflen sehe, wann man nur
von Seiten Weingarten mit wahrhafften authentischen, znmalen
prvb-mässigen Urkunden anfkvmmen, und erweisen werde, das;
dasiges H. Blut ein Theil und Particnl des; Mantnanischen
sehe, an welchem das gantze Hanptwescn hange. Es hat da-
hero unser Gottshauß gleich in selbigem Jahr noch seine un-
laugbare, und best-bewährte Documenta und Beweißthümer
(wie in vvrgehenden änderten, und dritten Capitel außführlich
zu ersehen) nacher Rom geschickt, und Sr. Eminentz schon
gedachten Cardinalen Colloredo znstcllen lassen, welche er bald
hinnach einer H. Versammlung der Kirchen-Gebräuchen mit
besonderen Nachtruck vorgetragen und aufö kräfftigste rccom-
mendiert haU

Die H. Versammlung hat folgendes Jahr darauf, nem-
lich Anno 1693. den lO.tcn Januaris die überschickte Docu-
menta und Urkunden reüfflich erwogen, zu Rath gezogen und
ausser allem Zweiffel befunden, daß unser zu Weingarten anf-
behaltencs H. Blut nit nur ein Theil von dem Mantuanischen
seye, sondern das selbes auch durch treue Händ, von einer zu
der -andern, lctstlichen aber von der Königin Juditha, in all-
hiesiges Gottshauß Weingarten überbracht, und geschänckt wor-
den. Dessentwegen mit Einwilligung Jhro Päpstlichen Heilig-
keit Jnnoccnntij deß Zwölfftcn der Schluß dahin a>ißgefallen,
das; unser heiligistes Blut mit einem besonderen Atnbt der
H. Meß, und eigentlichen darzn gewidmeten Chor-Gebett der
siben Tag-Zeiten möge verehrt werden, und dises alle Frey-
tag das Jahr hindurch, wann auf selbe, (verstehe, ausserdem
Advent, fasten, und gefasteten Vorabenden), keine besondere,
doppelte, oder halb-gedvppclte Fest cinfallen. Sonderlich aber
kenne die jährliche Begängunß der Erfündung diseö kostbaristen
Schatzes den 12.tcn Mertzcn hochfcyrlich gehalten werden, und
dises alles ans Art, und Gebrauch der Mantuanischen Kirchen.

8 5.

Und weilen dann diser höchst vergnügliche Entschluß durch
einen sicheren in Rom stehenden Freünd änhero nacher Wein-
garten nnder dem 14.ten Martij Anno 1693. notisiciert, bc-
nebcns aber angemerckt worden, das; solch-abgcfasster Schluß
der H. Versammlung nach GOtt Jhro Eminentz dem Carbi-
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