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Königsberg. Zu dem seit 1831 bestehenden Kunstverein und
dem erst wenige Jahre zählenden „Verein der Kunstfreunde in Kö-
nigsberg", der nur Bilder unserer jungen Künstler zur Weihnachts-
verloosung ankauft, soll im Jahre 1869 ein dritter kommen, der eine
mannigfaltigere und umfänglichere Beschickung der permanenten Aus-
stellung ermöglichen soll.
— -— Prof. Trossin, der soeben eine „Madonna" nach G.
Reni beendigt hat, gedenkt in der nächsten Zeit seine bereits weit vor-
geschrittene Platte „Der heilige Antonius" nach Murillo zu vollenden.
Es ist damit das bedeutendste Kunstblatt im Entstehen, das jemals
aus Königsberg hervorging.
Wien. Das Gerücht, daß der „österreichische Kunstverein" mit
der „Genossenschaft der wiener Künstler" in gewissem Sinne sick identi-
ficiren wolle, scheint sich nicht zu bestätigen. Ein Anschluß des
älteren Kunstvereins an die wiener Künstlergenossenschaft wird in-
sofern beabsichtigt, als der Verein auf den von der Genossenschaft
zu veranstaltenden Ausstellungen zum Behuse seiner Verloosungen
ankaufen und gegen eine gewisse Entschädigung seinen Mitgliedern den
freien Eintritt in sämmtliche Genossenschaftsausftellungen ermöglichen
wird. Was dagegen den österreichischen Kunstverein betrifft, so be-
schränkt sich die Annäherung desselben an die Genossenschaft darauf,
daß einige Mitglieder des Verwaltungsraths beauftragt worden sind,
den Versuch zu einer Verständigung der beiden Körper zu machen.
--Die eine der beiden Pegasus gruppen für das hiesige
Opernhaus ist in der fürstlich Salm'schen Gießerei zu Blansko fertig
hergestellt. Sie wiegt hundertachtzig Centner. Die zweite Gruppe
soll im April abgeliefert werden. Bis dahin sind auch die Roste
von Schmiedeeisen fertig, welche die beiden Gruppen aufnehmen sollen.
-- Bei der Versteigerung der Bösch'schen Gemäldesamm-
lung in Wien sind zum Theil hohe Preise vorgekommen. Die höchsten
erzielten Andreas Achenbach's „Norwegische Landschaft" mit
7800 Gulden, desselben „Marine" mit 1235, Decamps' „Land-
schaft mit Staffage" mit 1200, N. Diaz' „Favoritin" mit 1780,
Joseph Führ ich's „Jakob und Rahel" mit 3600, I. Gerome's
,,Hahnenkampf" mit 2630, E. Jsabey's „Ein französischer Restau-
rant" mit 1680, H. Leys' „Bettler" mit 4025, Madou's „Die
beiden Politiker" mit 1320, C. Marko's „Italienische Landschaft"
mit 1310, A. Pettenkofer's „Landschaft" mit 1171, dessen „Un-
garischer Markt" mit 1510, dessen „Thierstück mit Landschaft" mit
1620, C. Roqueplan's „Genrebild" mit 1100, V. Schmitson's
„Thierstück" mit 1350, C. Troyon's „Thierstück" mit 6000,
Waldmüller's „Ländliches Genrebild" mit 1635, dessen „Blinder
Bettler" mit 1625, Fl. Willems' „Velasquez in seinem Atelier"
mit 2821, dessen „Der Juwelier" mit 3600 und Ziem's „Marine"
mit 1800 Gulden.
München. Als Ehrengeschenk für Franz Lachner ist ein
Tafelaufsatz von theils oxydirtem, theils vergoldetem Silber, von
Prof. Dyck im Styl der Renaissance entworfen und von Harrach
ausgeführt worden. Die Verzierungen des Kunstwerks schildert die
von Professor Riehl entworfene und mit dem Tafelaufsatz zugleich
überreichte Adresse in folgenden Worten: „Der Bildner stellte in die
Mitte seines Kunstbaues die hohen Gestalten der Kirchenmusik, der
symphonischen, dramatischen und lyrischen Tondichtung, vier Gestalten,
welche Ihnen gleicherweise befreundet sind. Die Medaillons der
„Vier Menscheualter" bekränzen den Sockel, der heitere Reigen der
„Suite" schlingt sich um den Becher, welcher den Tafelaufsatz krönt.
