Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 19.1906-1907

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W. von Beckeraths Wand-Gemälde in der Bremer Kunsthalle.

teppichs. So bildet sich jener Perlmutter
ähnliche Schimmer, auf den Ludwig von
Hoff mann sich so trefflich versteht, nur
kräftiger und breiter, ein Heben der Fläche,
das für die raumschmückende Malerei wert-
vollere Schönheit bildet, als das allzu zierliche
Durchmodellieren. So ist es dem Künstler
gestattet, die großen Linien seiner Zeichnung
und das fleischige, teppichartige Neben-
einander seiner Farben ungeschmälert wirken
zu lassen; man empfindet die raumab-
schließende Wand als solche und das Gemälde
als ihren Schmuck.

Es war ein Wagnis, zu dem Beckerath
selbst die Anregung gab, wenn man seinem
den Saal beherrschenden Gemälde eine frei
erfundene ganz anders geartete Begleitung
gab in den Malereien A. Salzmanns, die
sich in je vier Feldern an den Seitenwänden
hinziehen. Die breitsaftige in ungebrochenen,
manchmal überlauten Farben schwelgende
Art Salzmanns stammt aus einem so anders
gewillten malerischen Temperament, daß sich
schwer ein restloses Ineinanderklingen beider
zur Stimmung eines Raumes denken läßt.
Wie japanische Geschenktücher, [auf deren
leuchtend roter Seide eine zierliche Hand
in dünnen Linien die Zweige eines phan-
tastischen Baumes gestickt hat, zwischen
denen da und dort ein merkwürdiger bunt-
schillernder Vogel hinfliegt, so sind diese
Felder gebildet; ein übersprudelndes durch

keinerlei Kulturballast eingezwängtes male-
risches Schöpfertalent bildet das eine Motiv
zehnmal neu, ebenso anspruchslos als reizvoll,
keck hingesetzt, voll breiter farbiger Fröh-
lichkeit. Eine solche aus unverkümmertcr
Naivität schöpfende Kraft, die aller Schul-
weisheit spottet, kann für dekorative Raum-
kunst-Aufgaben für die Zukunft noch Großes
hoffen lassen; einen inneren Einklang zu
Beckeraths von aller Kultur und einem fast
akademischen Schönheitssinn eingegebenem
Werke kann ich in diesen Phantasien Salz-
manns nicht finden. Und das laute Blaurot
des Grundtons gefährdet wenigstens die Ein-
heit der Raumstimmung so, daß die endgültige
Feststellung des Wandtons, durch den beide
Werke den gemeinsamen Rückhalt finden
sollen, bisher noch nicht endgültig gelungen ist.

Daß diese beiden in die gesunde Zu-
kunft unserer dekorativen Malerei hinein-
schreitenden Meister gerade in Bremen eine
große Aufgabe fanden, ist das Verdienst
des Senators Matthias Gildenmeister, des
Stifters der Bilder, und des Direktors Dr. Pauli.
In den glänzenden Besitz, den die Bremer
Kunsthalle in wenigen Jahren als eine Galerie
von Werken der lebenden Kunst in ihren
Räumen vereinigt hat, fügen sich die Ge-
mälde Beckerath-Salzmanns als neue Perle
ein, um so wertvoller, als sie der Stadt Arthur
Fitgers gerade den Jungbrunnen einer ge-
sunden Monumentalkunst bringen, schaefek.
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