Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 19.1906-1907

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Ausstellung für Wohnungskunst in München.

langten, so hat man alle Ursache, das Tempo
dieser Entwicklung zu bestaunen. Von den
ersten Ansätzen zu einem modernen Kunst-
gewerbe bis zum vollkommenen Sieg des-
selben werden 20—25 Jahre vergangen sein
— ich glaube, daß die Evolution selten
promptere Arbeit geleistet hat, als in diesem
Falle. Daß wir tatsächlich dem Endpunkte
dieser ersten kunstgewerblichen Entwick-
lungs-Epoche nahe sind, dafür liefert die
nun vom Kaiser bestätigte Berufung Bruno
Pauls nach Berlin einen markanten Aus-
druck. Als Direktor der Königlichen Kunst-
gewerbeschule wird ihm, der von Anfang
an ein Führer der kunstgewerblichen Um-
wälzung war, ein Wirkungskreis erschlossen,
in dem er zur Propagierung der neuen
Ideen Unschätzbares wird beitragen können.

Die Abbildungen klären den Leser über
das Einzelne der Paulschen Leistungen hin-
reichend auf. Im ganzen bringt die Aus-
stellung zwei Familien- und eine Junggesellen-
wohnung. Die Räume verteilen sich wie
folgt: 1. Wohnung: Schlafzimmer, Herren-
zimmer, Empfangszimmer. 2. Wohnung (für
ein junges Ehepaar berechnet): Wohnzimmer,
Speisezimmer, Kinderzimmer, Schlafzimmer
und Küche. Die Junggesellenwohnung be-
steht aus Schlafzimmer und einem Arbeits-
raum. Außerdem ist noch ein einzelner Raum
vorhanden, der »Typ eines billigen Wohn-,
Arbeits- und Speisezimmers« im Preise von
ca. 700 Mark. Die Ausführung ist vortreff-
lich, die Vereinigten Werkstätten haben in
allen Fällen das Vornehmste und das Ge-
diegenste geleistet.

W. MICHEL.

BRUNO PAUL—MÜNCHEN.

Reiches Herren-Zimmer. Wasser-Eiche mit grau Ahorn-Einlage.
Schwarzer, teilweise vergoldeter Leder-Bezug, Altmessing-Sockel.
Ausführung: Vereinigte Werkstätten für Kunst im Handwerk—München.

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