Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 25.1909-1910

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PROFESSOR FRANZ. VON STUCK.

Haupt-Fassade der Villa Stuck—München.

VILLA FRANZ VON STUCK.

Franz von Stuck, der Malerei, Plastik und
Graphik mit gleicher Sicherheit übt, ist
auch sein eigener Architekt gewesen. Ein so
guter, daß man wünschen muß, er hätte öfter
auch diese Seite seines starken dekorativen
Talentes geübt, Einer, der immer gewußt und
immer gekonnt hat was er wollte. Dies Haus,
das auf unserer ersten Abbildung mit den
wuchtigen Vertikalen seiner Pyramidenpappeln
fast Böcklinsche Stimmung hat, das im Gegen-
satze zu den meisten Privat-Gebäuden, die
sich also nennen, wirklich im römischen Sinne
als „Villa" wirkt, ist gleichzeitig ein eminent
behagliches Wohnhaus. Keins für einen Spieß-
bürger, aber eins für einen Künstler, dessen
innerster Drang nach großen monumentalen
Aufgaben geht. Das Äußere wirkt pompös
und hat fast keinen Schmuck als reiche Gliede-
rung und noble Proportionen und die zum Teil
fürstlichen Repräsentationsräume im Innern
sind dennoch wohnlich, weil ihr Prunk nicht
tot ist, sondern in allem die Sprache seines

Schöpfers redet. Jede Handbreite der Wände
und Decken tut das, jedes Stück des Hausrats,
der bis ins Kleinste von Stuck selbst entworfen
wurde. Das geschah, nebenbei gesagt, gerade
zu der Zeit, als unser „neuer Stil" seine tollsten
Sprünge machte und der Drang, originale Zeit-
formen für Möbel zu schaffen, sich in den
kühnsten Extravaganzen auslebte. Heute, wo
sich auch auf diesem Gebiete so vieles geklärt
und gefestigt hat, würden die edlen Formen
der Stuckschen Möbel — etwa wieder auf
eine Ausstellung zur Schau gebracht — hier
sicherlich nicht nur zum Schönsten, sondern
auch zum Modernsten zählen.

So urteilt Fritz von Ostini im Begleittext
der vor wenigen Tagen erschienenen Mono-
graphie „Villa Franz von Stuck" (Verlags-
anstalt Alexander Koch Darmstadt, Preis
Mk. 4.—). Den vornehmen Charakter des
eminent künstlerischen Werkes vermögen die
wenigen hier in starker Verkleinerung wieder-
gegebenen Abbildungen nur anzudeuten. —

1910. IV. 5.

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