Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 13.1903-1904

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Daniel Stocker—Stuttgart.

DANIEL STOCKER —Stuttgart, der treff-
liche und neuerdings mehrfach genannte
schwäbische Bildhauer, hat auf den Ausstellungen
dieses und vorigen Jahres in Berlin und München
eine Reihe neuer Schöpfungen vorgeführt, welche
in hohem Maße geeignet sind, sein künstlerisches
Ansehen zu fördern und welche hier erstmalig ver-
öffentlicht werden. Stock er strebt nach schlichter
Grösse des Ausdruckes unter Vermeidung aller
billigen Effekte und jeder Manierirtheit. — Bei
der -»Kirke«. (Ausstellung im Münchener Glas-
palaste 1903), einer Bronze - Statuette, ruht die
Schwere des Körpers noch auf dem Sitze, während
das Weib, von dämonischen Willens-Äusserungen
durchzuckt, sich vorneigt und zauberische, sug-
gestive Einflüsse auf die ihr Nahenden auszuüben
scheint. In ähnlicher Weise ist bei der Statue
»Seete« das geistige Emporringen und Aufwärts-
streben des Menschen als eine ihn erhebende und
emporrufende Gewalt zum Ausdruck gebracht.
Hierbei hat der Künstler die Grenze der trockenen,
ausgeklügelten Allegorie mit feinem Empfinden
zu vermeiden gewusst. Die Statue war dieses

DANIEL STOCKER—STUTTGART.

Porträt-Büste.

DANIEL STOCKER—STUTTGART.

»Hap-ar*. Marmor.

Jahr auf der Grossen Berliner
Kunst-Ausstellung. — In der
» Hagar« (vgl. die nebenst. abgeb.
Figur) hat Stocker natürlich
nicht die »historische« Hagar
der Bibel darstellen wollen, son-
dern das Weib, das, verlassen
und jeder menschlichen Hilfe
bar, im Augenblicke der äusser-
sten Not und Verzweiflung sich
demütig auf die Knie wirft und
Gott um Beistand anfleht. So
übt das Werk eine allgemein-
menschliche , ergreifende Wir-
kung aus. Ähnlich ist der Ein-
druck, welcher von seinem
psychologisch scharf herausge-
arbeiteten »Kain«. ausgeht, den
er im Vorjahre in Berlin ausge-
stellt hatte. — Diese Schöpfungen
des jungen Stuttgarter Bild-
hauers lassen noch Hervor-
ragendes von ihm erhoffen, so
dass wir wohl früher oder später
Gelegenheit haben dürften, noch
näher auf seine fernere künst-
lerische Tätigkeit einzugehen. —
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