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Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 18.1873

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https://doi.org/10.11588/diglit.12974#0103

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C. v. Piloty, mag er nun von diesem zu seinem Ritter bestellt worden
sein oder den Dienst eines solchen freiwillig übernommen haben,
einen schlechten Gefallen, und (£. v. Piloty hat allen Grund zu
beten: Gott schütze mich vor meinen Freunden! Indem der fragliche
Korrespondent in dieser Sache den Künstler mehr als Noth thut in
den Vordergrund stellt, reizt er dessen Gegner zum Widerspruche.
Der Action folgt eben die Reaction, und diese läßt sich die er-
wünschte Gelegenheit nicht entgehen, den Lehrer von dem schaffenden
Künstler zu trennen, und bei aller Bewunderung für jenen darauf
hinzuweisen, wie dieser die Mache an die Stelle der poetischen Ge-

staltung setzte, die allein den Künstler im höheren Sinne des Wortes
ausmacht und so den Grund zu jener heillosen Begriffsverwirrung
legt, welche das Wort für den Gedanken, das Handwerk für die
Kunst nimmt.

In der Kunst machen sich ebenso Strömungen wie in der Po-
litik geltend. So lange sie andauern, mag es erfolglos sein, gegen
sie schwimmen zu wollen. Aber daraus folgt noch nicht, daß, wer
sich ihnen hingiebt, sich nothwendig auch auf dem rechten Wege be-
findet. Das mögen die bedenken, welche sich „mit wenig Witz und
viel Behagen" von den Wellen sorttragen lassen. R.

Kunst-Institute und -Vereine.

Münchener iAlterthumsverein.

Sitzung vom 2. Keöruar. Sitzung vom 10. Kevruar.

Vorsitzender Rath Dr. Karl Förster. Vor Verlesung des Protokolls
der letzten Sitzung berichtigt der Schriftführer, Herr Lieutenant Würth,
einen im letzten Vereinsbericht der „Walhalla" bezüglich der von Herrn
Scder vorgezeigtcn Bilder vorgekommcnen Jrrthum dahin, daß es an der
betreffenden Stelle statt „von Sighart gemalt" heißen muß: in Sig-
hardt's Werke „bayer. Kunstgeschichte" citirt. Nach Verlesung des Pro-
tokolls findet Ballotage über angemcldete Mitglieder statt und neue werden
angemeldet. Anlaß zu einer längeren Debatte giebt ein von Herrn Inspektor
Neuling vorgezeigtes Oelbild, angeblich von P. Candit, „Die Krönung
Mariens". Rath Förster behauptet gegenüber der gegentheiligen Ansicht
einiger anderer Mitglieder, daß dasselbe von obengenanntem Meister nicht
herrühre und erklärt es für eine sehr schwache ßopic; zur Unterstützung seiner
Behauptung weist er hin auf die großen Fehler in der Zeichnung und den
gänzlichen Mangel künstlerischen Verständnisses in den einzelnen Figuren.
Das Original fraglichen Bildes von P. Candit, ursprünglich für die alte
Starenberger Kirche gemalt, befindet sich zur Zeit im Besitz des Hrn. Ritter
Dr. von Meierfels. Die Büste eines Engels (in Holz geschnitzt), welche
Herr Inspektor Neuling gleichfalls zur Ansicht mitgebracht, findet allgemeine
Anerkennung und wird für ein Orgel- oder Kanzej-Ornament aus der Ro-
kokozeit erklärt; Hr. Neuling hat noch mehrere dergleichen in seinem Besitz.
Herr Glasmalercidirektor Faustner legt eine auf Elfenbein gemalte, herr-
liche Miniatüre vor, das Brustbild einer schönen jungen Dame der Rokoko-
zeit; es soll von einer Französin gemalt sein, welche Hofmalerin am russischen
Hofe gewesen, deren Namen jedoch Herr Faustner vergessen hat. Herr
Kupferdrucker Fel sing legt die von ihm gedruckten, von Herrn Professor
Unger radirtcn Blätter nach Franz Hals vor, deren Originale in der
Harjemer Gallerie. Wie immer, so hat auch diesmal der Meister eine Re-
production geliefert, welche selbst deni Laien das Verständniß für den großen
Meister „Franz Hals" erschließt. Der Druck ist tadellos. Eine kleine von
Herrn Faustner jun. vorgezeigte Gruppe, „Mars, Venus und Cupido"
darstellend, findet Beifall. Hr. Fabrikant Winter schenkt dem Verein zwei
Blätter, das Eine derselben der Abdruck einer nrit Figuren und Ornanienten
schön verzierten, alten Servis-Platte, das Andere mit Abbildungen alt eiserner
Leuchter, früher im Besitze des Herrn Winter; der Vorsitzende spricht ihm
den Dank des Vereines aus.

