Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 7.1862

Page: 244
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioskuren1862/0260
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
244

hiesiger k. Polizei-Direktion Klage „wegen gesetzwidriger Verbrei-
tung der bezeichneten Nachstiche." Nachdem ihre Reklamation in
den zwei ersten Instanzen die Vernrtheilung des genannten Buch-
händlers zur Folge hatte, entschied sich schließlich der-k. bayer.
Staatsrarhsausschuß als letzte Stelle für die Freisprechung Fin-
sterlin's von Schuld und Strafe aus dem Grunde, „weil der-
selbe die Verbreitung der Payne'scheu Stahlstiche, ohne solche
als Nachbildung unserer Werke zu erkennen, übernommen, sohin
nur unwissentlich das Gesetz übertreten habe." Eine
gleichzeitig gegen den Urheber selbst von dem Münchener Institut
anhängig gemachte Klage führte aber zu dem Resultate, daß Herr

A. H. Payne durch alle Instanzen in die gesetzliche Strafe des
Nachdrucks verfällt, und die Hefte I und 2 seines Kunstvereins
III. Serie, als widerrechtliche Nachstiche der Piloty-Löhle'schen
Lithographien enthaltend, zur Konfiskation und Vernichtung in
Bayern verurtheilt wurden.

Obgleich Piloty <fc Löhle für diese nachtheilige Verletzung ihrer
Eigenthumsrechte keine Ersatzansprüche geltend machten,
nahm Herr Payne von jenen ihn kondemnircnden Erkenntnissen
nicht nur keine Notiz, sondern bewerkstelligte, unter neuen frivo-
len Ankündigungen, in seinem Stahlstichwerke während der fol-
genden Jahre die Herausgabe von weiteren Einhundert und fünf
Nachsticheu ihrer besten lithographischen Uebersetzungcn von Ge-
mälden der hiesigen königl. Pinakotheken.

Da leider zwischen Bayern und Sachsen kein Staatsvertrag
über gegenseitigen Vollzug rechtlicher Erkenntnisse besteht, sahen
die Herren Piloty & Löhle sich gezwungen, neben fortgesetzter
Wahrung ihr Rechte bei den bayer. Behörden, auch zu Leipzig
klagbar gegen Herrn Payne aufzutreten, doch, trotz einer viel-
jährig kostspieligen Proceßführung in dem deutschen Rachbarstaate
Sachsen, gelang es dem gegnerischen Anwälte, eine ihre Rechte völ-
lig mißkennende Anschauung der Streitsache und eine ganz irrige
Interpretation der Gesetze bei den k. sächs. Gerichten zu erwirken,
in Folge dessen die Kläger zum Staunen und zur großen Be-
unruhigung aller soliden Kunstverleger Deutschlands mit unserer
Klage auch durch den obersten sächs. Gerichtshof abgewiesen und
zur Tragung der Kosten verurtheilt worden sind, lieber diese
auffallenden Richtcrsprüche sind selbst in Sachsen von mehreren
juridischen Notabilitätcn mißbilligende Schriften erschienen, nnd
machen wir spcciell auf die geistreiche Beleuchtung jener Erkcnu-
nisse in der Brochurc: „DieWerke der Kunst in der deut-
schen Gesetzgebung zum Schutze des Urheberrechts,
mit besondrer Bezugnahme ans das königl. sächsische
Recht, beleuchtet von A. W. Volkmann, Anwalt zu
Leipzig. München 1856." aufmerksam.

Herr Payne, nicht damit zufrieden, der genannten Anstalt
einen unberechenbaren Schaden durch seine unter dein Schutze
der sächs. Behörden fortwährend verbreiteten Einhundert und elf
Stahlstiche zugesügt zu haben, ließ noch weiters vor drei Jahren
die ebenfalls von Piloty & Löhle herausgegebene große in
Kupfer gestochene Postrcisekarte von Deutschland
durch einen mechanischen Kopisten mittels Pausen auf Stahl
nachradiren und versendete diesen mit Randansichtcn verzierten
Nachdruck unter dem Titel einer „Karte von Mittel-Europa" in

vielen Tausenden von Exemplaren als Prämienblatt an
seine Abnehmer anderer Werke, wodurch der Absatz der
Original-Karte vollkommen vernichtet wurde. Auf die desfalls
bei der hiesigen k. Polizei-Direktion gestellte Klage, deren In-
sinuation die k. sächs. Behörden verweigert hatten,
erfolgte zwar Ediktalladnng Payne's in öffentlichen Blättern;
Herr Payne begegnete ihnen aber mit Stillschweigen, und konnte
dies Angesichts des maaßgebcndcn Untcrsnchungsverfahrcns auch
ohne alles Risiko thun, da hiernach bis zum persönlichen Erschei-
nen des Abwesenden die Untersuchung zu beruhen hat! Die Ak-
ten wurden deshalb bis auf Weiteres reponirt.

