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heit, hat es besser, in ihrem Sinne besser mit ihm vor, sie er-
scheint unter Donner und Blitz, verwandelt den schönen Kopf der
Medusa in ein Schlangenhaupt und Perseus selbst zieht gegen das
Ungeheuer aus, im Kampf es zu tödtcn. Er thut's und festigt das
versteinerte Haupt der Erschlagnen in seinen Schild. Heitre Tage
kommen! Minerva anordnend, alles zum Guten lenkend und ihren
Liebling zu den Plüschsophas des Lebens führend, hat die Hand des
Helden in die Hand der schönen Andromeda gelegt und Perseus be-
sitzt Alles, was die Welt zu bieten vermag, nur Eines nicht —
Medusen. Inmitten seines Glücks und Reichthums, inmitten seiner
Liebe selbst verzehrt er sich vor Sehnsucht, bis endlich er hinauszu-
ziehen beschließt, zu neuen Kämpfen und neuer Gefahr, und in die
Waffenkammer hiuansteigt, um sich zu rüsten. Als er den alten
Schild, mit dem verhangnen Haupte, erblickt, treibt's ihn unwider-
stehlich, noch einmal in das Antlitz zu sehen, das ihm einst alles
war, dem er angehören wollte — er thut's, und den Schleier hin-
wegnehmend, ist er versteint. Unsre Wiedergabe vom Inhalt des
Stücks entspräche nicht ihrem Zweck, wenn sie noch eines Commen-
tars bedürfte. Wem sie genug giebt, der wird sich angeregt fühlen
durch die Schönheit und Neuheit der dem Stücke zu Grunde liegen-
den 2dee, und wenn wir etwas daran auszusetzen hätten, so wäre
es das, daß der Verfasser in den Zwiegesprächen zwischen Perseus
und Kasperle die Anklänge, wenn auch alleräußerlichster Natur, an
Faust und Mephisto nicht hinreichend vermieden Hat. Wir wissen
selbst am besten, daß auf solche ganz äußerliche Verwandtschaft nicht
viel Gewicht zu legen ist, aber es ist mit jungen Poeten wie mit
jungen Mädchen: sie müssen auch den Schein meiden.
„Die Wrie" ist der Titel einer in Distichen geschriebenen
reizenden Erzählung, die, ohne ihre Moral aufzudrängen, doch neben
der Phantasie des Lesers auch sein Nachdenken lieblich beschäftigt.
Die Furien brausen in Sturm und Wetter über das Land; eine
derselben verliert ihren Schuh, und da sie der Dichter uns mit den
Worten schildert:
Jung noch war sie und nicht so ganz in die Nache verloren,
Das; sie des Schnhes Verlnst hätte geringe geschätzt,
dürfen wir uns nicht wundern, sie den Furienzug verlassen und beim
Schuster Diiphilos zur Reparirnng des Schadens eintretest zu sehn.
Während dieser ihr den Schuh macht, erzählt er ihr von seiner
Liebe zur schönen Lhkoris, und die Furie hört diesem Geplauder so
aufmerksam und theilnehmend zu,
„daß ihr die Rinde sogleich schmolz von dem Herzchen gelind."
Sie erhebt sich sogar vom Schemel, um dem liebenden Schuster
einen Kuß zu geben. Dies sieht die eben eintretende Lhkoris, und
vor Eifersucht selbst zur Furie werdend, ergreift sie die am Boden
liegende Geißel, um das vermeintlich buhlerische Paar, nachdem sie
es aufs Heftigste geschmäht, auch noch zu züchtigen. In diesem
Augenblick braust der Furienzug, der die eine der Schwestern in-
zwischen vermißt hat, durch das Zimmer des Diiphilos, und die
Geißel in Händen der tobenden Lhkoris erblickend, entführen sie
diese, während die belehrte, zur Liebe erwachte Furie, als Braut,
an Stelle Jener, zurückbleibt. Dies zierliche Geschichtchen ist von
einer außerordentlichen Sinnigkcit und wir bezeichnen es am besten,
wenn wir es, seinem Gedanken nach, ein heitres Seitenstück zum
Gotheschen „Gott und die Bajadere" nennen. Hier wie dort ist es
die stille, anspruchslose Liebe, die rettet, und die demuthvolle Furie,
geschmiegt an das Herz des Diiphilos, rührt uns kaum minder, als
der Moment, wo wir die Bajadere gen Himmel schweben sehn und
mit einstimmen in die Worte:
Es freut sich die Gottheit der reuigen Sünder;
Unsterbliche heben verlorene Kinder
Mit feurigen /Armen zum Himmel empor.
