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Schlußwort.
Mit dem Decemberheste dieses Jahres nimmt das Literaturblatt Abschied von seinen Lesern und räumt seine Spalten dem
Kunstblatt ein, das demnach vom neuen Jahre an in einem Umfang von fünf Bogen monatlich erscheinen wird.
Der Unterzeichnete hatte die Führung der Redaktion am Anfang dieses Jahrs nur in der Hoffnung übernommen, daß es
der Verlagshandlung möglich sein würde, in Kurzem die Grenzen des Literaturblatts ansehnlich zu erweitern und durch eine mindestens
gleichmäßige Berücksichtigung der literarischen und artistischen Interessen die Monatsschrift allmählich zu einem ästhetischen
Gesammtorgan heranzubilden. Diese Hoffnung hat sich nicht verwirklicht. Anstatt zu wachsen, wurde das Literaturblatt beschränkt
und mußte unter den materiellen Schwierigkeiten mitleiden, die sich dem Gedeihen eines unabhängigen, mit wissenschaftlichem Ernst
geführten Kunstblattes in Deutschland allezeit entgegenstellen. Es war uns nie als nothwendig oder wünschenswerth erschienen, die
ganze Breite der Tages- und Eintagsliteratur zu umfassen. Wir glauben, daß mit einer eingehenden Würdigung der bedeutendsten
Erscheinungen, mit einer liebevollen Vertiefung in die feineren Schattirungen der dichterischen Production mehr geleistet und die
Erkenntniß der ewigen Gesetze des Schönen nachdrücklicher gefördert werde, als mit oberflächlichen Urtheilen in Masse. Wir haben
uns stets bemüht, mehr zu charakterisiren, als zu kritisiren, und unsere Aufgaben dadurch eben so sehr erschwert, als der Zahl nach
verringert. Denn wenn es der höchste Standpunkt ästhetischer Betrachtung bleiben wird, neben den allgemein gültigen Principien
den feinen Zügen der persönlichen Form in den Kunstwerken nachzuspüren, die Charakterbilder ihrer Urheber zu entwerfen und so
die Betrachtung des Geschaffenen wiederum schöpferisch werden zu lassen, so leuchtet es auch ein, daß im Laufe eines Jahres nicht
übermäßig viel neuere Werke zu einer solchen Behandlung auffordern. Immerhin aber mußten wir bei der frischen Regsamkeit auf
allen Gebieten unserer modernen Dichtung die Erfahrung machen, daß der enge Raum unseres Blattes dem andringenden Stoff
nicht genügte, zumal da es uns durchaus nöthig schien, bei den vielfachen Wechselwirkungen der deutschen mit den benachbarten
Literaturen wichtige Erscheinungen der letzteren nicht auszuschließen.
Ein äußerer Uebelstand kam noch dazu, unsere Stellung zu erschweren. Einem Literaturblatt, das in geringer Bogenzahl,
als Anhang eines umfangreicheren Kunstblattes erscheint, wird der Zugang in die weiteren Kreise, die seine Interessen theilen,
nur äußerst langsam zu eröffnen sein. Dem Publikum dagegen, an das sich ein Kunstblatt zunächst wendet, ist mit einer so aus-
führlichen Besprechung literarischer Fragen, wie wir sie uns zur Pflicht gemacht hatten, schwerlich gedient. Die Vereinigung in
der bisherigen Form erwies sich daher für beide Blätter vielmehr hemmend als fördernd,, und es war billig, daß der jüngere Nach-
schößling dem älteren Stamme Platz machte, um vielleicht später einmal unter günstigeren Verhältnissen und in freierem Raume
sich selbständig zu entfalten.
München im December 1858.
Paul Heyse.
Verlag von Ebner <fc Seubert in Stuttgart. — Druck der I. G. Sprandel'schen Buchdruckerei daselbst..
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Schlußwort.
Mit dem Decemberheste dieses Jahres nimmt das Literaturblatt Abschied von seinen Lesern und räumt seine Spalten dem
Kunstblatt ein, das demnach vom neuen Jahre an in einem Umfang von fünf Bogen monatlich erscheinen wird.
Der Unterzeichnete hatte die Führung der Redaktion am Anfang dieses Jahrs nur in der Hoffnung übernommen, daß es
der Verlagshandlung möglich sein würde, in Kurzem die Grenzen des Literaturblatts ansehnlich zu erweitern und durch eine mindestens
gleichmäßige Berücksichtigung der literarischen und artistischen Interessen die Monatsschrift allmählich zu einem ästhetischen
Gesammtorgan heranzubilden. Diese Hoffnung hat sich nicht verwirklicht. Anstatt zu wachsen, wurde das Literaturblatt beschränkt
und mußte unter den materiellen Schwierigkeiten mitleiden, die sich dem Gedeihen eines unabhängigen, mit wissenschaftlichem Ernst
geführten Kunstblattes in Deutschland allezeit entgegenstellen. Es war uns nie als nothwendig oder wünschenswerth erschienen, die
ganze Breite der Tages- und Eintagsliteratur zu umfassen. Wir glauben, daß mit einer eingehenden Würdigung der bedeutendsten
Erscheinungen, mit einer liebevollen Vertiefung in die feineren Schattirungen der dichterischen Production mehr geleistet und die
Erkenntniß der ewigen Gesetze des Schönen nachdrücklicher gefördert werde, als mit oberflächlichen Urtheilen in Masse. Wir haben
uns stets bemüht, mehr zu charakterisiren, als zu kritisiren, und unsere Aufgaben dadurch eben so sehr erschwert, als der Zahl nach
verringert. Denn wenn es der höchste Standpunkt ästhetischer Betrachtung bleiben wird, neben den allgemein gültigen Principien
den feinen Zügen der persönlichen Form in den Kunstwerken nachzuspüren, die Charakterbilder ihrer Urheber zu entwerfen und so
die Betrachtung des Geschaffenen wiederum schöpferisch werden zu lassen, so leuchtet es auch ein, daß im Laufe eines Jahres nicht
übermäßig viel neuere Werke zu einer solchen Behandlung auffordern. Immerhin aber mußten wir bei der frischen Regsamkeit auf
allen Gebieten unserer modernen Dichtung die Erfahrung machen, daß der enge Raum unseres Blattes dem andringenden Stoff
nicht genügte, zumal da es uns durchaus nöthig schien, bei den vielfachen Wechselwirkungen der deutschen mit den benachbarten
Literaturen wichtige Erscheinungen der letzteren nicht auszuschließen.
Ein äußerer Uebelstand kam noch dazu, unsere Stellung zu erschweren. Einem Literaturblatt, das in geringer Bogenzahl,
als Anhang eines umfangreicheren Kunstblattes erscheint, wird der Zugang in die weiteren Kreise, die seine Interessen theilen,
nur äußerst langsam zu eröffnen sein. Dem Publikum dagegen, an das sich ein Kunstblatt zunächst wendet, ist mit einer so aus-
führlichen Besprechung literarischer Fragen, wie wir sie uns zur Pflicht gemacht hatten, schwerlich gedient. Die Vereinigung in
der bisherigen Form erwies sich daher für beide Blätter vielmehr hemmend als fördernd,, und es war billig, daß der jüngere Nach-
schößling dem älteren Stamme Platz machte, um vielleicht später einmal unter günstigeren Verhältnissen und in freierem Raume
sich selbständig zu entfalten.
München im December 1858.
Paul Heyse.
Verlag von Ebner <fc Seubert in Stuttgart. — Druck der I. G. Sprandel'schen Buchdruckerei daselbst..



