Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 21.1907

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Fritz Erlers Wiesbadener Fresken.
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PROFESSOR FRITZ ERLER—MÜNCHEN.

einen tüchtigen Schritt weiter, aber sie werden
immer als in die Wand hineingelassen wirken;
ebenso auch noch die »Supraporten«. Im
»St. Georg«, einem ziemlich unbekannten
Deckengemälde für den Saal des Amtsgerichts
in Pankow, sieht man am besten das Werden
seiner Technik. Da findet man einen ersten
außergewöhnlich starken Ausdruck, erreicht
durch die flächige Plastik der Gestalt. In den
Fresken endlich schiebt er die Figuren vorn
so zusammen, daß sie in der Wand stehen und
doch in Luft und Leben vor dem Hintergrund.

In neueren Bildern — zur Zeit in der
Kunsthandlung von Brakl in München —
kehrt der Künstler, durch die Ölfarbe gezwungen,
zum dekorativen Rahmenbild zurück. Hier ver-
wendet er Landschaft und Porträt in intensiver
Weise für die dekorative Wirkung. Auch
benutzt er hier naturalistische Unterlagen zu
dekorativen Symbolen, wie die »Nordische
Mutter«, die »Herbststimmung«, die »Moderne
Diana« zeigen, die scheinbar nicht mit
gleichem Glück wie in den Fresken die vier

Deckengemälde: »St. Georg«.

Im Amtsgericht in Pankow.

Jahreszeiten variieren, die aber, weil sie ganz
andere Ziele verfolgen, kaum mit den Wand-
bildern verglichen werden können.

Zum Schluß wollen wir der vornehmen
Publikation der Firma Franz Hanfstaengl in
München gedenken, die die Fresken in
Wiesbaden mit anerkennenswerter Sorgfalt auf-
genommen hat — die Photographien liegen
unsern Reproduktionen zu Grunde —, um sie
nun in technisch wertvollen Blättern und in
gewählter Ausstattung zu einer Mappe zu
vereinen. Diese fünf Gravüren werden für
alle Kunstfreunde eine Freude bedeuten.

Wir aber freuen uns, daß gerade Wies-
baden diese Dokumente deutscher Kunst auf-
zuweisen hat, die Stadt, in der Fremde aus
aller Herren Länder zusammenströmen. —

Eine umfangreiche Kollektion Erlerscher Gemälde, darunter
auch die Kartons zu den Wiesbadener Fresken, wird nach Schluß der
Erler-Ausstellung des Leipziger Museums vom 12. Januar bis Mitte
Februar iyoS in der Königlichen Kunstakademie in Dresden
(Sächsischer Kunstverein) und während des ganzen Monats März im
Künstlerhaus-B e rl i n, Bellevue-Straße 3, ausgestellt werden. Die
»Moderne Kunsthandlung« (Brakl), München, leitet die Ausstellungen.

1908. IV. i.

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