Wir wenden uns nun der letzten Arbeit des Buches zu, den
„Idyllen von Sorrent". Es sind Tagebuchblätter, die uns nun
Theil nehmen lassen an dem Glück und all der Schönheit, die sich
einst dem Dichter an dieser vielgefeierten Küste erschlossen. Auch er
feiert den Platz, die Stelle, wo das Herz und Sinne labende
Leben des Südens zum erstenmale sich voll und ganz vor ihm auf-
thut, aber er nimmt aus der Schönheit der Umgebung doch nicht
mehr als den Rahmen und das Erlebniß, die Menschen bleiben ihm
das Wesentliche. So haben wir denn in diesen Jdhllen nicht bloße,
etwa in Platenscher Weise entworfene Landschaftsgemälde, drin sich
kleine, unsicher gezeichnete oder doch stereothpe Figuren bewegen;
sondern Genrebilder, zierlich jetzt und dann wieder kräftig bis zur
Derbheit, bieten sich uns dar, alle wiederum lose aneinandergereiht
mit Hülfe eines Romanfadens, der sich hindurchzieht. Dieser Roman
ist nicht erheblich und dürste hinter dem sonstigen Compofitionstalent
des Dichters Zurückbleiben; aber es sind in diesem Fall auch ganz
entschieden die Details, die einzelnen Scenen, die in den Vorder-
grund treten und uns fast vergessen machen, daß mit dem Ganzen
mehr noch, als eine Reihe bunter, lachender Bilder gegeben sein
soll. Die Novelle und ihre Entwicklung ist hors cToeuvre; kann
und will man sie aber nicht als solches fassen, so ließe sich vielleicht
der „Onkel" bemängeln, der, obwohl vorher schon genannt, doch als
eine Art Deiix ex mackina erscheint, um dem Herzen der bereits
stark engagirten Mariuccia als eine Abschlagszahlung auf den Besse-
ren (den Poeten selbst) zu dienen. Aber uns persönlich ist die
Lösung dieses reizend geschilderten Verhältnisses zwischen Don Pa-
volo und dem neapolitanischen Mädchen immer als etwas Neben-
sächliches erschienen; das Bewußtsein begleitete unsre Lektüre, daß
es sich überhaupt lösen müsse, und in dieser Voraussetzung waren
wir sorglos darüber, in welche Form dies „muß" sich kleiden werde.
Die Treue Pavolo's, seine Liebe zur Braut, die er jenseits der
Berge zurückgelassen, das alles ist uns schon in den ersten Kapiteln,
die dem Auftreten der Mariuccia vorausgehn, so warm und innig
vom Dichter selbst geschildert worden, daß die Möglichkeit eines
ernsten Kampfes uns keinen Augenblick beschleicht und wir in dem
heitren Vertrauen weiter lesen: das Herz des Dichters wird den
Ausweg schon finden. Daß er ihn finden muß, macht uns gleich-
gültig dagegen wie er ihn findet. Wir hoben schon hervor, daß
es die einzelnen Scenen und Bilder sind, die dieser Dichtung
ihren Reiz verleihen, und wir thun, uachdenl wir über den Verlauf
des Ganzen gesprochen, eigentlich alles, was uns noch zu thun übrig
bleibt, wenn wir, zu Nutz und Frommen unsrer Leser, auf jene Ein-
zelnheiten aufmerksam machen, die uns vorzugsweise angesprochen
haben. Vor allem nennen wir das 5. Kapitel. Die Schilderung
der Familie, in der der Dichter lebt, und insonderheit des Stamm-
halters Francesco, ist überaus ergötzlich, doch wird sie gleich darauf
in den Schatten gestellt durch das Auftreten Mariuccia's und jene
liebliche Scene, wo sie vom Balkon herab Blumen in den Schooß
eines schlafenden Kindes wirst, das nun erwacht und, die zurück-
gebogne Mariuccia nicht erblickend, im Glauben lebt, daß die Blu-
men vom Himmel gefallen seien. Hieran schließt sich das 6. Kapitel,
mit der Ansprache an den geraubten Zoccolo der Mariuccia und
einer tragikomischen Abhandlung über das Loos der Zoccoli über-
haupt, — ein heitres Spiel, das im Verlauf der Dichtung nur noch
durch die Schilderung des Kirchgangs und der Maiandacht (Ka-
pitel VIII.) übertroffen wird, die alle Tage im Monat Mai zu
Ehren der heiligen Jungfrau abgehalten wird. Mit Citirung unsrer
Lieblingsstelle aber (aus dem 3. Kapjtel) sei es uns vergönnt, diese
Besprechung zu schließen. Lnisa, die Tochter des Hauses, in dem
Don Pavolo lebt, neckt ihn seit lange (auch heut) mit seiner Liebe
