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Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 18.1873

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https://doi.org/10.11588/diglit.12974#0144

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|ätqtlurgmt hr Asuisr^on H^unstuorrms.

Herausgegeben und redigirt
von

Dr. Max Schasler.

Preis des Journals pro Quartal 1'/, Thlr. — Kreuzband-Abonnements werden nur bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang angenommen.

(Eedaction und Expedition der Dioskuren: Berlin, Landgrafenstr. 7.)

Anhalt.

Abhandlung: Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart. den, Mitte April. (Perm. Ausstellung des Kunstvereins auf der Brühl'-

XC. Johann Brandeis. scheu Terrasse. Schluß.)—XRom, 12. April. (Raphaels Geburtsfeier.)

Lorrrspondeitzrn: -s- Prag, im April. (Verschiedene Ausstellungen ic.) — ünnst-LIironib: Lokalnachrichten aus Berlin, Leipzig, Neuwied, Schwerin, Wei-

* Bremen, ini April. (Enthüllung einer Statue der Brcma rc.) — mar, Düsseldorf, Nürnberg, München, Basel, Wien, Kopenhagen, Glasgow.

F. IC. München, Ende März. (Ausstellung im Kunstverein der für Lnnjlkritib: Die Konkurrenz-Entwürfe für das bremer Krieger-Denkmal.—
die wiener Weltausstellung bestimmten Gemälde. Forts.) — n. Dres- Berliner Ausstellungs - Wanderung. (Schluß.) — Lricfkasten.

Mr Jahrgang, i

% M17.

Studien zur Eharakteristik bedeutender Künstler der Hegenwart.

X6. Johann Srandris.

(Nekrolog.)

war ein häßlicher November-Nachmittag. Der
Regen fiel strömend nieder und die Straßen
Prags waren ungangbarer als je. Aus den
unscheinbaren Pforten des ehemaligen Kirch-
hofes von St. Heinrich aber bewegte sich trotz
des Unwetters ein feierlicher Zug und nahm —
gefolgt von einer großen Menge Leidtragender —
den Weg gegen das Roßthor. Ich sage: „Leid-
tragende" folgten dem Wagen, denn was dieser
entführte, war ein Freund der Meisten, die ihm
nun folgten, Allen aber werth und lieb, die ihn
kannten; mit wahrer Trauer erwiesen sie ihm den
letzten Liebesdienst.

„Wir begraben einen großen Künstler," sagte mir eine be-
jahrte Dame, die sich's nicht nehmen ließ, mitzugehen, „einen
großen Künstler und einen vortrefflichen Menschen!"

Und sie hat Recht die liebe, gütige Frau, wir begruben
einen wahren Künstler und einen vortrefflichen Menschen, denn
damals haben wir den Maler Johann Brandeis begraben.

Am 9. Juni 1818 zu Bozejow in Böhmen geboren, wurde
Brandeis von seinem Vater, der ein Forstmann war, eben auch
für den Forstdienst erzogen. Das hinderte ihn aber nicht, von
Kindheit auf der Zeichenkunst obzuliegen und seine freien Stunden
mit Aquarellisiren auszufüllen.

Was ihm in dieser Weise Erholung war, wurde aber sehr
rasch zu einem Rettungsanker.

Sein Vater starb früh und an unseren Jüngling trat die
Pflicht heran, für die Mutter und die Geschwister zu sorgen.

Wer die Verhältnisse kennt, in denen ehemals und vielleicht
theilweise auch jetzt noch das Forstpersonal niederer Kategorie
lebt, wird zugcstehen, daß ein solcher „Adjunkt" oder gar „Forst-
praktikant" nicht hoffen durfte, eine Familie aus seinen Einkünften
ernähren zu können.

Also nur rasch entschlossen — Ade du schöner grüner
Wald, — Ade du freies Leben auf Berg und im Thal, —
Ade du blauer Himmel! Das Gewehr und die Tasche wird
hingehängt und unser frische Jägersmann verdingt sich als —
Pfeifenmaler!
 
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