Allein mit dieser Ihrer reifsten und eigenthümlichsten Schöpfung schließt
das symbolische Werk des Plastikers nicht ab, sondern hoch oben auf
der Spitze schwebt der jugendliche Genius der Phantasie, zum Wahr-
zeichen, daß Ihre schaffende Kraft auch forthin kühner und freier
stets die Schwingen heben möge, jugendlich und verjüngend bis in's
höchste Alter."
München. Von Kaulbach's „Todtentanz" ist das zweite
Blatt fertig geworden. Die handelnden Personen sind Napoleons I
Gemahlin und sein Sohn, der junge König von Rom, welchem eine
Schaar von Fürsten Huldigungen darbringt. Der Führer der Gra-
tulanten ist der „Tod," der zur Feier des Tages das faltenreiche
Gewand des päpstlichen Nuntius angelegt hat. Mit seiner Anrede
ist er fertig und krönt nun den armen Kaisersohn mit einem Diadem,
das nicht aus Gold und Edelsteinen, sondern aus kunstvoll zusammen-
gestellten kleinen Todtenknochen besteht. (!) Die fürstlichen Gratulanten
haben zum Theil ihre Kronen dem König von Rom als Spielzeug
zu Füßen gelegt. Diejenigen, welche noch Kronen besitzen, haben sie
in die Hand genommen und schwenken sie beglückwünschend, wie
Bauernjungen ihre Mützen bei der Einholung des neuen Herrn
Pastors schwenken. Talleyrand steht mit mephistophelischem Ausdruck
hinter der Kaiserin und nimmt eine Prise, um das hämische Lächeln
zu verbergen, das die Unterthänigkeit der Gratulanten ihm entlockt.
Florenz. Es wird auf Anregung der Regierung hier eine
Subskription eröffnet, um Rossini ein Monument in Santa Croce
zu stiften.
Paris. Ein Gebetbuch mit Miniaturen von N. Glockendon,
noch dazu defekt, ist auf einer hiesigen Versteigerung mit 28,000
Franken bezahlt worden. Eine Frau v. Rothschild wird als die
glückliche Besitzerin genannt. Ein schönes und vollständiges Gebet-
buch in Quartformat desselben Künstlers hat die nürnberger Stadt-
bibliothek vor einigen Jahren als Legat erhalten.
—-Eine Korrespondenz des „Moniteur" aus Jerusalem
meldet, daß der Wiederaufbau der großen Kuppel des heiligen Gra-
bes nach Vorschrift des am 24. August (5. September) 1862 von
den Botschaftern Frankreichs und Rußlands in Konstantinopel und
dem Groß-Vezir Ali Pascha gezeichneten Protokolls vollendet worden
ist. Die Kuppel, etwas höher als die frühere und eben so elegant
in den Verhältnissen, wie solid in der Struktur, ist das Werk eines
französischen und eines russischen Architekten, der Herren M a u ß und
Eppinger. Ein Kreuz „von graziöser Form", sagt der „Moniteur",
wahrscheinlich um anzudeuten, daß es weder eigentlich ein lateinisches
noch ein griechisches Kreuz ist, wurde vor dem 15. August auf der
Kuppel aufgerichtet und zum Namenstage des Kaisers enthüllt.
London. In der hiesigen St. Paulskirche ist ein Denkmal
des verstorbenen Admirals Sir Charles Nap ier enthüllt worden. Es
ist ein Reliefbild von weißem Marmor in einer Nische, von dem
Bildhauer G. Adams gefertigt.
St. Petersburg. Die Photographien der nach Meisterwerken
der hiesigen Gallerien haben beim Buchhändler Karl Röttger zu er-
scheinen begonnen. Sie reihen sich dem Vorzüglichsten an, was wir
auf diesem Gebiet besitzen. Sie sind nach den Originalen selbst
ausgenommen, deren ganze Textur sie mit unübertrefflicher Genauig-
keit wiedergeben, ohne dadurch den künstlerischen Gesammteindruck zu
beeinträchtigen. Zu den bisher erschienenen Bildern gehören drei
von Raphael („Der heilige Georg", die „Alba Madonna" und ein
männliches „Brustbild"), eine „Madonna" von Correggio, Luini's
„Columbiue", ein Bild Guido Reni's, eine „Jungfrau" von
Sassoferrato, Domenichino's „Himmelfahrt Magdalenens",
einige prächtige, durch ihre Effekte von Licht und Schatten besonders
wirkende Bilder von Rembrandt und Rubens und die ergötzlich
humoristische „Affenküche" von Teniers. Die photographischen
Nachbildungen der plastischen Künstschätze der kaiserlichen Eremitage
umfassen unter Anderem Canova's „Hebe", „Tänzerin" und „Amor
und Psyche".