zur Mgrinccia und jetzt die Schnur in die Hand nehmend, daran
ihr Bruder, auf dem flachen Dach des Hauses, einen Drachen (Ko-
heit, hat es besser, in ihrem Sinne besser mit ihm vor, sie er-
scheint unter Donner und Blitz, verwandelt den schönen Kopf der
Medusa in ein Schlangenhaupt und Perseus selbst zieht gegen das
Ungeheuer aus, im Kampf es zu tödtcn. Er thut's und festigt das
versteinerte Haupt der Erschlagnen in seinen Schild. Heitre Tage
kommen! Minerva anordnend, alles zum Guten lenkend und ihren
Liebling zu den Plüschsophas des Lebens führend, hat die Hand des
Helden in die Hand der schönen Andromeda gelegt und Perseus be-
sitzt Alles, was die Welt zu bieten vermag, nur Eines nicht —
Medusen. Inmitten seines Glücks und Reichthums, inmitten seiner
Liebe selbst verzehrt er sich vor Sehnsucht, bis endlich er hinauszu-
ziehen beschließt, zu neuen Kämpfen und neuer Gefahr, und in die
Waffenkammer hiuansteigt, um sich zu rüsten. Als er den alten
Schild, mit dem verhangnen Haupte, erblickt, treibt's ihn unwider-
stehlich, noch einmal in das Antlitz zu sehen, das ihm einst alles
war, dem er angehören wollte — er thut's, und den Schleier hin-
wegnehmend, ist er versteint. Unsre Wiedergabe vom Inhalt des
Stücks entspräche nicht ihrem Zweck, wenn sie noch eines Commen-
tars bedürfte. Wem sie genug giebt, der wird sich angeregt fühlen
durch die Schönheit und Neuheit der dem Stücke zu Grunde liegen-
den 2dee, und wenn wir etwas daran auszusetzen hätten, so wäre
es das, daß der Verfasser in den Zwiegesprächen zwischen Perseus
und Kasperle die Anklänge, wenn auch alleräußerlichster Natur, an
Faust und Mephisto nicht hinreichend vermieden Hat. Wir wissen
selbst am besten, daß auf solche ganz äußerliche Verwandtschaft nicht
viel Gewicht zu legen ist, aber es ist mit jungen Poeten wie mit
jungen Mädchen: sie müssen auch den Schein meiden.
„Die Wrie" ist der Titel einer in Distichen geschriebenen
reizenden Erzählung, die, ohne ihre Moral aufzudrängen, doch neben
der Phantasie des Lesers auch sein Nachdenken lieblich beschäftigt.
Die Furien brausen in Sturm und Wetter über das Land; eine
derselben verliert ihren Schuh, und da sie der Dichter uns mit den
Worten schildert:
Jung noch war sie und nicht so ganz in die Nache verloren,
Das; sie des Schnhes Verlnst hätte geringe geschätzt,
dürfen wir uns nicht wundern, sie den Furienzug verlassen und beim
Schuster Diiphilos zur Reparirnng des Schadens eintretest zu sehn.
Während dieser ihr den Schuh macht, erzählt er ihr von seiner
Liebe zur schönen Lhkoris, und die Furie hört diesem Geplauder so
aufmerksam und theilnehmend zu,
„daß ihr die Rinde sogleich schmolz von dem Herzchen gelind."
Sie erhebt sich sogar vom Schemel, um dem liebenden Schuster
einen Kuß zu geben. Dies sieht die eben eintretende Lhkoris, und
vor Eifersucht selbst zur Furie werdend, ergreift sie die am Boden
liegende Geißel, um das vermeintlich buhlerische Paar, nachdem sie
es aufs Heftigste geschmäht, auch noch zu züchtigen. In diesem
Augenblick braust der Furienzug, der die eine der Schwestern in-
zwischen vermißt hat, durch das Zimmer des Diiphilos, und die
Geißel in Händen der tobenden Lhkoris erblickend, entführen sie
diese, während die belehrte, zur Liebe erwachte Furie, als Braut,
an Stelle Jener, zurückbleibt. Dies zierliche Geschichtchen ist von
einer außerordentlichen Sinnigkcit und wir bezeichnen es am besten,
wenn wir es, seinem Gedanken nach, ein heitres Seitenstück zum
Gotheschen „Gott und die Bajadere" nennen. Hier wie dort ist es
die stille, anspruchslose Liebe, die rettet, und die demuthvolle Furie,
geschmiegt an das Herz des Diiphilos, rührt uns kaum minder, als
der Moment, wo wir die Bajadere gen Himmel schweben sehn und
mit einstimmen in die Worte:
Es freut sich die Gottheit der reuigen Sünder;
Unsterbliche heben verlorene Kinder
Mit feurigen /Armen zum Himmel empor.
