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Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 18.1873

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https://doi.org/10.11588/diglit.12974#0105

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ein stolzer Patrizier über die Schwelle seines stattlichen Hauses.
Er kommt Wohl aus der Versammlung, die der Stadt Bestes
beriech. Hier zecht fröhliches jnnges Blut aus riesigen Hum-
pen und das Sonnenlicht scheint so freundlich durch das
Weinlaub am Fenster, als hätt' es selber seine Freude d'ran,
und glänzt auf blank geputzten Wehr und Waffen. Dort häm-
mert ein grämlicher Graukopf mit au einem schmucklosen Brust-
harnisch die Beulen aus, die ihm die wuchtige Streitaxt geschlagen.
Aber auch der behaglichen und zugleich prächtigen Renaissance
wird der feinfühlende Künstler gerecht; das beweist jenes an-
regende Bild, in welchem er uns in den Hofraum des prunk-
vollen Handelshauses führt, um den sich auf mächtigen Säulen
behaglich breite Gallerien hinziehen. Der ornamentreiche Giebel
mit Muschelbögen, Thürmchen, Obelisken, Voluten und früchte-
schweren Festons bildet einen gar stattlichen Rahmen für die ge-
putzten Frauen, die mit vornehmer Gleichgiltigkeit auf den Juden
herabschauen, der vor dem Herrn des Hauses seine Schätze
ausbreitet.

„Ich käme mir vor wie ein Lump, wenn ich mich nicht
mehr zusammennähme." So bemerkte unser wackerer Künstler
einst gegenüber einem an sich recht braven, aber nachlässig und
skizzenhaft gemalten Bilde. Das Wort mochte dem Einen oder
Anderen zu scharf scheinen; aber Mayer hat ein Recht es aus-
zusprechen, denn er nimmt es mit seiner Kunst wahrhaftig nicht
leicht. Man fasse nur einmal iu's Auge, mit welcher Gewissen-
haftigkeit er in jedem seiner zahlreichen Bilder vorgeht. Da ist
von der Koustruction der Perspektive bis zu der mit photo-
graphischer Treue durchgesührten Wiedergabe der verschieden-
artigsten Einzelheiten jeder Pinselstrich optisch richtig gedacht und
haarscharf an seine gehörige Stelle gesetzt, ohne daß darunter
die Gesammthaltung in Form und Farbe litte.

Der Einfluß eines so tüchtig gebildeten Lehrers auf seine
Schüler mnß überall zu Tage treten, und darum sind wir auch
berechtigt, einen guten Theil der Erfolge der Schule, au welcher
er nun bald zwanzig Jahre wirkt, für ihn in Anspruch zu
nehmen. F. C. Mayer ist in so hohem Grade, wie wenige an-
dere Künstler, von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die ächte
Kunst Gemeingut des ganzen Volkes sein mußte. Als Früchte
dieser Ueberzeugung begrüßen wir seine zahlreichen, vielfach auch
veröffentlichten Entwürfe von Hausgeräthen, Tapeten- und Tep-
pich-Mustern, Gefäßen, Metall- und Elfenbein-Arbeiten der ver-
schiedensten Art und Bestimmung, die nicht nur im Einzelnen
zur Ausführung gelangten, sondern auch in ganzen Wohnungs-
einrichtungen praktisch verwerthet wurden.

So war unser Künstler seit der von Kreling durchgesührten
Neugestaltung der nürnberger Kunstschule sowohl beim Unterrichte
wie nach Außen hin und in der Besorgung der schriftlichen Ver-
waltuugsgeschäfte, die er viele Jahre hindurch mit aufopfernder
Thätigkeit besorgte, seinem genialen Freunde eine treue und
kräftige Stütze. Er hat in den zwei letzten Jahrzehnten eine
lange Reihe romanischer, gothischer und Renaissance-Motive be-
handelt und es mag nicht ohne Interesse sein, die bedeutenderen
seiner Oelbilder, welche an die Kunstvereine zu München, Han-
nover u. a. a. O., an die Könige von Sachsen, Hannover und
Griechenland, an den Herzog Josef von Sachsen-Altenburg
und zahlreiche Private in Nürnberg, München, Dresden, Kiel,

London, Petersburg, Moskau, Magdeburg rc. gelaugten, keimen
zu lernen.

1. Das Sakramentshäuschen der Lorenzkirche in Nürn-
berg. (Als Gedenkblatt des Albrecht-Dürer-Vereins, gestochen
von Hablitscheck.)

2. Das Sebaldusgrab nach dem ursprünglichen, von Heide-
loff dem Veit Stoß, von B. v. Nettberg dem Peter Bischer
zugeschriebenen Entwurf.

3. Die Rathhaushalle in Braunschweig mit Staffage aus
dem sechszehnteu Jahrhundert: Proklamation des Bürgermeisterrs
Bucheuhagen.

4. Partie aus der Michaelskirche zu Hildesheim.

5. Bildhauerwerkstätte aus dem 12. Jahrhundert. Staffirt
mit dem an einem Grabmal arbeitenden Bischof Bernhard
von Hildesheim.

6. Aufgang zum hohen Chor des augsburger Domes.

7. Hauptschiff desselben Domes mit Vorbereitungen zum
Frohuleichuamsfeste.

8. Der westliche Chor. desselben mit der Staffage:
Schmückung eines Madonuenbildes zum Kirchenfeste.

9. Partie aus dem Dome in Magdeburg vom Kreuzschiff
nach dem rechten Chor-Umgauge mit dem Lettner und Wettiner
Sarkophage von Peter Bischer.

10. Die Brant-Thüre der Sebalduskirche in Nürnberg.

11. Die Sct. Eucharius-Kapelle in der Aegydenkirche zu
Nürnberg.

12. Der Kreuzgang am Hildesheimer Dome.

13. Der Hof in der v. Pellerischen Behausung in Nürn-
berg 1505.

14. Der hintere Aufgang desselben.

15. Ein Saal im Frh. v. Bibraischen Hause in Nürnberg.

16. Schloß „Fröhliche Wiederkunft" in Thüringen.

17. Hof des älteren Pellerhauses mit dem Blick auf die
Burg zu Nürnberg.

18. Südwestliches Fürstenzimmer im Renaissancesttyl aus
dem augsburger Rathhause.

19. Hof einer fränkischen Burg.

20. Gothisches Zimmer aus dem heiligen Geistspital in
Goslar.

21. Hof des Tncherhauses in der Hirschelgasse zu Nürnberg.

22. Sct. Ottmars-Kapelle auf der Burg in Nürnberg.

23. Die Schneider-Kapelle in Augsburg.

24. Der Altar in der Sct. Loreuzkirche zu Nürnberg zu-
nächst der Sakristei.

Auch nach anderer Seite hin entwickelte F. C. Mayer eine
umfassende Thätigkeit. Er leitete die Restauration der h. Krenz-
kirche zu Sct. Johannes bei Nürnberg im I. 1854, den Umbau
des Rothen Thnrmes in Oberwesel am Rhein zu einer Wohunug
für den berühmten Aquarellmaler C. Haag in London, eines ge-
bornen Nürubergers, in den Jahren 1864—66 und betheiligte
sich an der inneren Ausstattung des von dem Kurfürsten Johann
Friedrich erbauten und von dem Herzoge Josef von Sachsen-Alten-
burg restaurirten Schlosses „Fröhliche Wiederkunft". Er besorgte
auch die Dekoration der Gemächer im Palais des Prinzen Moritz
zu Sachsen-Altenburg und die Einrichtung derselben mit Möbeln
im Renaissance-Geschmacke. Die Wirkung derselben wird noch
 
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