Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 19.1906-1907

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PAUL BÜRCK—ROM.

Ölgemälde: »Frühling«

PAUL BÜRCK-ROM.

Im September 1903 hat Volbehr zuletzt in
dieser Zeitschrift über Paul Bürcks Ent-
wicklung gesprochen.*) Inzwischen ist der
Künstler rüstig weiter gewandert und hat
vor kurzem Gelegenheit gehabt, in einer
großen Monumental - Aufgabe die Summe
seines Könnens zu ziehen. Das Ergebnis
darf auf allgemeine Beachtung Anspruch
machen.

Von einem hat sich Bürck hoffentlich
für immer befreit, von der üppig wuchern-
den Phantastik, die mit Vorliebe die Ge-
staltung abstrakter Begriffe aufsucht. Blätter,
wie die Darstellung der »Lieblichkeit« oder
der »Energie des Bösen«, des »Schleichenden«
oder der »Macht« weisen die letzten Jahre

*) Vgl. auch Band IV 1889, Seite 341-383 und
Band VIII 1901, Seite 328—331 und Seite 497 — 536.
1907. IV. 1.

nicht mehr auf. Diese Selbstbefreiung ist
eine Tat. Denn sie zeigt die zunehmende
Reife des Künstlers, der es jetzt verschmäht,
zeichnerische Bizarrerien durch eine prunk-
hafte Deutung aufzublähen. Als Dokumente
einer gärenden Entwicklung mögen ja jene
Blätter einen eigenen Reiz bewahren — fast
systematisch hat Bürck in ihnen die Ge-
staltung moderner Stimmungen und Probleme
in Angriff genommen, sodaß die nachträgliche
Aufreihung der Zeichnungen an einem ein-
heitlichen Faden nicht allzu gezwungen aus-
fiel**) — aber er tat doch weise daran, die
Manier abzuschließen und die Reihe durch
ein schlicht einfaches Blatt wie das vom
»Sterben« zu objektivieren.

**) Sie sind zusammengefaßt unter dem Titel »Sym-
phonie« erschienen bei G. Grote—Berlin 1904.

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