Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 24.1909

Seite: 254
DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1909/0274
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Paii/ Bürck—München.

PAUL BURCK—MÜNCHEN.

Gemälde: Aus Villa Strohl Fern—Rom.

wird. Wieder möchte man im ersten Augen-
blick an Meister der Vergangenheit denken,
diesmal an die deutschen Künstler aus dem
Anfang des 19. Jahrhunderts. Aber bald
merkt man, wie sehr Bürck auch hier ein
Eigener ist. Wie er das schwere Dreieck
der Gruppe vor die reich belebte Horizontale
gelegt hat, wie er die vielgliedrige Silhouette
der Stadt im Gegensatz zu der ruhigen Fläche
der Mauer bringt und wie er schließlich das
massive Dreieck der Familiengruppe mit unend-
lichem Reichtum der Linien füllt und ihr
dennoch die sonnige Ruhe zu erhalten weiß,
das ist für denjenigen, der Sinn für solche
Dinge hat, von höchstem Reiz.

Und es offenbart uns zugleich, wohin die
Entwicklung Bürcks weist: zur monumentalen

Malerei, aber zu einer monumentalen Malerei,
die sich nicht an dem Aufteilen einer Fläche
in Linien und Massen genügen läßt, sondern
die diese Linien und Massen mit reichstem,
erdgeborenem Leben füllen möchte.

Der dekorative Sinn ist in Bürck wieder
an die erste Stelle gerückt, aber er stellt sich
höhere Probleme als einst. Und er sucht
den mächtig entwickelten naturwissenschaft-
lichen Sinn für seine Zwecke auszunutzen.
Der aber fühlt seine Kraft und will nicht
immer Diener sein. Da entstehen dann bis-
weilen eigenartige Kämpfe, deren Beobachtung
für den Psychologen von höchstem Reiz ist,
die aber den Bildern zum Nachteil gereichen.
So z. B., wenn sich die Bewegung eines
Armes, die Geste einer Hand dem Rhythmus

254
loading ...