Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1894

Page: 8
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab_beil1894/0008
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
8

am Lech, welcher im Jahre 1732 auch zwei Baurisse zur
neuen Kirche iu Ottobeureu geliefert hatte; dessen Bruder,
Hofmaler Johannes Zimmermann von München, führte die
Freskomalereien in der Kirche ans und ist vielleicht identisch
mit dem Zimmermann, welcher in den Jahren 1714 und
1715 die Michaelskapelle, den Krenzgang, die zwei oberen
Etagen des Konventgcbäudes zu Ottobenern mit Stuccatnr-
arbeiten ausschmückte und welcher namentlich auch die 44 gips-
marmornen korinthischen mit vergoldeten Kapitalern versehenen
Säulen fertigte, welche die Galerie des Bibliotheksaales tragen.
Die Altarblätter sind von dem ans Degernau bei Jngoldingen
gebürtigen tüchtigen Maler Jos. Esperlin, einem Schüler des
Franz Trevisani. Der Steinhäuser Tempel ist nächst dem
Schnssenriedcr Klosternenbau (hauptsächlich dem eingebauten
Bibliotheksaal) die hervorragendste monumentale Leistung des
Stiftes; die bald darauf im Jahre 1746 durch das Cistercienser-
stift Salem zu Neubirnau bei Neberlingen erbaute herrliche
Wallfahrtskirche ist der Steinhäuser nicht viel unähnlich; der
Plan soll von dem berühmten französischen Architekten D'Jx-
nard herrühren. Ort, Pfarrei und Wallfahrt von Stein-
hansen sind alle uralt; in der sagenhaften Völkerschlacht am
Feilenforst, bei der die Blüte des schwäbischen Adels ihr Leben
lassen mußte, sollen schon Heinrich und Ruland, Edle von
Steinhausen, gefallen sein; später waren die Schenken von
Winterstetten u. a. im Besitze des Dorfes, welche es dann
im Jahre 1365 an Schnssenried verkauften. Der Wallfahrt
gedenkt ein altes (bei „Montanus Volksfeste" S. 149 abge-
drncktes) Wallfahrtenlied:

„Nun weren noch der Kirchen vil
Im Deutschland znennent ohne Zil,

Im Tobten Moos; aufs dem Schivartztvaldt,

Da dannen wachsen vngesialt,

Zn Ehingen, zu Rorgenwiß,

Znm Bussen, und zu Englisch Wiß. —

Zu Kilchhoffen in dem Breyßgew,

Auf dem Hürnlin, das ist nichts news.

Zu Steinhausen bey Schufen riebt,

Zu Warthausen und andrem Gebiet.

Zu Biruaw znechst bet) Uberlingen,

Da das Lob Gottes vfft erklinglet,
lind alle Tage, >vie offt mit Haussen,

Wallfarthen zu der Kirchen lauffen.

Wann ich all Oerter sollt erzellen
Oder die alle nennen wollen,

Wiird' ich bei disen nicht verbleiben,

Wivil müßt ich d' Bücher beschreiben?"

(S. diese Zeitschrift X Nr. 1—6 „Die neue Pfarr- und Wall-
fahrtskirche St." IC.)

Eine andere Angelegenheit, ein Handel mit dem (ohne
Sitz und Stimme unmittelbaren) Angustiner-Reichsstift Beüron
im Donauthal, gemeinhin Klosterbeuren genannt, dessen (ihm
durch Kaiser Friedrich I. den Hohenstaufen verliehenes) Erb-
folgerecht in das Vermögen der Hagestolzen wir als Kuriosum
erwähnen wollen, wegen Besitzungen zu Stasflangen, Hofen
und Langenschemmern beschäftigte den Konvent viel. Benron
besaß nämlich von uralten Zeiten her in Stafflangen, das
seit 1607 größtenteils an Schnssenried gekommen, ebenso zu
Hofen und Langenschemmern mehrere Lehengüter, welche
Schnssenried, stets auf die Arrondierung seines Gebiets be-
dacht, schon seit langer Zeit an sich zu bringen trachtete.
„Weil man aber niemalen hat recht zu Streich kommen kön-
nen, so wurde endlich zu fast unerlaubten Mitteln gegriffen.
Es hat nämlich Loretlr, quia hoher Jnrisdiktionsherr über
Stasflangen, wo Benron 5 Lehnhöfe und Hofen mit drei
Benronschen Höfen besaß, von Zeit zil Zeit die guten Ben-
ronsche» Unterthanen, und folglich das Gotteshaus Benrons

