Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 5.1899

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Deutsche Kunst auf der Pariser Welt-Ausstellung.

bestimmt, dass die drei Reprä-
sentationsräume des deutschen
Hauses für die Aufnahme der
hervorragendsten Werke der
französischen Kunst des vorigen
Jahrhunderts, die sich im könig-
lichen Besitze befinden, her-
gerichtet werden sollen. Die
in den Schlössern zu Berlin
und Potsdam vorhandenen
Meisterwerke Watteaus, Lan-
crets, Paters, Chardins, die nur
einmal vor einer Reihe von
Jahren in einer kleinen Aus-
wahl in den beschränkten
Räumen der Akademie der
Künste vereint waren und
damals die Bewunderung aller
Beschauer erregten, werden
für die Dauer der Welt-Aus-
stellung in ihr Heimathland
zurückkehren und von dem
hohen Kunstverständnisse des
grossen Königs, der sie ge-
sammelt , sichtbares Zeugniss
ablegen. — Das Mobiliar der
Räume wird aus den erlesen-
sten kunstgewerblichen Stücken
des Potsdamer Stadtschlosses,
Sanssoucis und des neuen
Palais zusammengestellt werden, Werken,
die zum Theil auf Bestellung Friedrich's
des Grossen in Berlin gearbeitet sind, und
die zeigen, zu welcher Blüthe sich damals
das unter französischem Einflüsse stehende
Kunstgewerbe der Mark erhoben hatte.
Um für diese Werke der Kunst und des
Kunstgewerbes den richtigen Rahmen ab-
zugeben, werden die Säle, soweit es ihre
vorübergehende Bestimmung zulässt, eine
architektonische Ausbildung im Stile der
künstlerisch besten Räume der genannten
Potsdamer Schlösser erhalten und auch die
berühmte Bibliothek Friedrich's des Grossen
in Sanssouci in einem Eckraum eine wenn
auch bescheidene Nachbildung erfahren.

Der hochsinnige Entschluss des Kaisers,
welcher kein Bedenken trägt, diese kostbaren
und unersetzlichen Schätze für die deutsche
Abtheilung der Pariser Welt - Ausstellung

F. MATTH IES-M ASUREN .

Künstler-Photographie: Prof. Fritz von Uhde.

darzuleihen, um in dieser »Collection Fre-
deric le Grand«, wie sie in Paris genannt
werden wird, die historischen und Kultur-
beziehungen Deutschlands zu Frankreich zu
veranschaulichen und die Erinnerung an die
Freundschaft, die Friedrich den Grossen mit
Männern wie Voltaire, Maupertuis, dAlembert
verband, von Neuem wachzurufen, wird bei
den Kunstfreunden aller Nationen mit Freude
und Dankbarkeit begrüsst werden und den
Geist zeigen, in welchem Deutschland ent-
schlossen ist, an dem gewaltigen Friedens-
werk dieser Welt-Ausstellung in bedeutungs-
voller Weise mitzuwirken.

Dieser Entschluss des Kaisers wird
ferner nicht allein bei uns und vor allem
bei unseren Künstlern und Kunstgewerbe-
Treibenden Dankbarkeit und Stolz hervor-
rufen, er wird auch in Frankreich vollauf in
seiner kulturellen Bedeutung gewürdigt.

1900. III 6.
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