Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1892

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Et Biblia habeat iam inauguratus est. Et ego
Hisce scitis liuius turbae superintendens sum.

Ite capellae, ite capellae, ite meura felix pecus

Ite capellae, bonae placentae, pingues offae nos manent.

Steh' ich in erster Reih' und titei» ist dieses Heer.

Was staunt ihr? zwischen Kommandant und Prädikant
Ist kaum ein Unterschied. — — — — —

— Prediger ist man bei uns, sobald man nur
Gemahlin, Bart und Nock und Schlappe hat
Und eine Bibel: fertig ist der Mann. Und ich
Weiß d>es und bin der Superintcndant der Schar,

Kommt Zicklein, Zicklein kommt, komm', du beglückte Herde mein!
Kommt Zicklein! gute Kuchen, fette Bissen warten schon auf uns.

Es ist dies die einzige schärfere polemische Stelle des
Textes. Man war übrigens um diese Zeit in Dillingen in
ziemlicher Aufregung, da man die öffentliche Konversion
Wolfgang Wilhelms von Pfalz-Neuburg erwartete. Dieser
war insgeheim schon 1612 znrückgekehrt. 1614 ließ Bischof
Heinrich in Dillingen Betstunden halten, um glücklichen Ber-
lanf dieser Konversion zu erflehen. Zu gleichem Zwecke
wallfahriete die marianische Kongregation nach Biolan. —
Die Dillinger Universität und die Jesuiten daselbst hatten
schon längst Fehde mit den Prädikanten der pfalz-ueubur-
gischen Umgegend; jetzt gab es bald reichliche Arbeit.

Die Vindicta oder Raach Gottes hebt nun mit ihrer
Strafrede an:

— o Germania, vae tibi Germania

Vindicta tibi fert nuntium, imo ego nuntius

Vindictam: ni resipias iam nunc protinus

Actum est iam nunc tecum protinus. Ecce re supra'

Caput tuum fulgentem stringo acinaeem
Arcus tendo minaces: flammat in aethera
Accensus irae Numinis furor, neces
Sequentur pestis, fames — — — — —

Clamat peccatum ubi supplicium(.)

Non est pax impiis, ergo bellum fero
Pocula tibi gignent vulnera(,)

Libidines afferant neces — — — — —

— Germania! o! wehe Dir, Germania!

Die Rache bringt Dir Botschaft, nein die Botin, ich
Biiog' selbst die Nack,': Bekehrst Du Dich nicht allsogleich
Jst's alsogleich um Dick gescheh'n! Ob Deinem Haupt
Sieh! schon gezogen ist das blanke Schwert; ich span»'

Den Bogen: in die Lüste flammt die wilde Glut
Des Zornes Gottes; Mord wird folgen und die Pest
Und Hungersnot — — — - — — —

Die Sünde fordert laut heraus ihr Strafgericht!

Für de» giebt's keinen Frieden, welcher Gott verließ.

So bring' ich Krieg! — Die Becher werden Wunden Dir
Erzeugen, Deine Lüste bringen Tod! — — —

(Fortsetzung folgt.)

Regelten zur württemb. Kirchengeschichte.

Von Er. Giefel.

1269. März 31. Bischof Hartmann von Augsburg ver-
leiht auf Bitte des Abtes Hermann von Weingarten den-
jenigen , welche bußfertig und nach abgelegter Beichte dem
Kloster Almosen spenden, einen Ablaß von 40 Tagen für
tödliche, von 1 Jahr für läßliche Sünden, unter der Be-
dingung, daß d e r A b l a ß b r i e f nicht durch Sa nt nt l e r
h e r u m g e t r a g e n werde.

d. d. Biberach 1269 in octava Pasche.

1293. Nvv. 15. Bischof H. von Konstanz gewährt dem
Kloster Weingarten das Recht, während eines von ihm ver-
hängten Interdikts die Leute des Klosters, wie die des Ritters
Burkard von Tobel kirchlich zu begraben und ihre Beichte zu
hören, und bestätigt die Privilegien desselben,
d. d. 1293, XVII. Kal. decembris.

1306. Oft. 12. Papst Klemens V. erteilt dem Abt deS
Klosters Weingarten das Recht, solche Möncbe und Laien-
brüder , welche durch thätliche Angriffe auf einander, durch
Unterschlagung ihres Eigentums oder durch Verweigerung des
Gehorsams gegen den Abt dem Bann verfallen sind, nach Ab-
l büßung der kirchlichen Strafen zu absolvieren und ihr Eigeu-
tnm zum Besten des Klosters einzuziehen; behält sich aber
die schweren Fälle vor,

d. d. Pictavis 1306, IV. id. octobr.

1337. Aug. 1. Abt Kourad von Ueberlingeu und der
Konvent zu Weingarten verpflichten sich, den Tag der
hl. Agnes als Festtag zu begehen, nachdem der Prior Hein-
rich von Ueberlingeu eine Summe gestiftet, mit welcher au
diesem Tage Essen nud Trinken wie an den übrigen Fest-
tagen beschaffen werden soll.

1337. Kal. .Aug.

1348. Februar 3. Bischof Friederich von Bamberg spricht
Abt Kuno, Dekan Lintfried und Konvent in Eilwangen von
allen kirchlichen Strafen, in welche sie durch den Prozeß
gegen Ludwig von Bayern verfallen waren, frei.

d. d. 1348, in crastino purificationis beate virginis.
Konstanz 1348. Der päpstliche Kommissär Bischof Ulrich
von Konstanz befiehlt dem Plcban zu Berg, die Pfarrkiuder
der Kirche zu Berg und der Kapelle zu Fronhofen, welche
wegen Parteinahme für Ludwig den Bayern im Banne ge-
storben, jetzt in geweihter Erde begraben zu lassen,
d. d. Constantie 1348.

1353. März 12. Abt Heinrich und der Konvent zu
Weingarten verpflichten sich, den Tag der Enthauptung Jo-
hannis des Täufers als Festtag zu begehen, nachdem der
Konventual Johannes Humpiß einige Zinsen gestiftet, mit
denen au diesem Tage Essen und Trinken wie au den übrigen
Festen beschafft werde».

d. d. 1353, in die b. Gregorii.

Konstanz 1360, Juni 10. Bischof Heinrich von Konstanz
verbietet dem Abt und Konvent von Weingarten die mit Ge-
fängnis oder sonst bestraften Angehörigen des Klosters auf
Andringen anderer der Strafe zu entlassen, da er sich die
Begnadigung derselben Vorbehalte.

d. d. Konstanz 1360, IV. id. Junii.

1363. Sept. 28. Bischof Heinrich von Konstanz be-
fiehlt dem Dekan von Ravenoburg, die nach dem Tode des
Abtes Heinrich von Weingarten von den Konventualen abge-
schlossene Wahlkapitulation zu annullieren, wonach der neue
Abt jedem eine doppelte Fleischpfründe reichen, die seitherigen
Offiziateu in ihren Stellen belasse», die neuen Stellen nicht
ohne Einwilligung des Konvents vergeben und jedem die
Haltung eines ei g e n en P f e rdeö gestatten solle,
d. d. Konstanz 1363, IV. Kal. Octobr.

1407. März 16. Bischof Antonius von Palestrina ab-
solviert das Kloster Weingarten von dem nach der Bülle
Urbans V. »Xe in vinea dornini« wegen Simonie über
dasselbe verhängten Banne und beauftragt den Bischof von
Konstanz mit der Vollziehung dieser Absolution,
d. d. Rome 1407, XVII. Kal. Apr.
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