Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1894

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Vvlksschauspiel vvn Mart. Greis: „Ludwig der Bayer" von Ein-
wohnern des alten Marktes aufgeführt wurde; zu Ansbach,
woselbst im Sommer 1894 das historische vieraktigc Festspiel:
„Der wilde Markgraf" aus der Markgrafenzeit, eine Dich-
tung des dortigen Badbesitzers K. Baier gegeben ward; wei-
ter zu Wu»siedet und in der alten ehemaligen Universi-
tätsstadt Altdorf, woselbst ebenfalls diesen Sommer die
Aufführung des historischen Festspieles: „Wallenstein als Stu-
dent in Altdorf" vor sich ging. Allernenestens wurde die
Errichtung eines eigenen Volksschauspiethanses (nach dem
Vorgänge des Meraner) in Hei thron», als auf einem
klassischen Boden angeregt. Mancher Ort in deutschen Lan-
den wurde sich noch hiezu eignen, so etwa Bamberg mit sei-
nem Kaiserdom oder Würzburg mit dem fürstlich prangenden
Bischofsschloße; in Norddentschland Lüneburg, das wohl von
allen deutschen Städten das besterhaltene Rathaus besitzt;
oder Wismar mit seinen Kirchen, die von Riesen für Niesei:
gebaut zu sein scheinen. Oder Danzig, dessen Langgasse
zwischen den beiden schonen Bauwerken des hohen und grünen
Thores mit dem keck aufstrebenden Nathanstnrm, der weiten
Halle des Artnshofcö und den reichverzierten Fassaden ihrer
Giebelhäuser, eines der abgerundetsten und stimmungsvollsten
Städtebilder bietet.

Noch haben wir an dieser Stelle einer andern von
alten Zeiten neben dem Kegelschieben in Oberschwaben
einheimischen Volksbelustigung, des Scheibenschießens, zu
erwähnen; auch in Schnssenried bestand, wie heute noch,
eine Schützengesöllschaft, welche, vielfach Frcischicßen veranstal-
tete; ans der vorliegenden Zeitperiode wissen wir von einem
solennen Freischießen, welches den 20. Oktober 1739 in An-
wesenheit vieler Personen, n. a. auch verschiedener Standes-
personcn und Beamten, abgchalten wurde und zu welchem
der Oberwirt Sigel einen Ochsen um 120 fl. vom Stifte
kaufte und zum Ausschießen hergab. Lcggeld war für jeden
Schuß ein Thaler. Das Beste gewann, nachdem eö der
Stadt-Ammann des Reichsstädtchens Buchau, KaSpar Doll,
lange innegehabt, ein Bauer von Aßmannshardt, welcher für
den Wirt von Warthansen geschossen. Bei diese:: Frcischie-
ßcn beteiligte sich hoch »nd niedrig, und kamen zu denselben
nicht nur auS der Umgegend, sondern anS weiterer Ferne Gäste;
in: vorigen Jahrhundert thaten nicht selten Konventsherren,
welche gute Schützen waren, mit, was bis in die letzte:: Tage
des Klosters angehalten zu haben scheint. Der von Haiger-
loch geborene ?. Fidelis Unna, hernach lange Zeit Vizetap-
lan in Schnssenried, ein heiterer launiger Man» und guter
Schütze, fehlte selten bei einem Scheibenschießen und war mit
seinem Stutzen auf de» vielen Schießen im südlichen Ober-
schwabcn immer eine gern gesehene Persönlichkeit. Auch die-
sen Schützengesellschaften, deren übrigens noch viele in Ober-
schwaben (eine der ältesten ist die zu Ravensburg ans der
„Knppelnan" 1477 eingerichtete Bruderschaft der Büchsen-
schützen und die zu Jsny im Jahr 1550 gegründete), wenn
auch nicht mehr in der früheren Bedeutung bestehen, ist in:
Interesse der allgemeinen Wehrhaftmachung »nd der Erhal-
tung eines geübten Schützenstandes ei» langes Gedeihen z»
wünschen; vielleicht konnte in dieselbe durch die Veteranen-
nnd Kriegervereine neues Leben kommen. In den österrei-
chischen GebirgSländern sind die „kaiserlichen königlichen
Schießstände", wie sie heißen, samt »nd sonders zweckmäßiger-
weise staatlich organisiert und unterstützt, woran man vielleicht
anch bei uns mit der Zeit denkt.

(Fortsetzung folgt.)

Miszellen.

Ein Spottblatt (Bild) auf die Schlacht vvn Hohen-
linden. Allezeit ist der Wiener Volkswitz gleich dabei und bereit, die
Tagesereignisse nnd was drum und dran hangt unerbittlich in seinen
Bereich zu ziehen. Den, konnten anch vvn alten Zeiten her die un-
glücklichen geschlagenen Generale — nnd was gicbt es wohl unglück-
licheres, als einen geschlagenen Heerführer! — nicht entgehen. Schlugen
die alten Karthager ihre Feldherr,: ans Kreuz, so wurden in Wien 'die
bedauernswerten Opfer der Fortuna mit Hohn nnd Spott übergossen.
Als nach den unglücklichen Schlachte» nnd Tressen vvn Engen,
Mehkirch, Biberach nnd Höchstädt i. I 180 > an des alten Kray Stelle
als Oberbefehlshaber der österreichischen Armee gegen die Franzosen
unter dein genialen Moreau kurz vor der entscheidenden, dein Feldzug
ein Ende machenden Schlacht vvn Hohenlinden der Feldzeugmeister
Franz v. Lauer (f 1803), ein sonst tapferer Soldat, ivelchen man
aber für den Mann der Hvfpartei und für kein Genie hielt, gesetzt
ivnrdc, erschien kurz nach der verlorenen Schlacht, in welcher dem
Namen nach der damals noch blutjunge Erzherzog Johann, der nach-
malige Neichsverweser, den Oberbefehl führte, zu' Wie» ein maliliöses,
jetzt ungemein seltenes Spottblatt (Kupferstich) auf diese Vorgänge. Das-
selbe stellte ben Riesen Simson vor, unter den: die bösartige Anspie-
tling stand:

