Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1892

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Ackers, die cm mehrfach genannter Stelle besonders ausgesteckt
»nd bezeichnet und einem Priester, beziehungsweise Kaplan zu
Mühlhausen inkorporiert sein und zugehören solle, auch treten
diesbezügliche frühere Verträge von jetzt ab außer Kraft und
es darf durch diese Vereinbarung des Abts und Konvents von
Roth, sowie des Pfarrers und der Pfarrei Haisterkirch pfarr-
lichen Rechte in keiner Weise beeinträchtigt werden. — G.
St. Konradö tag 1516. — S. Propst Adam von Waldsee,
Abt Konrad von Roth, der Konvent von Roth, die Aebtissin
Verena von Baindt und der Konvent von Baindt. — Perg.
Orig. in. 5 Siegel. 465.

" Sttmtl. 5 Siegel nn Perg.-Strf. anhängend, sind teilweise schön er-
halten : in roteni Wachs a) d. sehr hübsch stilisierte Siegel des Propstes
von Waldsec: i. got. Kapellenhäuschen, auf e. Bank sitzend der hl. Petrus,
in der Rechten den Himmelsschlüssel haltend, die Linke vor die Brust
gelegt: rechts und links davon, ebenfalls i. kl. got. Kapellcnhäuscheu,
zwei betende Engel. Zu Füßen des heiligen Petrus befindet sich ein
Schild: in 1 und 4 zwei gekreuzte Himmelsschlüssel, in 2 und 3 ein
Mühlrad. — Legende: S • adam • molitoris • ppositi • monasterii • in :
walsee. — In dunkelgrün. Wachs d) das etwas roh ausgeführtc und
verdorbene Siegel des Abts von Roth: ebenfalls in got. Kapellen-
hänschcn die hl. Veronika mit dreizackiger Krone auf dem Haupte, der
übrige Teil des Körpers ist unkenntlich. Darunter in got. Bogen der
kniende Abt. — Legende: Sigillvm • abbatis • ro.— In hell-

braunem Wachs c) das vorzüglich erhaltene Siegel des Konvents von
Roth, wie mehrfach beschrieben, ebenso in grün. Wachs d) das öfters
beschriebene Siegel der Aebtissin von Baindt und in Malta e) das-
jenige des Konvents von Baindt: Madonna mit Kind.

1517. Juli 4. — Bon den drei Brüdern Hans, Michel
und Dolan die Vetter von Härrisen wird das dem Gottes-
haus Baindt zugehörige Gütlein in Härrisen *) im Beisein
Hans Liebs und Hieronymus Hoze, beide Bürger zu Mark-
dorf, Kaspar Simon Maiser und Michel Knecht Haintzes
von Härrisen, demjenigen und seinem zukünftigen Weib ans
Lebenszeit zu Lehen verliehen, der innerhalb Jahresfrist
benennt wird, mit der Verpflichtung, im Verlauf von den
nächsten zwei Jahren ein Häuschen auf seine Kosten auf
genanntem Gütchen zu bauen. Vom ersten Jahre an nach
den beiden Baujahren hat der von den drei Brüdern Ans-
erwählte und mit dem bewußten Gütlein Belehnte einen jähr-
lichen Zins von 1 Pfund Pfennig, 1 Malter Neesen, 1 Malter
Haber Markdorfer Meß, 4 Herbsthühner, 1 Fastnachthcnne
und 100 Eier zu entrichten. — Unbeglaubigte Papierkopie.

466.

1517. Novbr. 20. — Hans Scheffolt, Jörg Scheffolts

selig und Christine Mauchers von Adelshofen ehelichem Sohn,
wird von der Aebtissin Verena von Baindt gestattet, das Gut
zu Adelshofen, das seine Mutter vom Kloster Baindt lehen-
weise innehat, mit dieser bis zu deren Tode gemeinsam be-
bauen und besitzen zu dürfen. Zugleich ist ihm in Aussicht
gestellt, nach seiner' Mutter Ableben genannten Hof auch für
sich selbst, wenn er sich in die Leibeigenschaft des Klosters be-
gebe , ein diesem leibeigen Weib nehme oder solches in des
Gotteshauses Leibeigenschaft bringe, als lebenslängliches Lehen
zu erhalten. — G. frytag 11. St. Elisabetten tag 1517. —
S. Martin Rudolfs, Hofmeister zu Baindt. — Perg. Orig.
Siegel ab. 467.

1518. Jan. 22. — Abt Johannes von Weisseuan stellt
in Verbindung mit dem kaiserlichen Notar Johannes Schlachter
von Franenfeld, der Aebtissin Verena von Baindt auf ihre
Bitten ein Vickimus anö über fünf im Original ihm vorgelegte
Kaiserurkunden, den Altdorfer Reichswald betreffend, und zwar
drei in lateinischer und zwei in deutscher Sprache, nämlich:
n) Privilegium Heinrichs VII. für das Kloster Baindt hin

') Wohl Harrasheim bei Markdorf oder Jinmeiistad im Groß-
herzogtum Badens

| sichtlich des Altdorfer Waldes vom Jahre 1309 (s. Nr. VII
I der Kaisernrknnden); b) ein ebensolches von König Fried-
rich III. vom Jahre 1315 (s. Nr. IX d. K.-U.); c) des-
gleichen von Karl IV. vom Jahre 1353 (s. dir. XII. d. K.-
U.); 6) Privilegium Kaiser Friedrich IV. (III.) für daö Kloster
Baindt vom Jahre 1442 (s Nr. XV d. K.-U.)- und endlich
e) gleichfalls von Maximilian I. v. I. 1494 (s. Nr. XVII
d. K.-U.). — Zugleich giebt Abt Johannes der Aebtissin von
Baindt von den drei lateinischen Privilegien deutsche Ueber-
setznng. — G. frytag it. St. Sebastians tag 1518. — Perg.
Orig. in. NotariatszcichenU) 468.

