Eggers, Friedrich [Hrsg.]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 8.1857

Seite: 211
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- - -• r® - Derlin. Das Directorinm des Künstler- Unterstützungs-Vereins
hat in diesen Tagen eine Ausstellung der Werke des verstorbenen Professors
Franz Krüger veranstaltet, um sein Gedächtniß durch eine Uebersicht seiner
Leistungen zu feiern. .Se. Maj. der König hat dazu die ans dem Nachlasse |
angekauften Aquarellen und Skizzenbücher bewilligt, welche eine große Reihen-!
folge von Portraits ausgezeichneter Personen enthalten. Es sind ferner Schritte j
gethan worden, um auch die in den Königl. Schlössern befindlichen Werke des
Künstlers der Ausstellung einzuverleiben. Endlich hat man eine öffentliche Auf-
forderung an alle Besitzer Krüger'scher Arbeiten in gleicher Absicht ergehen lassen.
Wir werden diese6Gelegenheit nicht versäumen, das in der heutigen Nummer
beginnende Charakterbild des Verstorbenen durch die Betrachtung dieses reichen
und interessanten Materials zu vervollständigen. ■

Der Verein der Kunstfreunde im Preußischen Staate hat in seiner General-
Versammlung am 27. v. M. auf den Vorschlag des Vorstandes und Ausschusses
beschlossendem Professor Rudolph Jordan in Düsseldorf, in Anerkennung seiner
vortrefflichen Leistungen in der Genre-Malerei und namentlich des ans der vor-
jährigen großen Ausstellung befindlich gewesenen Bildes „die Wittwe und ihr
Trost", dem Bildhauer Sußmann, in Anerkennung seiner schönen auf der
vorjährigen großen Ausstellung befindlich gewesenen Statuen, dem Professor W.
Schirmer, in Anerkennung seiner vielen trefflichen Leistungen in der Landschafts-
Malerei, die Preise ans dem Legate, der von Seydlitz'schen Stiftung Zu ertheileu.

6- Die Stille, welche seit geraumer Zeit in 4 er hiesigen

Knnstwelt herrschte, wurde durch die Aufstellung der im D. Kunstblatte schon
rühmlichst erwähnten biblischen Landschafts-Zeichnungen von W. Schirmer auf
erfreuliche Weise unterbrochen. Die Direcüon der Königl. Kunstschule hatte sich
an den benachbarten Künstler mit der Bitte um Ueberlassung seiner hochgeschätzten
Arbeiten gewendet, und derselbe kam dieser Bitte mit dankenswerther Bereitwil-
ligkeit nach. Durch den ausführlichen Aufsatz des Redactenrs in Nr. 26. des
vorigen Jahrgangs finden wir uns jeder weiteren Aeußernng enthoben, und be-
stätigen nur, daß die Landschaft seit Caspar Poussin und Claude Lorrain,
keinen Meister aufzuweisen hat, der dieselbe zu solcher idealen und klassischen
Höhe emporgehoben. Selbst Rottmann huldigte bei aller Weihe der Poesie,
womit er seine großartigen Schöpfungen durchgeistete, einer naturalistischen Rich-
tung, wenn auch im edelsten und vollendetsten Style.

Daß die Schirmer'schen Zeichnungen bei Künstlern, und demjenigen Theile
des Publikums, welches eine tiefere Einsicht in das Wesen wahrer Kunst ge-
wonnen, allgemeine Bewunderung erregten, bedarf kaum der Erwähnung. Der
Zulauf der Menge, die nur dem „ Bunten" nachgeht, war indeß schwach, und
läßt sich auch leicht verschmerzen. Wir- aber erfreuten uns in hohem Maße des
seltenen Genusses, und fühlen uns zum wärmsten Danke sowohl dem. vortreff-
lichen Künstler, als der Königl. Kunstschuldirection verpflichtet. —