„Simson erschlug die Philister mit einem Eselskinnbacken. Erz-
herzog Johann vermochte mit einem ganzen Esel, !) nicht die Franzose»
zu schlage,:." veclr.

Likkerarisches.

E i n g e g n n g c n e Schriften nnd B ü ch e r:

Pr ämo u st raten ferst ist Tepl, Festschrift zum 700jährigen Jubi-.
länni der Gründung desselben, im Selbstverläge (1893), Druck von
Jos. Gschihay in Marienbad (mit einer Ansicht des Stifts), 234 S.
Danner, Franz, clericus canouiae Wüten, catalogus totius sacri,
candidi, can. et exemti Ordinis Praemonstratensis 1894, Innsbruck,
Typis Felic. Rauch, 134 Seiten, welcher Katalog ein erfreuliches
Bild vvn dem wieder recht einporgekommencn, früher in Schwaben
(so in Roth, Marchthal, Wcissenan, Schnssenried, Ursberg, Aller-
heiligen, Roggenburg, Steingaden, S. Lucien, Adelberg ic.) sehr
verbreitet geiveseuen Prämonstratenserorden giebt.
Wolfsgruber, 15r. Cölcst. 0.8.0., Karvlina Augusta, die „Kaiserin-
Mutter", mit dem Bildnisse derselben; Wien 1893, Verlag von
Heinr. Kirsch, 300 Seiten, 6 Ml., welches (bereits n. a. in den
„Hist. pvl. Bl." 111. Band, 8. Heft S. 622—629 besprochene) Werk
ganz besonders zur Anschaffung anempfvhle» werde» kann nnd auf
welches wir noch speziell in diesem Blatte zurückzukommen hoffen,
v. Detten, Gg., Landgerichtsrat, lieber die Dom- und Klosterschnlen
des M.-Ä., insbesondere über die Schulen von Hildesheini,
Münster, Corvey, Paderborn, 1898, Druck und Verlag der
JnnfermÜnnschen Buchhandlung (Alb. Pape), 78 Seiten, 90 Pf.
Ortjohann, Ferd., Unsere Vornamen, ihr Ursprung und Bedeutung,
ein Nameusbüchlcin für das deutsche Hans; ebendaselbst 1893,
86 Seiten, 1 Ml. (bcioe letztgenannten Schriften wurden in ver-
schiedenen Zeitschriften bestens empfohlen.)

Erhard, Dr., Oberlehrer in St., Eulogius, Schueider, sein
Leben nnd seine Schriften, Strahlung, Agentur von B. Herder,
Buchhandlung, 1894, XVI und 223 Seiten, mit dem Bildnisse
Schneiders, Preis M. 1.60. (Vorher schon größtenteils im Sonu-
tagsblatt des „Elsäßcr" erschienen. Die bis jetzt vollständigste Bio-
graphie Schneiders; leider ist dessen Thntigkeit als Hofprediger
in Stuttgart etwas kurz behandelt und scheint hier daS königliche
Hans- und Staatsarchiv daselbst nicht benützt worden zu sein.)
Reiser, I. B., Der kleinste lateinische Katechismus des fei. Pet.
Canisius, Passan, Verlag vvn Rnd. Abt, 1894, X nnd 21
Seiten, 0,40 Mk., kl. Fol.^

Katholischer Volks- n n d H a n s k a l e n d e r s ü r W ü r t t e m b e r g,
47. Jahrgang (1895, Stuttgart, Aktiengesellschaft „Deutsches Volks-
blatt", 96 Seiten, durchschossen mit einer Menge Illustrationen,
kart. 30 Pf. Der beste, schönste und billigste katholische Kalender!)
B a n r , Karl, Das K l o st e r zu Blanbenren, ein Führer für Kunst-
freunde und Fremde, mit 28 Holzschnitten und 6 lithographischen
Plänen, Blanbenren, Druck und Verlag der Fr. Mangoldschen
Bnchhandlnng, 58 Seiten, 75 Pf.

Grupp, Or. Gg., Fürst!. Bibliothekar, Reformalionsgeschichte deS
Rieses von 1539—1553, mit Bildern nnd Ansichten, X und 164
Seiten, Druck und Verlag von Th. Reischle in Rördlingcn, 1890,

3 Mk. 50 Pf. (Dieses tüchtige nnd dazu schön ansgestaltete Qnellen-
werk ist nainenilich den schwäbischen LandkapitclSbibliotheken rc.
zur Anschaffung zu empfehlen.)

Stuttgart, Bnchdrnckcrci der Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt".

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