Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1894

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welcher schon der Voglerschen Visitation beigewvhnt, erhalten;
pater domus hieß der jeweilige Abt von Weissenau, weil
Schnssenried von Weissenau aus gegründet worden, also ein
Tochterkloster von diesem war. Als die Zeiten nun etwas
ruhiger wurden, ließ Siardus I., als ein treuer Sohn seiner
Heimat, es sich nicht nehmen, „sich zuerst in seinem Vater-
land Mengen, und zwar bei dem Titnlarfest des dortigen
Marianischen Gnadenbildes am 18. Mai 1737 öffentlich zu
zeigen, woselbst er von der Bürgerschaft anfs Herrlichste und
Großartigste empfangen und vom Stadtpfarrer aufs Kost-
barste traktiert wurde". Während des von ihm in der oberen
Pfarrkirche abgehaltenen Hochamtes ließ sich „bei der Mnsik
ein Weibsbild auf der Trompete hören, so kunstreich und
meisterlich, alö man es von keinem Feldtrompeter je-
malen gehört". Daß Frauen in Kirchen Musikinstrumente
spielten, war damals nichts Seltenes; in den Cistercienser-
innen-Klöstern zu Baindt, Heiligkreuzthal, Heggbach, Guten-
zell rc. hörte man über Amt und Hochamt immer schöne figu-
rierte Musik; nur gebrauchten die Klosterfrauen meistens statt
der Blasinstrumente Saiteninstrumente, welche, mit einem
langen Geigenbogen gestrichen, jene trefflich nachahmten.
Später, den 13. Juni 1740, begab er sich einmal nach der
österreichischen sog. Donaustadt Saulgau und hielt in der
dortigen schönen Franziskanerkirche (das Kloster dieses Ordens
wurde daselbst tut Jahre 1646 von der Fürstäbtissin Katha-
rina von Buchau gestiftet, im Jahre 1806 bei der Besitzer-
greifung Württembergs auf den Aussterbe-Etat gesetzt und
im Jahre 1811 gänzlich aufgehoben, die Kirche zu profanen
Zwecke» verwendet) das Hochamt. Am 17. Juli 1738 stellte
Neverendissimus sich in Altshausen beim damaligen „Land-
commeter" dem Grafen von Frohberg-Monljoie vor, wobei
ihm alle erdenklichen Ehren erzeigt wurden; u. a. wurde da-
mals das neu verfertigte kostbare Service, dessen Teller, große
wie kleine, Schüsseln und Schwenkkessel und alles von massivem
Silber aufs feinste ausgearbeitet war und welches bloß
60 000 fl. gekostet haben soll, znm erstenmale ausgestellt und
allgemein bewundert. Unter dem 26. Juli 1740 finden wir
wieder einen Besuch in Altshause» eingetragen; Reveren-
dissimns hielt daselbst das Hochamt, sein Begleiter, das war
unser Chronist P. Pankraz, die Predigt; „nach Mittag ließ
der Herr Landkommenthnr alle Spiellent und Tänzer beiderlei
Geschlechtes in dem Schloß zusammenkommen und alle Zimmer
durchtanzen, um den zahlreichen Gästen, darunter viele hohe
Standespersonen, eine Freude zu machen". In Altshansen
wurde immer ein „vornehmer Hofhalt" geführt und hatte man,
was die Hauptsache war, meistens ordentlich Geld. Das im Jahre
1719 und den folgende» Jahren unter dem Landkommenthnr Frei-
herrn v. Reinach erbaute neue Schloß war im Innern kostbar
eingerichtet, u. a. mit den feinsten Parkettböden belegt und reich-
haltig im superbsten Rokoko möbliert, auch mit vielen schönen
Gemälden, darunter den lebensgroßen, von den Majestäten
selbst nach Altshansen geschenkten Bildnissen der Kaiserin
Maria Theresia und des Kaisers Franz I. ausgeschmückt.
Im großen Korridor des zweiten Stockwerkes befinden sich
die lebensgroßen Porträts von früheren Landkommenthuren.
Noch bis in die 1860er Jahre war diese innere Einrichtung
so ziemlich erhalten, bis leider unter König Karl von Würt-
temberg eine Reihe von Möbeln (darunter einige vollständig
aus Nosenholz gearbeitete Stücke), Gemälde, Gobelins (zum
Teil ins kgl. Schloß nach Hofen bei Friedrichshafen) wegkamen.
Der reiche Silberschatz war natürlich gleich nach der Media-
tisierung verschwunden. Das herrliche Silberservice — wohin
ist es wohl gekommen?! Zerschlagen und eingcschmvlzen —

