Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 13.1903-1904

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J. KOWARZIK—FRANKFURT A. M.

Frankfurter Rathaus-Plakette igo3.

Zur Wieder-Belebung der medciiHen-Kunsf in Deutschland,

Dass die Wiedergeburt der Medaille
von Frankreich ausging, ist für den,
der ein wenig mit der Geschichte
der französischen Medaille vertraut ist, nicht
verwunderlich. Auch dort hat die Medaille
nach der Blüte in der Renaissance die Periode
ihres Niederganges gehabt, aber nie ist dort
die Tradition so ganz abgerissen, wie bei
uns. Alle Taten und Ereignisse der fran-
zösischen Revolution und der napoleonischen
Zeit sind durch Medaillen festgehalten worden,
und wenn es auch nicht immer Kunst-Werke
sind, die da geschaffen wurden, so hielten
sie doch die Tradition für die Medaille
lebendig und bewirkten, dass der Sinn dafür
weder bei dem Volke noch bei den Künst-
lern ganz ausstarb, so dass, als eine neue
Blüte dieser Kunst einsetzte, sie einen immer-
hin genügend vorbereiteten Boden fand.

Fragen wir nun, welchen Einfluss hat
die prächtige Entfaltung dieser reizvollen
Kunst im Nachbar-Lande auf die Entwicke-
lung der Medaillen-Kunst in Deutschland
ausgeübt, so müssen wir gestehen, dass er
sehr gering ist. Insofern, als deutsche Künst-
ler sich nicht verleiten Hessen, einfach fran-
zösische Vorbilder nachzuahmen, kann man

dieses negative Resultat nur gutheissen;
insofern aber, als eine Kunst, die jenseits
der Grenze volkstümlich ist im wahren Sinne
des Wortes, deren Erzeugnisse bei uns er-
läutert, bewundert und — angekauft werden,
bei uns selbst kaum erst im Keim vorhanden
ist, ist dieses Resultat doch befremdlich.

Die Ursache davon ist: in Frankreich
ist die Medaille eine vom Volk verstandene,
vom Volk geliebte und von seiner Gunst
getragene Kunst, in Deutschland nicht.
Während der Welt-Ausstellung 1900, so stellt
Roger Marx in einer englischen Zeitschrift
fest, gab die Münze in Paris 3 Medaillen
heraus, 2 von Daniel Dupuis, 1 von Patey.
Von diesen 3 Medaillen wurden nicht we-
niger als 65000 Exemplare verkauft.

Wenn man in Abzug bringt, wieviele
von diesen Stücken von Ausländern gekauft
sein mögen, so bleibt das Interesse, das der
Franzose der Medaillen-Kunst entgegenbringt,
deswegen nicht minder gut dokumentiert
durch solche Zahlen und durch den Umstand,
dass die in Rede stehenden Medaillen sich
an keinerlei anderes Interesse als das rein
künstlerische des Käufers wendeten. Diese
Medaillen gab die Münze heraus und für die

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