Diese vieljährig gemachten traurigen Erfahrungen über die
— anerkannt werthvolle deutsche Kunsterzeugnisse schutzlos stellen-
den, dagegen den sträflichen Nachdruck offenbar begünstigenden —
Rechtsansichten der k. sächs. Gerichtsbehörden bewogen endlich die
Herren Piloty & Löhle int vorigen Jahre ihre dort anhängigen
Klagen gegen Herrn Payne — sowohl wegen der Nachstiche
der Lithographien, als auch der obigen Postreisekarte von Deutsch-
land — mit Wahrung ihrer Rechte zurückzuziehen, welcher Vor-
behalt den Gegner aber zum Schlüsse noch veranlaßte, zwei
Provokations -Processe bei dem Leipziger Handelsgerichte gegen
Piloty & Löhle einzuleiten, worauf sie jedoch die Streiteinlassnng
verweigerten und sich in Folge dessen gefallen lassen mußten,
zum ewigen Stillschweigen in Sachsen mit ihren Rechtsansprüchen
gegen Herrn Payne verurtheilt zu werden.

Es gibt übrigens für alle civilisirtcn Staaten noch einen ober-
sten Gerichtshof „die öffentliche Meinung", vor dessen un-
parteiischem Richterstuhle nicht nach dem tobten Buchstaben will-
kürlich auszulegender Gesetzformeln abgeurtheilt wird und noch
niemals eine unrechtliche Handlung Schutz gefunden hat; in
dieser letzten Instanz wird das Verfahren des Herrn Payne die
richtige Beurtheilung finden! —

Gestützt auf das in Bayern znm Schutze unserer gefährdeten
artistischen Eigenthumsrechte geltende Gesetz setzten übrigens die
Herren Piloty & Löhle den Streit gegen Herrn Payne mit
Beharrlichkeit fort, und dieses Vertrauen in ihre gerechte Sache
ward endlich nach zehnjähriger mühevoller und kostspieliger Pro-
ceßführung durch die Entscheidung belohnt.

Da indeß wegen des bereits erwähnten Mangels eines Staats-
Vertrages die bayerischen UrthcilSsprüchc in Sachsen nicht voll-
zogen werden, so müssen sich die Kläger vorläufig mit dem mo-
ralischen Siege über ihren Gegner, nnd, bei seiner Weigerung,
die ihm auferlegte Entschädigungssumme zu leisten, mit den ihnen
in Bayern zu Gebote stehenden Regreßmitteln begnügen; hielten
sich aber im Interesse der von ihnen rastlos und opferwillig ver-
fochtenen guten Sache, sowie zur Beruhigung aller soliden Knnst-
verleger Deutschlands verpflichtet, den im Königreiche Bayern
noch rein wehenden Geist der Gesetze gegen den schmählichen
Nachdruck durch wortgetreue Mittheilung jener Erkenntnisse zu
dokumentiren.

Nach dieser sachlichen Darlegung des Streites werden wir
nun die Beschlüsse und Erkenntnisse der bayerischen Behörden mit-
theilen. lForts. folgt.)

Borräthig in jeder Buchhandlung:

Pierer’s

Universal-Lexikon der Wissenschaften, Künste und Gewerbe

erscheint in liierter durchaus verbesserter und stark vermehrter Auflage in
6 Bogen starken Lieferungen ä ö Sgr. —18 Pr. rh. —16 Pr. C. M. Bis jetzt
sind 12 Bände (oder 120 Lieferungen) erschienen.

Der Zweck, den das Universal-Lexikon verfolgt, ist ein ebenso schöner
wie nutzenbringender. Derselbe besteht darin, Jedermann, ob gelehrt oder
ungelehrt, o b für die W issensch aft oder das praktische Leben ans-
gcbildet, die Mittel zu gewähren, über Alles, was ihm unbekannt
oder entfallen ist, eine bündige, verständliche und zuverlässige Aus-
knnst zu geben. Es greift dabei weiter als die gewöhnlichen Konvcrsa-
tio ns-Lexika, wie aus der Summe seiner einzelnen Artikel hervorgeht, die
nahe an 800,000 beträgt, während jene höchstens 50,000 umfassen.
Dabei ist es nicht viel theurer, ja verhältnißmäßig viel billiger als jene.
Es ersetzt ein Fremdwörterbuch, ein Zeitungslexikon, ein technisches Nachschlage-
buch, kurz jede andere Fachenchklopädie und bildet eine eigene, in den Raum
von 18 bis 20 Bänden zusammengedrängte Bibliothek, aus der Jeder sich Rath
erholen, Jeder sich belehren und seine Kenntnisse erweitern kann.

' Permanente Gemälde-Austeilung

von Sachse &. Comp., Jägerstr. 30.
Edm. Wodick, Magdeburg: „Portrait
Sr. M. des Königs“. [108]

Deicker, Braunfels: „Gescheuchte
Edelhirsche.“

Bich. Burnier, Lüttich: „Weide am
Rhein in Geldern.“

W. Steuerwaldt, Quedlinburg: „Krypta
der Set. Servatiuskirche zu Quedlin-
burg.“

Tjarda van Stcirlcenborgh, Düsseldorf:
„Thüringische Landschaft“. ___

W. A. Lantz & Co.

Depositeurs des coulenrs de Mss. Clienal
ä Paris et Windsor & Newton äLondres.

— 22. Leipziger-Straße 22. —
empfehlen ihr aufs Beste assortirtes Lager
von Maler- und Zeichnen-Utensilien, Bu-
reau- und Luxus-Gegenständen, sowie
aller auf die Kunst bezüglichen Artikel.

[1051 Commission &. Exportation.

Kommissions-Verlag der Nicolai'schen Verlags-Buchhandlung (G. Parthey) in Berlin. — Druck von G. Bernstein in Berlin.
loading ...