Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 13.1903-1904

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Teppich-Entwürfe aus unserm VIII. Wettbewerb.

FRL. HILDEGARD NIEMEYER—HALLE A. S. Teppich-EntW.
LOBENDE ERWÄHNUNG UND MK. 20.

TEPPICH-ENTWÜRFE AUS UNSE-
REM VIII. WETTBEWERB. Die
hier eingeschalteten Abbildungen, sowie die
farbige Doppel - Beilage mit Teppich-Ent-
würfen, die in der Entscheidung dieses Wett-
bewerbes mit Preisen gekrönt beziehungs-
weise mit lobenden Erwähnungen bedacht
wurden, geben uns Veranlassung, den Ent-
würfen selbst noch einige Worte zu widmen.
Wie wir zu unserem Bedauern bereits im
Entscheidungs-Protokoll (Vergl. Januar-Heft
S. 244) hervorheben mussten, ist das Ergebnis
dieses Wettbewerbes ein vollbefriedigendes
nicht gewesen. Uns fehlt auch heute noch
eine Kenntnis der Gründe dafür, denn die
im Handel befindlichen Teppiche unserer
grossen Firmen weisen durchweg inter-
essantere Lösungen auf, die, ganz abgesehen
davon, dass sie ihre Ausführbarkeit erbrachten,
doch überwiegend im Geiste der modernen
Bewegung gehalten sind. Wir brauchen hier
noch gar nicht einmal an Teppiche zu er-
innern, die nach Entwürfen von Otto Eck-
mann und Max Läuger gefertigt worden
sind, die ja überhaupt zu dem Schönsten der
deutschen Teppich - Industrie zählen; wir

haben vielmehr nur den Durchschnitts-Erfolg
der übrigen Wettbewerbe im Auge, deren
Arbeiten auf einen wesentlich anderen Grund-
ton gestimmt waren, aus denen das Ver-
trautsein der Urheber mit dem zu bewäl-
tigenden Stoff viel überzeugender zu Tage
trat als bei diesen Teppich-Entwürfen. In
diesen sind in Rücksicht auf die prinzipielle
Gestaltung des Teppichs eigene Ideen kaum
verkörpert worden, es sei denn, dass das
was Altmeister Semper darüber sagte, eine
recht engherzige Anwendung fand. Uns
drängt sich hierbei wieder der Gedanke auf,
dass unsere entwerfenden Künstler sich noch
immer viel zu wenig um die anzuwendende
Technik kümmern, vielmehr meinen, sie
müssten für jedes Stoff - Gebiet entwerfen
können. Das bedeutet im Interesse des
modernen Stils eine recht ungesunde Er-
scheinung, die manches mit den Auswüchsen
des Jugendstils zu tun hat. — Hier bedeutet ge-
waltsames Produzieren unter Hinwegsetzung
über die elementarischen Grund-Forderungen
der gestellten Aufgabe eine Verleugnung des
Geistigen in der Materie des neuen Stiles.
Deshalb hüte man sich vor aller Halbheit und
vor aller Ausserlichkeit. die Redaktion.

FRAU HEDDA HARMS-HAMBURG. Teppich-Entwurf-

LOBENDE ERWÄHNUNG UND mk. 20.
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