Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 5.1899

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Bücherschau.

FRITZ SCHUMACHER—LEIPZIG.

Architektur-Skizze in Kohle-Zeichnung.

tung sein, wie Feuerbach's »Vermächtniss«,
namentlich wenn er nicht nur ein guter
Maler, sondern auch — ein Künstler sein
will. — Die berühmte Bronze-Büste Böcklin's
von Hildebrand (in der Königl. National-
Gallerie) in einem Holzschnitte von Albert
Krüger, sowie Reproduktionen nach Hand-
zeichnungen des Meisters, darunter die
gigantischen Entwürfe zur »Cholera«, sind
dem Buche beigelegt. An die letzteren
knüpft der Verfasser sehr lehrreiche Mit-
theilungen über die Genesis Böcklinischer
Werke, die der Mythenbildung über diese
wohl ein Ziel setzen werden.

Ä

Mopsus, eine Fauns-Komödia in zwei
Aufzügen nach Maler Müllers Idylle von
Albrecht M. Bartholdy mit Musik und Zeich-

nungen von Wilhelm Volz. Im
Verlag von J. A. Pecht, kunst-
gewerbliche Anstalt in Constanz.

— Dieses Werk stellt den ersten
Versuch dar, das moderne Prinzip
der Buch - Ausstattung auf den
Noten-Druck in grösserem Maass-
stabe anzuwenden. Die Heraus-
geber sagen selbst: »Das Be-
streben ging darauf hin, auch in
ornamentalem Sinne Text, Noten
und Zeichnungen in harmonischer
Wirkung zu vereinigen und, unter-
stüzt durch Verwendung des vor-
nehmsten Materials und sorgfäl-
tiger technischer Ausführung, den
»Klavier-Auszug« zu einem künst-
lerischen Ganzen zu gestalten«.

— Freilich ist das ein Wage-
stück, denn der Notenstich setzt
der schmückenden Kunst des
Zeichners viel grössere Schwierig-
keiten entgegen als die Druck-
schrift. Dass in dem vorliegen-
den Werke dennoch in dieser
Hinsicht theilweise Vortreffliches,
stets aber Geschmackvolles und
Eigenartiges gegeben wurde, kann
nicht bezweifelt werden und ist
bei einem so vielseitigen und

•phantasievollen Künstler wie W.
Volz es ist eigentlich selbstver-
ständlich. Es ist hier nicht der Ort, auf die
Qualitäten des Textes und auf die Musik
einzugehen. In den Zeichnungen kommt die
»Behandlung der griechischen Halbgötterwelt
mit derbem deutschem Humor« in diesem
Werke in günstigster Weise zur Geltung.
»Es sind nicht Illustrationen im engeren Sinn,
sondern selbständige Erfindungen, die der-
selben Stilempfindung entsprungen sind, wie
die Musik, — ferne von allem modernen
Realismus eine strenge rythmische Forde-
rung einhalten«. Man muss zugeben, dass
diesen in der Ankündigung vom Verleger
aufgeführten Grundsätzen im Allgemeinen
entsprochen ist. Jeder Bücherfreund wird
mit Entzücken diese zwischen Illustration und
Ornament in der Mitte stehenden Steinzeich-
nungen verfolgen, ohne dabei zu vergessen,

Krematorium.
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