oder irgendwo auseinander gerissen und zerstreut in einer
Sammlung?! — Am 13. Januar 1738 wurde zu Schnssen-
ried ein Provinzialkongreß der schwäbischen Norbertiner ab-
gehalten, zu welchem außer Schnssenried die Klöster von
Allerheiligen im Schwarzwald, Obermarchthal, Roth, dem
Stammkloster aller schwäbischen Prämonstratenser, Roggen-
burg, Ursberg und Weissenau gehörten; mit Ausnahme von
dem entfernten Allerheiligen waren alle diese Gotteshäuser
durch ihre Aebte, Roth durch den gefürchteten Hermann Vogler
vertreten. „Der Kongreß hatte sich mit Ordensangelegen-
heiten, in specie dem neuen ordinarium zu beschäftigen und
mit der Wahl eines Prälaten aus seiner Mitte znm General-
kapitel, welche ans Abt Kaspar v. Roggenbnrg sowohl propter
praeenrinentes scientias quam propter peritiam idiomatis
gallici fiel."

Das nächste Provinzialkapitel fand im Jahre 1739 zu
Roggenbnrg statt, wohin der Abt am 6. Juni mit dem Prior
reiste; die Rückreise nahm er über Ursberg und Ottobeuren,
denn mit den Bencdiktinerstiften stand man von alten Zeiten
her auf dem freundschaftlichsten Fuße. So hatte den 27. Fe-
bruar 1739 Schnssenried von Zwiefalten ein Darlehen im
Betrage von 12000 fl. ausgenommen, welches allerdings gleich
wieder zurückbezahlt wurde. Die schwäbische Benediktiner-
Kongregation, welche sich im Jahre 1580 nach Anordnung
des Konzils von Trient gebildet, bestand aus den Stiften
Ochsenhansen, Jsny, St. Georgen im Schwarzwalde, Peters-
hausen, Weingarten, Wiblingen, Zwiefalten, Mehrerau.

Derartige „Dienstreisen", welche mau mit eigenem Fuhr-
werk und Dienerschaft unternahm, gab es immer, so im Jahre
1739 am 28. Januar mit dem Prior P. Benedikt Mezler
nach Roth, um als requisitus assistens bet Resignation des
gestrengen Abts Hermann Vogler und der Neuwahl beizu-
wohnen; letztere fiel auf den P. Großkeller Jg. Vetter, vir
doetissirrrns, piissimus et in onrni gerrere qualificatus;
den 18. März fand die Einsegnung statt, bei welcher wieder
Siard mit seinem Großkeller sich einfand. Abt Hermann war
in seinen späteren Jahren milder geworden und sehnte sich
nach Ruhe. (Sein in Oel gemaltes Bildnis ist noch im
Psarrhofe zu Haisterkirch zu schauen, woselbst er einige Zeit
Pfarrverwalter war.) Solche gewaltige Gebieter und Kraft-
menschen tauchten hier und da im 18. Jahrhundert auf;
einer der hervorragendsten war der Neresheimer Reichsprälat
Bened. Maria v. Angern, welchen man in den süddeutschen
Klöstern allgemein unter dem Namen „der schwäbische So-
liman" kannte und welcher seinen Mönchen mehr als einmal,
namentlich bei einer Bewegung im Jahre 1777, den Meister
zeigte.

Den 20. April darauf ging Neverendissimus mit Abt
Anton von der Weißenau auf den Kollegialtag nach Biberach
behufs der Neuwahl eines primarius director circuli sue-
vici an die Stelle des abgetretenen Nother Prälaten Herr-
mann. Die schwäbischen Reichsprälaten hatten sich längst zu
einem Kollegium zusammengethan, welches zur Vertretung der
gemeinsamen Interessen ans ihrer Zahl einen Direktor und
Kondirektor wählten. Den Grund zu einer solchen Vereini-
gung hatte schon der in der mvnastischen Geschichte hvchbe-
rühmte Weingartner Benediktinerabt Gerwick Blarer v. Giers-
berg gelegt, welcher nach Auflösung des schwäbischen Bundes
die Prälaten veranlaßt hatte, in Verbindung mit einander zu
bleiben und sich den Titel Prälatenvorsteher beilegte. Wie
es bei einer solchen Wahl dann und wann zuging, hören wir
ganz nett von unserem Mönche: „Abt Konstantin vom Ci-
stercienserstifte Salem oder Salmansweiler, ein gelehrter,
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