Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1892

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Altdorff ist denen anwesenden mit dem Heil. Blnt der Segen
gegeben worden, wie cs an dem Crentz-Mitwych jährlich zn
geschehen Pfleget, allwo gewöhnlich bey 20. oder mehr Creützer
sind Pfarreyen sich gegenwärtig cinfinden, nm ihre anwachsende
Feld-Früchten dem hoch-heiligisten Blut flehentlich anzubefehlen.
Nach vollendtem Umgang hielte das Hoch-Ambt der H. Meß,
und Vesper, oben hoch-gedachter Herr Abbt Ulrich von Zwy-
falten, und hat nach vollbrachtem GOtts-Dienst das H. Blut
widernm von dem Hochaltar auf Weiß und Art, wie Tags
zuvor, in sein gehöriges Ort getragen.

Damit aber die Christ-Gläubige zu grosserer Andacht
und Verehrung deß allerheiligisten Seiten-Bluts Christi auf-
gemunterct wurden, haben die damals Regierende Päpstliche
Heiligkeit Jnnocentius der Zwölffte nit nur allein denen Brü-
deren und Schwcsteren ans; der H. Blut-Bruderschafft, son-
dern allen Christ-Gläubigen, so die Kirchen zu Weingarten
an discm Fest andächtig besuchen, und allda nach abgelegter
vollkommener Beicht,' und empfangenem H. Sacrament deß
Altars, ihr Gcbett für das Anligen der Christenheit, k. zu
GOtt cyffrig außgießen wurden, vollkommenen Ablaß aller
Sünden Mild-Vätterlich verlyhen. Und dieser hoche und grosse
Ablaß wird von sibeir Jahr zn siben Jahr immerdar erneüret,
wie solches under Jhro Päpstlichen Heiligkeit Benedicto dem
dreyzehcnden, scligister Gedächtnnß, daß leiste mal geschehen.
Anno 1728. den 20.ten Decemb. in dem 5.ten Jahr seines
Papstthums.

Wie sehr nun disen H. Blut-Ablaß zu gewinnen, ihnen
die nahe- und fern-herninligenden Fromme Christ-Gläubige
lassen angelegen sein, erhellet aus; dem, daß die Patres des;
Convents allhier, obwol nit wenig an der Zahl, dannoch dem
zur heiligen Beicht tringenden Volck nit erklecken, sondern
mehr andere außwertige Priester um geistliche Hilfs müssen
erbetten werden. Das erstemal, nemlich Anno 1694. hat an
disem H. Blut-Fest die Zahl der jenigen, so in dem Gotts-
hauß Weingarten zu dem Tisch GOttes gelanget, sich weit
über 5000. belassen: das Beicht-Hören, und Speisen hat über
2. Uhr nachmittag angehalten, welches auch bei hernach er-
folgten Jahren nit nur an eben disem H. Blut-Fest: sonderen
auch an dem H. Blnt-Ritt, das; ist, an dem Freytag nach der
Auf-Farth Christi, und an S. Joannis-Tag, als an unserer
Weingartischen Kirchweyh, gemeiniglich, ja jährlich sich zu er-
eignen pfleget, wie es jedermänniglich sattsam bekandt ist.
Und dises solle allda nit zu einem eittlen Ruhm, sondern zu
grösserer Ehr GOttes, und des; hciligisten Bluts Christi JEsn
kürtzlich angemerckt seyn.

8 3.

Nun haben wir in gegenwärtigen Capitel die umständ-
liche Nachricht vernommen, wie unser H. Blut-Fest zu Wein-
garten das erstemal gehalten worden. Und sothane trcüe
Nachricht haben unsere Liebe alte Religiösen in ihren Schriff-
ten fleissig ausgezeichnet, und dadurch denen Nachkömmlingen
zu verstehen gegeben, was sonders grosse Freüd sie gehabt
haben ab diser schon lang inständig erwünschten, und endlich
erhaltenen hoch-feyrlichen H. Bluts-Begängnuß: so dann ihnen
auch einen heiligen Muth und Antrib zn machen, den auf er-
zehlte Arth höchst-auferbäulich das erstemal gehaltenen GOtts-
dienst von hoch-besagten werthisten Heiligthnm künfftighi» ohne
Underlaß fortznsetzen, welches auch bißhero (Gott sehe unend-
liche Ehr, Lob, und Danck) genau und sorgfältig beobachtet
worden; außgenommen, daß an disem Tag keine außwertige
Creützer Herkommen, und bey Anfang der Procession an statt