Die Königl. Staatsgalerie ist abermals durch Erwerbung eines werthvollen
Gemäldes bereichert worden. Dasselbe rührt von der genialen Hand des leider
hoffnungslos erkrankten Historienmalers Alfred Rethel, und stellt die „Auf-
findung der Leiche Gustav Adolfs auf dem Schlachtfelde bei Lützen" dar. Wenn
in der Konlposition dieses schon vor 12 —15 Jahren gemalten Bildes sich auch
noch nicht der kühne geistvolle Schwung offenbart, welcher seine späteren Arbeiten
in so hohem Grade auszeichnet, so springt uns doch das. eminente Talent
überall entgegen, und äußert sich sowohl im Allgemeinen in der ans frischem,
feurigem. Drang entsprungenen Zusammenstellung,, als auch im Speziellen in der
geistvollen originellen Charakteristik. Zeichnung , und Farbe zeugen von großem
Verständniß,' und. zugleich von Huer- gesunden. .eigenthümlichen Kraft, welche bei.
Rethells Kunstschöpfungen überall vorherrschend znm Ausdruck kam. Da dieses
Künstlers Thätigkeit durch die Fresken im Aachener Rath Hause vorzugsweise in
Anspruch genommen war, so ist die Zahl der von ihm gemalten Staffeleibilder
eine ziemlich geringe, und dürfen wir uns um so mehr freuen, durch diese
schöne Erwerbung den Namen Rethel's bei uns eingebürgert zu haben. —

Der Bildhauer Gilden stein ist mit seinem in unserm letzten Bericht näher
bezeichneten neuesten Werke, dem „Triumph-Springbrunnen des Kaisers Napo-
leon ID." nach Paris gereist, um dasselbe wo möglich dem Kaiser, zu dessen
Verherrlichung der Künstler sein Werk geschaffen, vorznstellen. Wie wir hören,
hat es vorläufig einen Platz auf der großen Kunstausstellung gefunden. —

Hofmaler Gegenbauer hat ein Damen-Portrait vollendet, das an Adel
der Auffassung und feiner künstlerischer Durchbildung nichts zu wünschen übrig
läßt. Der gewandte Künstler verstand die Klippen der Salon-Malerei, worin
sich Winterhalter in den hohen und höchsten Kreisen so viele Freunde erworben,
glücklich zu umschiffen, da sein Bild, trotz des modernen Kostüms auch den Be-
dingungen scharfer Charakteristik und stylistischer Durchdringung gerecht wird.
Dabei sind Anmuth und weibliche Grazie nicht außer Acht gelassen und eine

feine naturgetreue vom zartesten Pinsel aufgetragene Farbe, verleiht dem Ganzen
eine harmonische und äußerst anziehende Wirkung. —

Im Kunst-Verein nichts Neues, außer drei Landschaften, Waldpartieen, von
Härdtle hier, welche von tüchtigem Naturstudium und geschmackvoller Gruppi-
rung der Baumpartieen zeugen.

2J- Dresden. Auf Ihre* neuliche Mahnung, dem ersten Bande, des
Hübner'scheu Bilder-Breviers einen -zweiten folgen zu lassen, läßt sich mit-
theilen, daß die wackern Künstler bereits damit belchäftigt sind, und ihn schon
bis Weihnacht fertig zu bringen hoffen. Bürkner arbeitet außerdem fleißig an
den Nadirungen der Waldgemälde Bendemann's im Ballsaale des Königl.
Schlosses, ein gleichfalls sehr schätzbares Unternehmen. — Der Maler Gönne
ist als Professor an der hiesigen Akademie angestellt.

Mai. Ein hoher- und seltener Kunstgenuß steht in der
Mitte des nächsten Monats bevor, eine Ausstellung hauptsächlich historischbild-
licher Cartons der bedeutendsten jetzt lebenden Geschichtsmaler, die auf die per-
sönliche Einladung Sr. Hoheit, des Erbprinzen Georg zu Sachsen-Meiningen
von den betreffenden Künstlern selbst nach Meiningen gesendet werden, oder de-
ren Sendung auf anderem Wege vermittelt und zugestanden wurde.

Eine Ausstellung solcher Art ist in keiner Weise mit Gemälde-Ausstellungen,
wie sie in neuerer Zeit so vielfach stattfindey, zu verwechseln; der Carton ist
gleichsam die Seele des Gemäldes, das verkörperte Ideal, wie es dem Künstler
vorschwebte; nicht immer erreicht daS später in Farben ausgeführte Bild die
geistige Schönheit des Cartons, daher legen die Künstler auf ihre Cartons hohen
Werth und Kunstfreunde erwerben dieselben meist nur zu bedeutenden Preisen.

