Fünfter
*=<W9 §ttfi 1858.
Jahrgang.
Literatur-Blatt
des
Deutschen Kunstblattes.
Redigirt von Paul Hcyse in München.
Italiänische Volkspoesie.
(Gantl xoxolari Insditi Ilmdrl, I^i§nri, ?1ceni, Uieraontesi, Latini,
raccolti e illustrati da Oreste Marcoaldi. Genova. 1855.)
Umbrisch.
1. (S. 41.) ^
Und wollen mich die klugen Leute fragen,
Von wem ich es gelernt, in Versen sprechen:
Im Herzen muß ich jene Gluten tragen,
Die klingend, singend dann zu Tage brechen.
Am Tag, wo Nena * mir zuerst begegnet,
Da ward mit Versen mir der Geist gesegnet.
' Am Tag, wo Nena's Lächeln mich ließ hoffen,
Sah ich die' Thür des Paradieses offen,
Und heut, wo Nena's Herz in Flammen steht,
Vin ich ein großer König und Poet.
' " . 2. (S. 44.)
Mir ward gesagt, du reisest in die Ferne.
Ach, wohin gehst du, mein geliebtes Leben?
Den Tag, an dem du scheidest, wüßll'ich gerne;
N Mit Thränen will ich das Geleit dir geben.
Mit Thränen will ich deinen Weg befeuchten —
Gedenk an mich, und Hoffnung wird mir leuchten!
Mit Thränen bin ich bei dir allerwärts —
Gedenk an mich, vergiß es nicht, mein Herz!'
3. (S. 53.)
■ . O Apfelblüte.
Und wenn ich werd' im Sarg gebettet liegen,
Bringt mir die Kerze der, für den ich glühte.
Und wenn die Bahre mich hat ausgenommen,
Wird mein Geliebter in die Kirche kommen.
Und wenn er weint vor großem Kummer, dann
Schlag' ich die Augen auf und lächl' ihn an.
Und wenn er lacht um seine todte Braut,
Schlag' ich die Augen auf und weine laut.
Und wenn er spricht: Ach Herz, ich liebte dich! —
Seh' ich ihn an und sag': O bete nun für mich!
- 4. (S. 55.)
Wie reizend bist du Montag Morgens immer,
Allein viel schöner noch den Dienstag drauf.
Mittwochs umfließt dich königlicher Schimmer,
Und Donnerstags gehst du als Stern mir auf.
* Abkürzung von Magdalena.
Literatur-Blatt. 1658.
Am Freitag schlägst du ganz mein Herz in Trümmer,
Und baust es Samstags schöner wieder auf.
Am Sonntag dann, wenn wir im Putz dich sehn,
Bist du nun gar zum Närrischwerden schön.
■ • -
5. (S. 56.)
Geh schlafen, Liebste, lege dich zur Ruhe.
Dein Kissen wird in Rosen sich verwandeln,
Das Liuuentuch mit Veilchen sich bedecken,
Und nicht, Geliebte, wirst du einsam bleiben:
Es fliegen, um dein hold Gesicht zu schauen,
Zwölf Engelein herab aus Himmelsauen.
6.. (S. 61.)
Blüte der Weide.
Du hast mir einen Pfeil ins Herz geschossen,
Er traf und that mir dennoch nichts zu Leide.
Getroffen hat er, ohne mich zu schmerzen;
Wie ein Confect that er mir süß im Herzen.
, 7. (S. 54.)
Blüh'nde Verbenen.
Bußpredigen ist eine schöne Sache,
Den Kopf voll Wein und stochernd in den Zähnen.
8. '(S. 62.)
Ein Brieflein sandte mir mein Augenlicht,
Gesiegelt war's mit einem Zwiebelfaden, *
Und leider stand darin: Ich mag dich nicht.
9^ (S. 62.)
Ich aß an einem Tisch von Silber reich.
Nie sah ich solchen Aufwand all mein Leben.
Drei süße Speisen gab es da zugleich:
Zucker und Honig und mein Schatz daneben.
' . 10. (S. 66.)
Blüte der Birne.
Blickst du mich an mit diesem sanften Auge,
Tilgst du mir alles Denken im Gehirne.
11. (S. 55.)
Liebst du mich, warum willst du dich nicht trauen.
Zu reden, bei der. Mutter anzuhalten,
Und führst mich zum Altar und läßst uns trauen?
* Das Zeichen der Absage zwischen Liebenden.