des; Te Deum der 97. Psalm qui regis Israel, tutende'■
gesungen werde; wie auch seynd die Patres des; Convents,
und andere geistliche Herren Gäst nit mit Priesterlichen, son-
dern nur mit ihren gewöhnlichen Ordens- und Stands-Kley-
deren angethan, und wird der Umgang, als wie an S. Jo-
annis-Tag, an unserer Kirchweyhe, durch den Kloster-Hof,
und das Convent angestellet.

Schließlich ist allda noch zu melden, das; die Zeit den
auf den 12.ten Mertzen verlyhenen H. Blut-Ablaß zn gewin-
nen ihren Anfang nemme bey der ersten Vesper des; Vor-
Abends, und er sich ende zu Undergang der Sonnen des;
Fest-Tags selbsten. Dahero erfolget, daß, wann in der Fasten
ausser dem Sonntag die Vesper des Vor-Abends Vormittag,
wie alsdann gebräuchlich, gehalten wird, man auch selbigen
Vormittag schon, das; ist, den ll.ten Mertzen, nach angefan-
gener Vesper besagten H. Blnt-Ablaß gewinnen könne, wann
nur die oben erforderte Stuck fleissig verrichtet werden.

Das VII. Capitel.

In was grosser Hochschätzung, und Verehrung das heiligistc
Blnt zn Weingarten von denen Einheimischen allzeit sehe ge-
halten worden, und annoch gehalten werde.

§ 1.

Es ist schon an einem andern Ort gemeldet worden, wie
das unsere liebe in GOTT Ruhende Vorfahrer, sowol die
hochwürdige Hrn. Hrn. Prälaten, als die übrige Ehrwürdige
Batres Conventuales dises Gottöhauses Weingarten, sich jeder-
zeit sehr eyfrig haben angelegen seyn lassen, die Andacht,
Hochschätzung, und Verehrung unsers heiligisten Seiten-Bluts
Christi JESU zu vermehre», und vergrößeren.

Von allen unseren Herren Prälaten kan wol mit Wahr-
heit gesagt werden, das; sie sambt imb sonders von Abbt
Walichone her, under wessen glückseliger Negierung ein so
theüreö Kleynvd unserem Gottshauß einverleibt worden, son-
ders grosse Liebhaber und Verehrer deß mehr-gedachten H.
Bluts gewesen, und jederzeit sich eyfrigistens beflissen haben,
ein zarte Andacht und Hochschätzung zn demselben sowol bey
den Einheimischen, als Außwertige» einzupflantzcn und zu ver-
mehren. Von denen drehen Abbten Joanne de Essendorsf,
Hermanno, und Wilibaldo ist schon in vorigen Capitelen Er-
wehnung geschehen, under welchen billich auch andere ein be-
sondere Stelle verdienen, als erstlich der gottselige Abbt Bert-
holdus, von welchem ein- und anderes anzumcrcken, woraus;
sein ungemein-grosse Lieb, Eyfer, und Andacht gegen dem hoch-
heiligen Blnt ohnschwehr kan abgemessen werden.

Nachdeme nun dann er Anno 1200 ans; einem Probst
deß schon dazumalen einverleibten Closter Hofen zum Abbten
unsers Gottshauses Weingarten erwählet worden, hat er so-
gleich bei Antrettung seiner Negierung den ihme, und seinem
GottshauS vom Himmel anvertrauten H. Blut-Schatz in Gold
und Edelgestein zierlich einfassen lassen, hochvcrnünfftig davor
baltend, sein Abbteyliche Verwaltung von dem H. Blut an-
znfangen, als von welchem aller himmlischer Segen, Glück,
und Benediction über unser Gottshauß herkomme: Bertlroldrm
primö Dominicum Sanguinem (schreibt ein Weingartischer
Religiös, der mit und under dem Abbt Bertholdo gelebt hat)
aurOj & gemmis includi fecit, ratus, ab eo digiie incho-
andum, ex quo intima nobis, & inviscerata supernae
Benedictionis dulcedo jugiter emanat.

(Fortsetzung folgt.)

Stuttgart, Buchdruckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt".
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