Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 18.1906

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Internationale Buchbindekunst-Ausstellung

vor allem den Charakter der Buchdeckel-
Verzierung als eines Flächenschmucks. Wir
bringen einige davon in Abbildung. Oetinger,
in Firma Osterrieth arbeitete nach Entwürfen
von Cissarz und zeichnete sich ganz beson-
ders in der technischen Durchführung der
Einbände aus. (Bei dem abgebildeten Leder-
band zu Swenigorodskois Zellenemails nahm
Cissarz in der Zeichnung der Ornamente
Rücksicht auf den Inhalt des Buches. Auch
der etwas schwer wirkende Dekor auf dem
Einband zum Werke über die Wiener Staats-
druckerei wird verständlich im Zusammen-
hang mit dem Druck und der inneren Aus-
stattung des Buches.) Karch steuerte ein
Buch nach Entwurf von B. Wenig bei,
während Ludwig neue, ansprechende Motive
nach eigenen Zeichnungen brachte.

Bekanntlich ist Paul Kersten—Berlin seit
Jahren mit Erfolg bestrebt, das Buchbinde-

EDUARD LUDWIG—FRANKFURT A. M.

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handwerk in künstlerischem Sinne wieder
neu zu beleben. Er hatte eine grosse An-
zahl seiner Einbände zur Ausstellung ge-
schickt, doch waren durchaus nicht alle
gleichwertig. Uns erscheint er dort am
besten, wo er sein feines Goldlinien-Netz-
werk zum Schmuck der Buchdeckel ver-
wendet und den Dekor in Verfolg eines
gesunden struktiven Gedankens vom Rücken
des Buches ausgehen lässt. Er ist sichtlich
bemüht, dem Schmuck des Einbands in
seinen einzelnen Teilen eine gewisse Har-
monie zu verleihen.

Berlin war dann noch durch Arbeiten von
W. Collin vertreten, der mit einem modernen
Band- und Linienwerk und mit verschieden-
artigen Beizungen des Leders neue deko-
rative Effekte für den Einband zu erzielen
weiss. Fräulein Maria Lühr brachte Ar-
beiten ganz im englischen Sinne in bester
Handvergoldung und
verleugnete so nicht die
ausgezeichnete Schule
Cobden-Sandersons. -
Aus dem überaus
reichen Material, das
aus anderen Städten
Deutschlands, ausHam-
burg, Bremen, Gera,
Cassel, Düsseldorf, Kre-
feld, München u. a. ge-
kommen war, kann nur
einiges hervorgehoben
werden. So die Ar-
beiten von C. Schultze
in Düsseldorf, die sich
durch eine vorzügliche
technische Ausführung
auszeichneten (unter
anderem war die
Leder-Einlage in bril-
lanter Weise verwer-
tet), die aber doch eine
auffallende Unsicher-
heit im Geschmack
verrieten. Martin Leh-
mann in Bremen hatte
neben anderem ein in
seiner Einfachheit sehr

Ganzlcderband, orange Capsaffian mit Handverjjoldung.
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