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*=<W9 §ttfi 1858.
Jahrgang.
Literatur-Blatt
des
Deutschen Kunstblattes.
Redigirt von Paul Hcyse in München.
Italiänische Volkspoesie.
(Gantl xoxolari Insditi Ilmdrl, I^i§nri, ?1ceni, Uieraontesi, Latini,
raccolti e illustrati da Oreste Marcoaldi. Genova. 1855.)
Umbrisch.
1. (S. 41.) ^
Und wollen mich die klugen Leute fragen,
Von wem ich es gelernt, in Versen sprechen:
Im Herzen muß ich jene Gluten tragen,
Die klingend, singend dann zu Tage brechen.
Am Tag, wo Nena * mir zuerst begegnet,
Da ward mit Versen mir der Geist gesegnet.
' Am Tag, wo Nena's Lächeln mich ließ hoffen,
Sah ich die' Thür des Paradieses offen,
Und heut, wo Nena's Herz in Flammen steht,
Vin ich ein großer König und Poet.
' " . 2. (S. 44.)
Mir ward gesagt, du reisest in die Ferne.
Ach, wohin gehst du, mein geliebtes Leben?
Den Tag, an dem du scheidest, wüßll'ich gerne;
N Mit Thränen will ich das Geleit dir geben.
Mit Thränen will ich deinen Weg befeuchten —
Gedenk an mich, und Hoffnung wird mir leuchten!
Mit Thränen bin ich bei dir allerwärts —
Gedenk an mich, vergiß es nicht, mein Herz!'
3. (S. 53.)
■ . O Apfelblüte.
Und wenn ich werd' im Sarg gebettet liegen,
Bringt mir die Kerze der, für den ich glühte.
Und wenn die Bahre mich hat ausgenommen,
Wird mein Geliebter in die Kirche kommen.
Und wenn er weint vor großem Kummer, dann
Schlag' ich die Augen auf und lächl' ihn an.
Und wenn er lacht um seine todte Braut,
Schlag' ich die Augen auf und weine laut.
Und wenn er spricht: Ach Herz, ich liebte dich! —
Seh' ich ihn an und sag': O bete nun für mich!
- 4. (S. 55.)
Wie reizend bist du Montag Morgens immer,
Allein viel schöner noch den Dienstag drauf.
Mittwochs umfließt dich königlicher Schimmer,
Und Donnerstags gehst du als Stern mir auf.
* Abkürzung von Magdalena.
Literatur-Blatt. 1658.
Am Freitag schlägst du ganz mein Herz in Trümmer,
Und baust es Samstags schöner wieder auf.
Am Sonntag dann, wenn wir im Putz dich sehn,
Bist du nun gar zum Närrischwerden schön.
■ • -
5. (S. 56.)
Geh schlafen, Liebste, lege dich zur Ruhe.
Dein Kissen wird in Rosen sich verwandeln,
Das Liuuentuch mit Veilchen sich bedecken,
Und nicht, Geliebte, wirst du einsam bleiben:
Es fliegen, um dein hold Gesicht zu schauen,
Zwölf Engelein herab aus Himmelsauen.
6.. (S. 61.)
Blüte der Weide.
Du hast mir einen Pfeil ins Herz geschossen,
Er traf und that mir dennoch nichts zu Leide.
Getroffen hat er, ohne mich zu schmerzen;
Wie ein Confect that er mir süß im Herzen.
, 7. (S. 54.)
Blüh'nde Verbenen.
Bußpredigen ist eine schöne Sache,
Den Kopf voll Wein und stochernd in den Zähnen.
8. '(S. 62.)
Ein Brieflein sandte mir mein Augenlicht,
Gesiegelt war's mit einem Zwiebelfaden, *
Und leider stand darin: Ich mag dich nicht.
9^ (S. 62.)
Ich aß an einem Tisch von Silber reich.
Nie sah ich solchen Aufwand all mein Leben.
Drei süße Speisen gab es da zugleich:
Zucker und Honig und mein Schatz daneben.
' . 10. (S. 66.)
Blüte der Birne.
Blickst du mich an mit diesem sanften Auge,
Tilgst du mir alles Denken im Gehirne.
11. (S. 55.)
Liebst du mich, warum willst du dich nicht trauen.
Zu reden, bei der. Mutter anzuhalten,
Und führst mich zum Altar und läßst uns trauen?
* Das Zeichen der Absage zwischen Liebenden.
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