Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 5.1899

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Max Seliger—Berlin.

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MAX SELIGER—BERLIN.

Karton zu einem Glasgemälde. jSg^.

längstes Werk ist ein für die Pariser Welt-
ausstellung komponirtes Tischtuch: »Das
Tafeltuch Hugdietrichs«, nach dem Simrock'-
schen Gedichte, in Ausführung bei Lang-
heinrich, Weberei in Schlitz in Hessen. —
Die Dresdener Akademie, die eine Reihe
seiner italienischen Aufnahmen als Lehr-
material benützt, trug Seliger bereits 1897
eine Professur an, die er in Rücksicht
auf seine Familie ablehnte. — Aus seinem
Leben sei noch nachgetragen, dass er am
12. Mai 1865 in Bublitz, Hinterpommern, auf
die Welt kam. Nach einem Dorfschul-Drill
und Besuch einer Elementarschule kam er
1878 nach Posen, wo er bis 1884 Schüler
des Real-Gymnasiums war. In Posen genügte
er auch 1884/85 seiner Militärpflicht; 1885/86
besuchte er die Königliche Kunstschule zu
Berlin, von 1886/89 das Königliche Kunst-
gewerbe-Museum daselbst, dem er neben
seinem rastlosen Selbststudium sein erstaun-
liches Können verdankt. — Das Innenleben,
das Seliger's Kunst bedingt, führt er auch

als Mensch, leider nicht zu seinem Vortheil,
denn er versteht es nicht, die Zeitströmung zu
seinen Gunsten auszunützen. Ihm geht es in
vieler Beziehung so wie Hans Thoma, der
fünfzig Jahre zählte, als seine Mitbürger an-
fingen, so nebenbei von ihm Notiz zu nehmen.
Trotz der unverkennbaren Erfolge, die Seliger
bis heute zu verzeichnen hat, halte ich seine
Zeit noch nicht für gekommen. Er wird erst
dann mit seinem ganzen Können, mit seiner
träumenden Phantasie und seinem reichen
Kompositionstalent einsetzen, wenn nach dem
Legen des jetzigen Sturmes wir zu der Einsicht
kommen werden, dass das deutsche Kunst-
gewerbe in seiner Formensprache des deut-
schen Märchens und deutscher Gemüthstiefe
auf die Dauer nicht entbehren kann. o. Sch.—K.
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