prinzipaliter auf unterschiedliche Art, bald wegen Zehnten,
Läutergarben, Marken, Waldungen w. dermassen geplagt und
geschoren, daß endlich der Konvent zu Benron, um solchen
kvntinuirlichen Plagen und Torten dermaleinst abzukommen,
gleichsam nolens volens hat diese Güter kaufsweise hinzu-
lassen sich resolvieren müssen". Der Prälat von Benron
schrieb auch einmal einen Schreibebrief nach Schnssenried,
worin er sich über alle derlei verübte Gewaltthätigkeiten gegen
allhiesigen Abt und Konvent höchlichst beklagt und diese alle
vor den Richterstuhl Gottes und in das Thal Josaphat citiret.
„Leck haec sub rosa — aber christlich war'S nicht". Endlich
erreichten diese Plackereien durch den Verkauf dieser für Beu-
ron doch auch etwas entfernt und zudem unter fremder Juris-
diktion gelegener Höfe um 57 000 Fl. am 20. Oktober 1737
ihre glückliche Endschaft. „Den 21. darauf wurden wir so-
lennissime in erjagte Güter innnittiert und die discretiones
gegen einander ansgeteilt, welche beiderseits hoch zu stehen
gekommen. Der Beuroner Abt Rudolf von Strattowitz (im
Jahre 1724 erwählt), ein ausgezeichnet scharfsinniger, mit
bewunderungswürdigem Gedächtnis ausgestatteter, hochherziger
Herr, welcher sein Stift sowohl in geistiger als materieller
Beziehung zu heben verstanden, bekam von Schnssenried ein
schönes Pektoral im Werte von 400—500 ft., Herr v. Set-
telin in Biberach, welcher Benronscher Amtmann über die er-
kauften Besitztümer war und uns solche neben Herrn Wechs-
ler zu Biberach — nette Enthüllungen! — in die Hände
gespielt, riß pro sua portione den Hof und Nebengütel zu
Langenschemmern davon, Herr Wechsler auch 200—300 sl.;
desgleichen unser Herr Oberamtmann v. Frey u. a. mehr,
welche auch nicht zu kurz kommen wollten, — welches alles
meistenteils aus unserem Beutel gegangen!" Zn guter Letzt
wurde am 16. Januar 1738 noch ein solenner Schmaus im
Stifte gegeben, für welchen Abt Rudolf extra dem Konvente
28 fl. hinterlegt hatte. Prälat Rudolf reiste am 26. wieder
von Schussenried mit seinem P. Martin ab; „nicht lange
darauf wollte Hochderselbe sein neues Kirchengebäu in Augen-
schein nehmen, wurde aber (am 10. Juli 1738) von einem
gerade herabfallenden Ziegelstein so unglücklich auf das Haupt
getroffen, daß er gteich verschied; ihn snccedierte dann ersagter
P. Martin in der Regierung, welcher in Schussenried am
11. April 1739 an der Kirchweihe mit seinen Konventualen
P. Jakob und Johann seine erste Visite abstatlete und in der
Stiftskirche pontifizierte; P. Johann hielt die Predigt. Dieser
Kauf war pro parke Loretlr unvergleichlich wohl geschehen;
und sollte uns billig keinen Kreuzer reuen, wie ja sachverstän-
dige unparteiische Schätzer bei Besichtigung der erkauften herr-
lichen Waldungen sich dahin ausgesprochen, daß diese allein
das Geld gut wert seien, wozu noch gekommen, daß Benron
eine schon viele Jahre in Prozeß gestandene Prätension, ver-
möge welcher die Oggelöhauser und Tiefenbacher die drei
Hofener Bauern gleich anderen Gemeinder alljährlich zu be-
holzen haben, samt allen Briefschaften uns überwiesen und
als unser Frey solche acta dnrchgegangen und erfunden, daß
gedachte Prätension fundiert, ja, daß sogar die Originalur-
kunde, welche diese auf Oggelshansen und Tiefenbach lastende
Verbindlichkeit enthielt, noch aufgefunden wurde, ward der
Prozeß mit den streitigen „Seeköpfen" kontinniert und auch
gewonnen. Die Doppelstellung der Reichsklöster, einmal als
geistliche Anstalten, dann als souveräne Dominien, brachte es
mit sich, daß in denselben mit der Zeit ein gewisser materieller
Sinn erwachte und die stete Sorge um ihr Besitztum und dessen
Vermehrung und Arrondierung nicht den letzten Gegenstand ihres
Sinnens und Trachtens bildete. (Fortsetzung folgt.)

Stuttgart, Buchdruckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt".
loading ...