Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 21.1907

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Grab-Plastik 7>on Artur Volkmann—Rom.

oder wird man aus dem
deutlich redenden Beispiel
seiner Vorgänger die Lehre
ziehen und ihn im Zu-
sammenhang mit ihnen be-
greifen? Das ist die Frage,
mit der wir die Publikation
der Grabmäler einesMarees
und Pidoll nebst einigen
anderen Werken der Grab-
plastik von Artur Volkmann
begleiten möchten, eine
Frage, die gewiß auch im
Sinne der beiden Verstor-
benen sein würde. — Wir
sprechen heute gern von
einer neuen, wieder be-
lebten, modernen Grab-
malskunst, nicht ohne da-
bei etwas selbstbewußt zu
betonen, wie sehr dieses
schöne und wichtige Ge-
biet angewandter Kunst
bisher im Argen gelegen
habe. Gerade deshalb aber
dürfen solche Werke nicht
übersehen werden, die in
der wenig fruchtbaren
Zwischenzeit den Zusam-
menhang mit guten Tra-
ditionen aufrecht erhalten
haben und zugleich den
Hinweis auf Neues in sich
bergen. Wie viele von den
Tausenden deutscher Rom-
pilger mögen sich aber das
schlicht-vornehme Grab-
mal für Hans von Marees
angesehen haben, das seit
1890 schon aufgestellt ist,
während sie eine „Ab-
teilung für Friedhofskunst"
auf unseren Kunstgewerbe-
Ausstellungen mit bewun-
derndem Staunen als etwas
ganz Neues und höchst Be-
merkenswertes begrüßen!
Die einfache Architektur
des Marees-Denkmals ge-
mahnt, dem Wesen des
sprechend, an die klassischen Formen attischer
Grabstelen. Das Relief, auf dem die Muse den
Künstler krönt, der ihr von einem Knaben zu-
geführt wird, zeugt von glänzender Beherrschung
des Reliefstils, und ist dadurch mehr als durch
die Formensprache im Einzelnen gleichfalls der

ARTUR VOLKMANN ROM.

Grabmal für Hans von Marees in Rom.

zu Ehrenden ent-

besten Zeit der antiken Kunst verwandt. Wie
die Figuren den Raum füllen, wie trotj flächigster
Behandlung der Formen doch der volle Eindruck
körperlicher Rundung erzielt ist, läßt auf den
ersten Blick die Hand eines wirklichen Meisters
erkennen. — Das Gleiche gilt von dem nicht weit
davon entfernten Grabmal für Carl von Pidoll,

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