1520. Dezb r. 14. — Ludwig Haß und Elsbeth Brie-
leriu von Eindürnen erklären, daß ihnen vor etlichen Jahren
von der Aebtissin Verena selig zwar schon des Klosters Hof
und Gut zu Eindürnen zu Lehen gegeben, aber kein LchenS-
brief damals ausgestellt worden sei, nun aber hätten sic einen
solchen von der Aebtissin Anna erhalten. Demzufolge wird
ihnen das genannte Gut um einen bestimmten jährlichen Zins
verliehen. Zugleich sollen sic aber auch die Aufsicht über den
Hetzmannswald und Nonnenbuchwald führen. — G. freytag
ii. St. Süden tag 1520. — S. Johann Schüler, Vogt zu
Wolfegg. — Perg. Orig. Siegel ab. 469.

(Fortsetzung folgt.)

Mis;rllrn.

Jomini in Schwaben respektive in Ulm n»d Wart-
hausen. Der zuerst in französischen, dann in russischen Militärdiensten
gestandene (den 0. März 1779 zu Payerne im Waadtlanöe geborene,
im Jahre 1869 in Passy gestorbene) General und Staatsmann Heinrich
Baron v. Jomini hatte eine unwiderstehliche Neigmig znm Soldaten-
beruse und trat nach manchen vergeblichen Bemühungen hauptsächlich ans
Verwendung des Marschalls Ney, welcher Jomini als damaligen schwei-
zerischen Generalsekretär im Kricgsdcpartement im Jahre 1802 anläßlich
der Occnpation der Schweiz durch die Franzosen im Waadtland persönlich
kennen und schätzen gelernt, endlich bei Errichtung des Heerlagers von
Bonlogne als Neys persönlicher Adjutant in die ,,grancke armde“. In
dieser Stellung zeichnete er, nach Kanipf, Ruhm und Ehre dürstend, sich
gleich bei jeder Gelegenheit auf das vorteilhafteste ans. Gewandt im
Kabinett, war er gleich tapfer und umsichtig aus dem Schlachtfelde.
Sein militärisches Debüt im Oktoberfeldzug von 1805 gegen die Oester-
reicher war glänzend. Er war cs, der im 15. Oktober die Kolonne znm
Sturm ans den „Michelsberg" (die jetzige Wilhelmsburg) ober Ulm mit
Erfolg führte; und das geschickte Manöver, das er das 6. französische
Armeecorps damals machen ließ, soll zur Umzingelung und Gesangen-
nahme von Macks Armee nicht wenig beigetragen haben. Mit Rücksicht
auf seine nicht geringen Verdienste bei der Kapitulation von Ulm wurde
er gegen Ende des Jahres 1805 zu Napoleon nach Wien abgeordnet
und hier überreichte er dem großen Schlachtenmeister die zwei ersten
Bände seines ,,traUe des grandes operations ncklitaires" (oder de
graade tactique), die so gut ansgenommen wurden, daß er NM andern
Tag das Dekret als Oberst in der sranzösischen Armee erhielt. DaS
darin entwickelte System ist hauptsächlich ans die Konzentrierung der
zu Gebot stehenden Kräfte und das Jneinandergreifen der Bewegungen
gerichtet. Gegen das Frühjahr 1806 kehrte Jomini wieder in seine
Stellung zu Ney zurück. Letzterer, der neugebackene Herzog v. Elchingen
von wegen der ihm gelungenen Erstürmung des Dorfes und Klosters
Ober-Elchingen, des Schlüssels zu Ulm, hatte nach dem Preßbnrgcr
Frieden mit seinem Armeecorps zwischen dem Lech und Stockach Stel-
tnng genommen und er selbst ans dem gräflich Stadionschen Schlosse
Warthausen bei Bibcrach vom 17. Mai bis September 1806
das Hauptquartier bezogen. Und — ans diesem Schlosse, dem einstigen
romantischen Musensitze von Graf Friedrich Stadion, Sophie La
Roche, Wieland re. erhielt auch Jomini als würdiger Geistesverwandter
sein Quartier. Hier schrieb er sein denkwürdiges Memoire: „Oes prc>-
babilitös de la guerre de Prusse“. Prophetisch sagt er in dieser merk-
würdigen Schrift voraus, daß, wenn es bei dem bevorstehenden Aus-
bruche eines Kriegs mit Preußen zu einem Hanptschlag komme, so
werde dieser bei Jena und Naumburg stattfinden, was damals in der

') Abt Johannes bemerkt zwar am Schlüsse der Urkunde: „mit
unserer inneren Abbly Jnnsigel an ain Schwartz Seydin schnür durch
das Libell gezogen, gehenkt", doch ist davon nichts mehr ersichtlich.
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