Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 19.1874

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(Redaction und Expedition der Dioskuren: Villa Schasler bei Wilmersdorf, Berlin.)

Inhal t.

Al>ha»-ln»g: Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart. Hebung der Glasmalerei-Anstalt.) — f Nürnberg, Ende Juni. (Ein-

61. Wilhelm von Kaulbach. (Forts.) • weihung des Hans Sachs-Denkmals.) — m. Prag, Ende Juni. (Aus-

Lorrcspo»de»?cn: ^Düsseldorf, Ende Juni. (Von den permanenten Aus- stellung des Kunstvereins.)— IL. Wien, EndeJuni. (Ocsterreichischer

stellungen.) — f Köln, Ende Juni. (Ausstellung des Kunstvereins.) — Kunstverein.)

F. K. München, 27. Juni. (Ausstellung im Kunstverein. Schluß.) — fui»|M£ljro»ilt: Lokalnachrichten aus Berlin, Danzig, Saarbrücken, Nürnberg,
dt München, 27. Juni. (Antrag im Abgeordnetenhause auf Auf- Genf, Paris, London.

Studien zur Gljarakleristik bedeutender Künstler der Hegenwart.
61. Wilhelm von kanlbach.

(Fortsetzung.)

i Wien war der „Peter d'Arbuez" ebenfalls aus-
gestellt und machte hier — wie zu erwarten
stand — außerordentliches Aufsehen. Unser
dortiger Korrespondent äußerte sich darüber:
„Im wiedererösfneten Lokal des Österreichischen
Kunstvereius ist der auch in Berlin ausgestellt
gewesene große Carton Will), v. Kanlbach's
„Peter d'Arbuez" (bekannt unter dem Titel:
„Jnquisitionsbild") zur Ausstellung gekommen
und hat, unter Zuhülseuahme einer wohlorgauisirtett Reklame, sich
eines großen Zulaufs zu erfreuen. Da Sie sich über die durch-
weg tendenziöse und in künstlerischer Beziehung ebenso übertriebene
wie unwahre Komposition bereits ausführlich ausgesprochen, so
kann ich mich hier mit der bloßen Thatsache des Erfolgs, den
das Werk ohne Zweifel ganz andern als ästhetischen Motiven
verdankt, begnügen. Andrerseits aber kann ich doch nicht umhin,
mein Bedauern zunächst über den Geschmack des wiener Publi-
kums, sodann besonders aber darüber auszusprechen, daß der
thätige und einsichtsvolle Verwaltungsrath des Oesterrcichischen

Molto: De mortuis-nil nisi vere.

Kunstvereins sich dazu hergegeben hat, die Spekulation aus
„Sensation", welche dem mit dem Bilde reisenden Besitzer des-
selben schon aus rein finanziellen Gründen natürlich sehr am
Herzen liegt, in so auffallender Weise zu unterstützen. Wenn es
aber in dem betreffenden Programm heißt, daß „das Eintreffen
„dieses kolossalen Werkes, welches sich ebenbürtig der „Hunnen-
„schlacht", der „Zerstörung Jerusalems" und dem „Thurmbau
„zu Babel" an die Seite stellt und auf allen Ausstellun-
„gen in Deutschland, so im Lause dieses Sommers in
„Berlin, Dresden und in Leipzig großartige Triumphe
„feierte, eine wahre Seusatiousnachricht auf dem Gebiete un-
„seres öffentlichen Kunstlebens genannt werden kann", so sind
dies so offenbare Unwahrheiten, daß sie eine entschiedene Rüge
verdienen. Abgesehen davon, daß von einer Vergleichung des
„Peter d'Arbuez" mit der „Zerstörung Jerusalems" oder gar
mit der „Hunnenschlacht" für Niemand, der etwas von wahrer
Kunst versteht oder auch nur ein unverfälschtes ästhetisches Ge-
fühl besitzt, die Rede sein kann, so sind die angeblichen „Triumphe"
des Bildes, namentlich in Berlin, wo es von allen Zeitungen
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