Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 19.1906-1907

Page: 224
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1906_1907/0230
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Wilhelm Michel: Ehvas über Bilder-Rahmen.

Rahmengefüges, sie teilt ihm nur eine passive,
eine negative Rolle zu. Und mir scheint,
sie wird schon durch die einfache Tatsache
widerlegt, daß man ein Bild sehr wohl in
eine Wandvertäfelung einlassen kann, ohne
daß es eines besonderen Rahmens bedürfte.
In diesem Falle gibt es gar keine neutrale
Zone zwischen Bild und Wandfläche, und
doch wirkt das Gemälde nicht schwächer
als ein anderes, das einen Rahmen im eigent-
lichen Sinne des Wortes hat. Wohl aber
ist mit der Einfügung des Bildes in die Ver-
täfelung jene hemmende Begrenzung ge-
geben, in der wir den Grund zu der ästhe-
tischen Wirkung des Rahmens erkannt haben.

Daß der Rahmen mehr ist als eine bloß
neutrale Zone, mehr als ein Fenster, durch
das man in das Bild hineinsieht, geht auch
daraus hervor, daß die Form und die Farbe
des Rahmens keineswegs gleichgültig sind.
Beides muß sich nach den Qualitäten des
Bildes richten. Wenn es Rahmen gibt, die

wie eine plötzliche Erhellung und Be-
strahlung des Bildes wirken, so gibt es auch
solche, die einen aschfarbenen Schleier
darüber werfen, und solche, die das Bild
geradezu totschlagen. Die Rahmenfrage
kann für das Bild unter Umständen eine
Lebensfrage werden, besonders dann, wenn es
darauf ankommt, einen Beschauer zu fesseln,
der keine Zeit oder keine Lust hat, das Bild
mit Ruhe und Gemächlichkeit auf sich wirken
zu lassen. Diese Sachlage ist aber stets ge-
geben in großen Ausstellungen, wo das
Auge des Kritikers und des Käufers schon
beim ersten Blicke festgehalten werden muß.
Mit dem Einzug in einen Ausstellungsraum
nimmt das Bild den Kampf mit einer ge-
waltigen Konkurrenz auf, und es ist so-
gleich verloren, wenn es in diesem Kampfe
den Rahmen nicht zum Freund, son-
dern zum Feinde hat. Von Form und Farbe
des Rahmens soll in einem späteren Auf-
satze die Rede sein. — wilhelm michel.

W. A. WHITE—LONDON. PFLANZENKASTEN. Holz mit Metallbeschlägen.

Ausführung;: The üuild and School of Handicraft—London.
loading ...