Vorsitzender der Obige. Nach beendigter Ballotage und Anmeldung
neuer Mitglieder übergiebt der Vorsitzende die photographische Abbildung
eines Reliquariums in Silber mit reicher Emaillirung aus dem 17. Jahrh.
und ein Hautrelief in Elfenbein (St. Georg vorstellcnd) als Geschenk an den
Verein von dem kgl. b. Hofmusikus, Herrn Böhm; die Originale befanden
sich früher in Tölz. Hierauf erfolgt Mittheilung über das von Herrn Buch-
händler Beck gemachte Anerbieten: „eine Zeitschrift für Kunst und Kunst-
handwcrk aller Zeiten" als Organ des Münchener Alterthnmsvereins
demnächst erscheinen zu lassen — der Gegenstand wird einer Kommission zur
Vorbcrathung überwiesen, welcher in nächster Sitzung zur weiteren Besprechung
kommen soll. Der Vorsitzende legt alsdann einen ihm zur Begutachtung
übergebenen Bischofsstab in Elfenbein auf beiden Seiten mit religiösen Dar-
stellungen geschnitten vor; er selbst hält ihn aus sehr später Zeit stanunend
und wegen Mangel an Styl und Formcnkenntniß für die Arbeit eines Di-
lettanten, welcher Ansicht sich die Versammlung anschließt. Von demselben
wird auch ein Tischtuch mit reicher Gold- und Weißstickerei vorgezcigt, welches
außer schönen Ornamenten den Salomo und die Königin Saba mit ihrem
Hofgesinde vorstcllt, welche Erstcrem reiche Geschenke bringt; nach der auf dem
Tuche cingesticktcn Jahreszahl stammt es aus der Zeit von 1569. Herr
Develey zeigt eine weiße, vierkantige Flasche, in welcher in einer Pracht-
bettstatt der Rokokozeit ein im Kostüm derselben Zeit gekleidetes Ehepaar
liegt; diese Kuriosität findet der netten Darstellung wegen Beifall. Ferner
eine kleine Bronce-Statuette (ein Landsknecht mit der Lanze); die künstlerische
Gestaltung ist eine vorzügliche und kann das Objekt aus den Jahren 1510
bis 1530 stammen. Herr Maler Kuppelmaier bringt ein sehr elegant,
mit Schildkrötschaale, gearbeitetes Messer zur Vorlage, auf dessen Eisentheilen
ein Jäger mit feiner Meute relief geschnitten ist; beiin Ocffnen der Klingen
zeigt sich das bayer. Wappen. Rath Förster hält es aus der Zeit Carl
Theodors, andere Mitglieder sind geneigt, es einer früheren Zeit zuzuschreiben;
doch findet Rath Förster's Annahme durch den treffenden Nachweis Sr. Durchl.
des Erbprinzen v. d. Lehen, „daß fragliches Wappen den Hubertus-Orden
zeige" ihre volle Bestätigung. Herr Gischl zeigt schließlich einen eisernen
Thürklopfer von schöner Form, mit reichem Blätierwerk.

F.


Neues Magazin für Künstler.

MRLM

IVCarkgrafen-Strasse ZNTo. 60

(zwischen (1er Kronen- & Leipziger-Strasse).

[7S4]

Permanente

Gemälde-Ausstellung

Louis Bock & Sohn,

Hamburg, gr. Bleichen 34.

^erMuente Ausstellung

Theodor Lichtenberg

Kunsthandlung

BRESLAU

Schweidnitzer Strasse 30.

Aie Gartenlaube.

Nr. S. Inhalt: Glück auf! Erzählung von E. Werner. (Forts.) —
Ein Morgen in Trianon. Mit den: „Portrait von Marie Antoinette". Nach
dem Oelgemälde von Vanloo aus Holz gezeichnet von Ad. Neumann. Ueber
Hypnotismus bei Thieren, nebst gelegentlichen Bemerkungen Uber Natur-
wissenschaft und Spiritismus, Geistermanifestationen u. dcrgl. Von Professor
Joh. Czermak. Zweiter Vortrag. — Pauline Lucca und „Mein Lied." Von
Ferd. Gumbert. — Ein offenes Antwortschreiben. Von Theodor Kirchhofs in
San Francisco. — Trachtenbilder. Nr. 1. „Senner und Sennerin in Nor-
wegen". — Für unsere unglücklichen Ostsee-Deutschen.

tlr. Iü. Inhalt: Glück auf! Erzählung von E. Werner. (Forts.) —
„Nur eine Hausfrau." Von Johannes Scherr. Mit dem „Portrait von Su-
sanne Schcrr" (Marie Susanne Kübler). — Ueber Hypnotismus bei Thieren,
nebst gelegentlichen Bemerkungen über Naturwissenschaft und Spiritismus,
Geistermanifestationen u. dergl. Von Prof. Joh. Czermak. (Fortsetzung des
zweiten Vortrags.) — Erinnerungen aus dem Jndianeraufstand in Minne-
sota. 2. Belagerung von Fort Ridgley. — Ein Wunderbau für die Thier-
welt. Von Carl Nißle. Mit Abbildung: „Das Berliner Aquarium". Nach
der Natur gezeichnet von Emil Schmidt. — Blätter und Blüthen: das erste
Schillerdenkmal in Tirol. — Nachträgliches. — Kleiner Briefkasten. — Be-
richtigung.

Kommissions-Verlag der Nicolai'schen Verlags-Buchhandlung (A. Esifert & L. Lindtner) in Berlin. — Druck von H. Theinhardt in Berlin.
 
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