\ 18*« Jahrgang.
% M 3.
imtplxrrgmt hx Asulschkn ^unstorrsmr. \
Herausgegeben und redigirt
von
Dr. Mar Schasler.
1
19. Januar V
1873. f
Preis des Journals pro Quartal l'/5 Thlr. — Kreuzband-Abonnements werden nur bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang angenommen.
(Eedaction und Expedition der Dioskuren: Berlin, Landgrafenstr. 7.)
Anhalt.
Abhandlung: Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart. Lnnh-Lhronib: Lokalnachrichtcn aus Berlin, Weimar, Düsseldorf, Nassau,
LXXXVlil. Friedrich Bürklein. — Die Thierwelt vom Gesichtspunkt Straßburg, München, Wien.
künstlerischer Darstellbarkeit. (Forts.) Lullst-3nsNI»!t und -Vereine: Gesetzentwurf, betreffend das Urheberrecht an
Lorrcspondcnten: F. K. München, Ans. Januar. (Ausstellung im Kunst- Werken der bildenden Künste. (Forts.)
Verein.) Aphorismen und Misrcilen.
Studien zur Eljarakteristik bedeutender Künstler der Hegenwart.
LXXXVIII. Friedrich Mrklcin.
Von C. A. Regnet.
riedrich Bürklein's Vater war könig-
licher Oberlehrer in Burk in Mittelfranken.
Dortselbst wurde ihm am 30. März 1813
sein erster Sohn Friedrich geboren. Zwei
Jahre später ward der Vater nach Dinkels-
bühl, einem Städtchen in demselben bayer.
Regierungsbezirke, versetzt und lebte Fried-
rich daselbst bis zu seinem fünfzehnten Le-
bensjahre. Zunächst scheint er für die
Studien bestimmt gewesen zu sein, denn
er erhielt durch einen Mönch Unterricht in
der lateinischen Sprache; doch sprach sich
das Talent und die Vorliebe des dreizehn-
jährigen Knaben schon so entschieden für
die Baukunst aus, daß die Mutter, welche ein Erziehungs-
Institut leitete, ihm Unterricht im Zeichnen ertheilte.
Im elterlichen Hause ward, wie meist in Lehrerfamilien,
Musik eifrig gepflegt, und so bildete sich denn auch der Sohn
nicht blos zu einem tüchtigen Klavierspieler aus, sondern war
auch mit allen Saiteninstrumenten vollkommen vertraut. Schon
damals machte sich sein technisches Talent geltend: er konstruirte
sich selber Violinen und Guitarren. Mit fünfzehn Jahren hatte
er gelernt, was daheim zu lernen war; er ging nach München,
wo eben unter König Ludwig ein neues Kunstleben erwacht war.
Doch waren seine Mittel spärlich genug bemessen, und es bedurfte
seiner ganzen Willenskraft und Ausdauer, um sich durch Er-
theilung von Privatunterricht und Anfertigung von Bauzeichnungen
seinen Unterhalt zu ermöglichen.
So bezog er denn die Akademie der bildenden Künste, welche
damals Friedrich Gaertner leitete. Da kreuzte eine Verordnung
des Ministeriums seine Pläne für die Zukunft; fortan sollte
Niemand mehr in den höheren Staatsdienst treten können, der
nicht die Gymuasialstudien absolvirt hätte. Das war ein harter
Schlag, aber der junge Mensch ließ sich dadurch nicht einschüchtern.
Er beschloß, seine wenigen Freistunden zur Vorbereitung auf das
Gymnasial-Studium zu verwenden. Seinem rastlosen Eifer ge-
lang es, Das, wozu Anderen acht Studienjahre gegönnt waren,
in drei Jahren sich anzueignen, und er absolvirte im Jahre 1830
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Herausgegeben und redigirt
von
Dr. Mar Schasler.
1
19. Januar V
1873. f
Preis des Journals pro Quartal l'/5 Thlr. — Kreuzband-Abonnements werden nur bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang angenommen.
(Eedaction und Expedition der Dioskuren: Berlin, Landgrafenstr. 7.)
Anhalt.
Abhandlung: Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart. Lnnh-Lhronib: Lokalnachrichtcn aus Berlin, Weimar, Düsseldorf, Nassau,
LXXXVlil. Friedrich Bürklein. — Die Thierwelt vom Gesichtspunkt Straßburg, München, Wien.
künstlerischer Darstellbarkeit. (Forts.) Lullst-3nsNI»!t und -Vereine: Gesetzentwurf, betreffend das Urheberrecht an
Lorrcspondcnten: F. K. München, Ans. Januar. (Ausstellung im Kunst- Werken der bildenden Künste. (Forts.)
Verein.) Aphorismen und Misrcilen.
Studien zur Eljarakteristik bedeutender Künstler der Hegenwart.
LXXXVIII. Friedrich Mrklcin.
Von C. A. Regnet.
riedrich Bürklein's Vater war könig-
licher Oberlehrer in Burk in Mittelfranken.
Dortselbst wurde ihm am 30. März 1813
sein erster Sohn Friedrich geboren. Zwei
Jahre später ward der Vater nach Dinkels-
bühl, einem Städtchen in demselben bayer.
Regierungsbezirke, versetzt und lebte Fried-
rich daselbst bis zu seinem fünfzehnten Le-
bensjahre. Zunächst scheint er für die
Studien bestimmt gewesen zu sein, denn
er erhielt durch einen Mönch Unterricht in
der lateinischen Sprache; doch sprach sich
das Talent und die Vorliebe des dreizehn-
jährigen Knaben schon so entschieden für
die Baukunst aus, daß die Mutter, welche ein Erziehungs-
Institut leitete, ihm Unterricht im Zeichnen ertheilte.
Im elterlichen Hause ward, wie meist in Lehrerfamilien,
Musik eifrig gepflegt, und so bildete sich denn auch der Sohn
nicht blos zu einem tüchtigen Klavierspieler aus, sondern war
auch mit allen Saiteninstrumenten vollkommen vertraut. Schon
damals machte sich sein technisches Talent geltend: er konstruirte
sich selber Violinen und Guitarren. Mit fünfzehn Jahren hatte
er gelernt, was daheim zu lernen war; er ging nach München,
wo eben unter König Ludwig ein neues Kunstleben erwacht war.
Doch waren seine Mittel spärlich genug bemessen, und es bedurfte
seiner ganzen Willenskraft und Ausdauer, um sich durch Er-
theilung von Privatunterricht und Anfertigung von Bauzeichnungen
seinen Unterhalt zu ermöglichen.
So bezog er denn die Akademie der bildenden Künste, welche
damals Friedrich Gaertner leitete. Da kreuzte eine Verordnung
des Ministeriums seine Pläne für die Zukunft; fortan sollte
Niemand mehr in den höheren Staatsdienst treten können, der
nicht die Gymuasialstudien absolvirt hätte. Das war ein harter
Schlag, aber der junge Mensch ließ sich dadurch nicht einschüchtern.
Er beschloß, seine wenigen Freistunden zur Vorbereitung auf das
Gymnasial-Studium zu verwenden. Seinem rastlosen Eifer ge-
lang es, Das, wozu Anderen acht Studienjahre gegönnt waren,
in drei Jahren sich anzueignen, und er absolvirte im Jahre 1830