. Es werden nach Meiningen kommen vom. Ritter von. Cornelius einige
Cartons der in der Ludwigskirche zu München ausgeführten Fresken, vom Ritter
von Kaulbach Cartons einiger Wandgemälde im Berliner Museum, wahr-
scheinlich „die Blüthe Griechenlands" und „Wittekind", vom Professor Schnorr
von Carolsfeld colorirte Cartons der im königlichen Residenzschlosse zu Mün-
chen ausgeführten. Nibelungenbilder; vom Professor von Schwind Cartons
einiger der im Landgrafenzimmer der Wartburg ausgeführten Gemälde; außer-
dem wahrscheinlich Cartons der bedeutenden Künstler D eg er und Carl Mül-
ler in Düsseldorf, vielleicht auch Skizzen zu den von Schraudolf im Dome
zu Speier ausgeführten Gemälden, und Andere mehr.

So wird sich über die deutsche historische Kunst in der Malerei durch vie
bedeutendsten und würdigsten Schöpfungen der Gegenwart ein Ueberblick ge-
währen, den keine andere Kunstausstellung darzubieten vermag, und wird seiner
Zeit näheres darüber im D. Kunstblatt mitgetheilt werden.

(M. Tgbl.)

Mlnnchen. Die Künstler und Professoren der Akademie, Piloty, von
Schwind und Voltz, haben von Sr. Maj. dem Könige eine Einladung nach
Paris, erhalten, um von da nach Manchester zu gehen.

— Ein Kleinod der seltensten Art kam jüngst hier zu Tage, das in An-
betracht der daran haftenden historischen Erinnerungen und wichtigen Folgen von
großem Interesse sein dürfte. Es ist ein goldener Ring von zierlicher Arbeit.
Der einfache,.mit einem Rubin geschlossene Reif ist durch das Kreuz gebildet,
dag mit den Leidenswerkzeugen Christi: Leiter und Schwert, Speer, und Schwamm
nebst dem Schweißtnch, und der Aufschrift in erhabener und durchbrochener Ar-
beit sinnig geziert ist. Die innere Schrift aber lautet: „D. Martino Luthero
Gatharina a B'ora'jff in der inner« Seite des Schwerts ist der Tag eingeschrie-
ben: „13. JnniuS 1525." Es wäre sonach der Verlobungsring, welchen die
Käthe — „uxor dominus meus-‘, wie er sie einmal scherzend nennt — dem
Reformator gereicht, da der Hochzeitstag, irre ich nicht, erst am 27. Tage dessel-
ben Monats vor sich ging. Wenn, wie knnstgeschichtliche Kenner nach genauer
Untersuchung versichern, weder die Arbeit noch der Charakter der Inschrift etwas
gegen den Styl der betreffenden Zeit einzuwenden geben and sich die Echtheit
desselben vielleicht noch aus weitern Belegen erweisen läßt, so wäre hier eine
werthvolle Reliquie entdeckt, die wohl aus Privathänden in sichern Besitz über-
gehen dürfte. (A. Z.)

14. Mai. Se. königl. Hoheit der Großherzog hat allergnädigst
geruht, für das Luth erdenkmal einen Beitrag, von 300 Fl., Se. großherzogl. Ho-
heit der Prinz Carl von-100 Fl., und Ihre königl. Hoheit die Prinzessin Carl
ebenfalls von 100 Fl. in die in Darmstadt circulirende Liste einzeichnen zu
lassen. (A. Z.)

fyotlXf 9. Mai. Vor .wenigen Tagen wurde in dem durch seine Vasen-
funde berühmten Vulci durch den bekannten Alessandro Frantzais, der daselbst
auf Kosten der Herren Diolot und Noel des Vergers in Paris Ausgrabungen
leitet, eine Grabesgrotte eröffnet, deren Wände mit Gemälden von außerordent-
licher Erhaltung geschmückt waren. Beigeschriebene Namen in etruskischen Buch-
staben zeigen, daß dieselben sich auf Begenheiten des Troi scheu Sagenkreises be-
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