Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 21.1907

Seite: 206
DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1907_1908/0219
Lizenz: Freier Zugang - alle Rechte vorbehalten Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Plastiken von Fritz Behn—München.

FRITZ BKHN
MÜNCHEN.
ANTILOPEN-
liKUPPK.

PLASTIKEN VON FRITZ BEHN-MÜNCHEN.

Fritz Behn ist seinem Wesen nach Klein-
plastiker, das heißt, er gibt in seinen
Werken nicht volle, maßgebende Ausdrücke
der Zeit, sondern hübsche, pikante Einfälle
voll hohen Reizes der Bewegung und romantisch-
barocker Musik der Linie. Geschmack und
Eleganz sind seine vorzüglichen Eigenschaften,
seine Lösungen sind rund und voll kluger
Anmut; sie haben viel von der Kultur des
Barock profitiert. Eine Arbeit wie die silberne
Diana auf der Gazelle ist ausgesprochen
geistreich, in der liebenswürdigsten Weise
pointiert, leicht, frei, fast etwas ironisch in der
ganzen Haltung. Etwas Reizvolleres als die
Linie, die durch das Horn des Tieres und
den Arm der Figur gebildet wird, läßt sich
nicht leicht denken. Auch der Johannes, der
in Wirklichkeit fast Lebensgröße erreicht, ist
ganz vom Geiste der Kleinplastik erfüllt.
Eine monumentale statuarische Leistung ist
stets monologisch und im strengsten Sinne
selbstgenügsam. Diese Figur hat aber durchaus
etwas von angewandter Kunst im engeren Sinn;

sie verlangt nach einem Raumgebilde als der
unumgänglich notwendigen Bedingung für ihre
Existenz. Sie steht nicht auf eigenstem Boden,
sie lebt nicht nach eigenem Gesetz und Recht,
sondern von der Gnade einer stilistischen
Konzeption, die nur der Persönlichkeit des
Schöpfers, nicht ihrem eigenen Wesen an-
gehört. Innerhalb dieser Begrenzung macht
sie mit ihrer pikanten, malerischen Form-
behandlung, mit der barocken Tänzergrazie
der Haltung und der tadellosen Eleganz der
Bewegung recht gute Wirkung. Weniger ge-
lungen scheint mir die erste Diana; zu der
koketten, schmachtenden Bewegung des knieen-
den Tieres will der etwas akademische, leer-
gebliebene Akt der Figur nicht recht passen.
Er wirkt dagegen fast naturalistisch, weil er
eben von dem stilistischen Willen, der sich
im übrigen hier ausspricht, nicht ergriffen
und verarbeitet wurde. Doch ist die Gesamt-
erscheinung und die Verteilung der Massen
auch hier recht geschmackvoll. —

W. MICHEL—MÜNCHEN.

206
loading ...