Königsberg. Zu dem seit 1831 bestehenden Kunstverein und
dem erst wenige Jahre zählenden „Verein der Kunstfreunde in Kö-
nigsberg", der nur Bilder unserer jungen Künstler zur Weihnachts-
verloosung ankauft, soll im Jahre 1869 ein dritter kommen, der eine
mannigfaltigere und umfänglichere Beschickung der permanenten Aus-
stellung ermöglichen soll.
— -— Prof. Trossin, der soeben eine „Madonna" nach G.
Reni beendigt hat, gedenkt in der nächsten Zeit seine bereits weit vor-
geschrittene Platte „Der heilige Antonius" nach Murillo zu vollenden.
Es ist damit das bedeutendste Kunstblatt im Entstehen, das jemals
aus Königsberg hervorging.
Wien. Das Gerücht, daß der „österreichische Kunstverein" mit
der „Genossenschaft der wiener Künstler" in gewissem Sinne sick identi-
ficiren wolle, scheint sich nicht zu bestätigen. Ein Anschluß des
älteren Kunstvereins an die wiener Künstlergenossenschaft wird in-
sofern beabsichtigt, als der Verein auf den von der Genossenschaft
zu veranstaltenden Ausstellungen zum Behuse seiner Verloosungen
ankaufen und gegen eine gewisse Entschädigung seinen Mitgliedern den
freien Eintritt in sämmtliche Genossenschaftsausftellungen ermöglichen
wird. Was dagegen den österreichischen Kunstverein betrifft, so be-
schränkt sich die Annäherung desselben an die Genossenschaft darauf,
daß einige Mitglieder des Verwaltungsraths beauftragt worden sind,
den Versuch zu einer Verständigung der beiden Körper zu machen.
--Die eine der beiden Pegasus gruppen für das hiesige
Opernhaus ist in der fürstlich Salm'schen Gießerei zu Blansko fertig
hergestellt. Sie wiegt hundertachtzig Centner. Die zweite Gruppe
soll im April abgeliefert werden. Bis dahin sind auch die Roste
von Schmiedeeisen fertig, welche die beiden Gruppen aufnehmen sollen.
-- Bei der Versteigerung der Bösch'schen Gemäldesamm-
lung in Wien sind zum Theil hohe Preise vorgekommen. Die höchsten
erzielten Andreas Achenbach's „Norwegische Landschaft" mit
7800 Gulden, desselben „Marine" mit 1235, Decamps' „Land-
schaft mit Staffage" mit 1200, N. Diaz' „Favoritin" mit 1780,
Joseph Führ ich's „Jakob und Rahel" mit 3600, I. Gerome's
,,Hahnenkampf" mit 2630, E. Jsabey's „Ein französischer Restau-
rant" mit 1680, H. Leys' „Bettler" mit 4025, Madou's „Die
beiden Politiker" mit 1320, C. Marko's „Italienische Landschaft"
mit 1310, A. Pettenkofer's „Landschaft" mit 1171, dessen „Un-
garischer Markt" mit 1510, dessen „Thierstück mit Landschaft" mit
1620, C. Roqueplan's „Genrebild" mit 1100, V. Schmitson's
„Thierstück" mit 1350, C. Troyon's „Thierstück" mit 6000,
Waldmüller's „Ländliches Genrebild" mit 1635, dessen „Blinder
Bettler" mit 1625, Fl. Willems' „Velasquez in seinem Atelier"
mit 2821, dessen „Der Juwelier" mit 3600 und Ziem's „Marine"
mit 1800 Gulden.
München. Als Ehrengeschenk für Franz Lachner ist ein
Tafelaufsatz von theils oxydirtem, theils vergoldetem Silber, von
Prof. Dyck im Styl der Renaissance entworfen und von Harrach
ausgeführt worden. Die Verzierungen des Kunstwerks schildert die
von Professor Riehl entworfene und mit dem Tafelaufsatz zugleich
überreichte Adresse in folgenden Worten: „Der Bildner stellte in die
Mitte seines Kunstbaues die hohen Gestalten der Kirchenmusik, der
symphonischen, dramatischen und lyrischen Tondichtung, vier Gestalten,
welche Ihnen gleicherweise befreundet sind. Die Medaillons der
„Vier Menscheualter" bekränzen den Sockel, der heitere Reigen der
„Suite" schlingt sich um den Becher, welcher den Tafelaufsatz krönt.