Wir wenden uns nun der letzten Arbeit des Buches zu, den
„Idyllen von Sorrent". Es sind Tagebuchblätter, die uns nun
Theil nehmen lassen an dem Glück und all der Schönheit, die sich
einst dem Dichter an dieser vielgefeierten Küste erschlossen. Auch er
feiert den Platz, die Stelle, wo das Herz und Sinne labende
Leben des Südens zum erstenmale sich voll und ganz vor ihm auf-
thut, aber er nimmt aus der Schönheit der Umgebung doch nicht
mehr als den Rahmen und das Erlebniß, die Menschen bleiben ihm
das Wesentliche. So haben wir denn in diesen Jdhllen nicht bloße,
etwa in Platenscher Weise entworfene Landschaftsgemälde, drin sich
kleine, unsicher gezeichnete oder doch stereothpe Figuren bewegen;
sondern Genrebilder, zierlich jetzt und dann wieder kräftig bis zur
Derbheit, bieten sich uns dar, alle wiederum lose aneinandergereiht
mit Hülfe eines Romanfadens, der sich hindurchzieht. Dieser Roman
ist nicht erheblich und dürste hinter dem sonstigen Compofitionstalent
des Dichters Zurückbleiben; aber es sind in diesem Fall auch ganz
entschieden die Details, die einzelnen Scenen, die in den Vorder-
grund treten und uns fast vergessen machen, daß mit dem Ganzen
mehr noch, als eine Reihe bunter, lachender Bilder gegeben sein
soll. Die Novelle und ihre Entwicklung ist hors cToeuvre; kann
und will man sie aber nicht als solches fassen, so ließe sich vielleicht
der „Onkel" bemängeln, der, obwohl vorher schon genannt, doch als
eine Art Deiix ex mackina erscheint, um dem Herzen der bereits
stark engagirten Mariuccia als eine Abschlagszahlung auf den Besse-
ren (den Poeten selbst) zu dienen. Aber uns persönlich ist die
Lösung dieses reizend geschilderten Verhältnisses zwischen Don Pa-
volo und dem neapolitanischen Mädchen immer als etwas Neben-
sächliches erschienen; das Bewußtsein begleitete unsre Lektüre, daß
es sich überhaupt lösen müsse, und in dieser Voraussetzung waren
wir sorglos darüber, in welche Form dies „muß" sich kleiden werde.
Die Treue Pavolo's, seine Liebe zur Braut, die er jenseits der
Berge zurückgelassen, das alles ist uns schon in den ersten Kapiteln,
die dem Auftreten der Mariuccia vorausgehn, so warm und innig
vom Dichter selbst geschildert worden, daß die Möglichkeit eines
ernsten Kampfes uns keinen Augenblick beschleicht und wir in dem
heitren Vertrauen weiter lesen: das Herz des Dichters wird den
Ausweg schon finden. Daß er ihn finden muß, macht uns gleich-
gültig dagegen wie er ihn findet. Wir hoben schon hervor, daß
es die einzelnen Scenen und Bilder sind, die dieser Dichtung
ihren Reiz verleihen, und wir thun, uachdenl wir über den Verlauf
des Ganzen gesprochen, eigentlich alles, was uns noch zu thun übrig
bleibt, wenn wir, zu Nutz und Frommen unsrer Leser, auf jene Ein-
zelnheiten aufmerksam machen, die uns vorzugsweise angesprochen
haben. Vor allem nennen wir das 5. Kapitel. Die Schilderung
der Familie, in der der Dichter lebt, und insonderheit des Stamm-
halters Francesco, ist überaus ergötzlich, doch wird sie gleich darauf
in den Schatten gestellt durch das Auftreten Mariuccia's und jene
liebliche Scene, wo sie vom Balkon herab Blumen in den Schooß
eines schlafenden Kindes wirst, das nun erwacht und, die zurück-
gebogne Mariuccia nicht erblickend, im Glauben lebt, daß die Blu-
men vom Himmel gefallen seien. Hieran schließt sich das 6. Kapitel,
mit der Ansprache an den geraubten Zoccolo der Mariuccia und
einer tragikomischen Abhandlung über das Loos der Zoccoli über-
haupt, — ein heitres Spiel, das im Verlauf der Dichtung nur noch
durch die Schilderung des Kirchgangs und der Maiandacht (Ka-
pitel VIII.) übertroffen wird, die alle Tage im Monat Mai zu
Ehren der heiligen Jungfrau abgehalten wird. Mit Citirung unsrer
Lieblingsstelle aber (aus dem 3. Kapjtel) sei es uns vergönnt, diese
Besprechung zu schließen. Lnisa, die Tochter des Hauses, in dem
Don Pavolo lebt, neckt ihn seit lange (auch heut) mit seiner Liebe
zur Mgrinccia und jetzt die Schnur in die Hand nehmend, daran
ihr Bruder, auf dem flachen Dach des Hauses, einen Drachen (Ko-