Allein mit dieser Ihrer reifsten und eigenthümlichsten Schöpfung schließt
das symbolische Werk des Plastikers nicht ab, sondern hoch oben auf
der Spitze schwebt der jugendliche Genius der Phantasie, zum Wahr-
zeichen, daß Ihre schaffende Kraft auch forthin kühner und freier
stets die Schwingen heben möge, jugendlich und verjüngend bis in's
höchste Alter."
München. Von Kaulbach's „Todtentanz" ist das zweite
Blatt fertig geworden. Die handelnden Personen sind Napoleons I
Gemahlin und sein Sohn, der junge König von Rom, welchem eine
Schaar von Fürsten Huldigungen darbringt. Der Führer der Gra-
tulanten ist der „Tod," der zur Feier des Tages das faltenreiche
Gewand des päpstlichen Nuntius angelegt hat. Mit seiner Anrede
ist er fertig und krönt nun den armen Kaisersohn mit einem Diadem,
das nicht aus Gold und Edelsteinen, sondern aus kunstvoll zusammen-
gestellten kleinen Todtenknochen besteht. (!) Die fürstlichen Gratulanten
haben zum Theil ihre Kronen dem König von Rom als Spielzeug
zu Füßen gelegt. Diejenigen, welche noch Kronen besitzen, haben sie
in die Hand genommen und schwenken sie beglückwünschend, wie
Bauernjungen ihre Mützen bei der Einholung des neuen Herrn
Pastors schwenken. Talleyrand steht mit mephistophelischem Ausdruck
hinter der Kaiserin und nimmt eine Prise, um das hämische Lächeln
zu verbergen, das die Unterthänigkeit der Gratulanten ihm entlockt.
Florenz. Es wird auf Anregung der Regierung hier eine
Subskription eröffnet, um Rossini ein Monument in Santa Croce
zu stiften.
Paris. Ein Gebetbuch mit Miniaturen von N. Glockendon,
noch dazu defekt, ist auf einer hiesigen Versteigerung mit 28,000
Franken bezahlt worden. Eine Frau v. Rothschild wird als die
glückliche Besitzerin genannt. Ein schönes und vollständiges Gebet-
buch in Quartformat desselben Künstlers hat die nürnberger Stadt-
bibliothek vor einigen Jahren als Legat erhalten.
—-Eine Korrespondenz des „Moniteur" aus Jerusalem
meldet, daß der Wiederaufbau der großen Kuppel des heiligen Gra-
bes nach Vorschrift des am 24. August (5. September) 1862 von
den Botschaftern Frankreichs und Rußlands in Konstantinopel und
dem Groß-Vezir Ali Pascha gezeichneten Protokolls vollendet worden
ist. Die Kuppel, etwas höher als die frühere und eben so elegant
in den Verhältnissen, wie solid in der Struktur, ist das Werk eines
französischen und eines russischen Architekten, der Herren M a u ß und
Eppinger. Ein Kreuz „von graziöser Form", sagt der „Moniteur",
wahrscheinlich um anzudeuten, daß es weder eigentlich ein lateinisches
noch ein griechisches Kreuz ist, wurde vor dem 15. August auf der
Kuppel aufgerichtet und zum Namenstage des Kaisers enthüllt.
London. In der hiesigen St. Paulskirche ist ein Denkmal
des verstorbenen Admirals Sir Charles Nap ier enthüllt worden. Es
ist ein Reliefbild von weißem Marmor in einer Nische, von dem
Bildhauer G. Adams gefertigt.
St. Petersburg. Die Photographien der nach Meisterwerken
der hiesigen Gallerien haben beim Buchhändler Karl Röttger zu er-
scheinen begonnen. Sie reihen sich dem Vorzüglichsten an, was wir
auf diesem Gebiet besitzen. Sie sind nach den Originalen selbst
ausgenommen, deren ganze Textur sie mit unübertrefflicher Genauig-
keit wiedergeben, ohne dadurch den künstlerischen Gesammteindruck zu
beeinträchtigen. Zu den bisher erschienenen Bildern gehören drei
von Raphael („Der heilige Georg", die „Alba Madonna" und ein
männliches „Brustbild"), eine „Madonna" von Correggio, Luini's
„Columbiue", ein Bild Guido Reni's, eine „Jungfrau" von
Sassoferrato, Domenichino's „Himmelfahrt Magdalenens",
einige prächtige, durch ihre Effekte von Licht und Schatten besonders
wirkende Bilder von Rembrandt und Rubens und die ergötzlich
humoristische „Affenküche" von Teniers. Die photographischen
Nachbildungen der plastischen Künstschätze der kaiserlichen Eremitage
umfassen unter Anderem Canova's „Hebe", „Tänzerin" und „Amor
und Psyche".



