Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 25.1909-1910

Page: 404
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1909_1910/0422
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile


n

Q

KARIKATUR UND KUNST.



D
■■
D

a
«■
a

a
«■
□.

Das Witzblatt hat den Karikaturisten um
seinen Nimbus gebracht. Wie der Tor-
rero soll er allwöchentlich in die Arena steigen
und echtes Herzblut verspritzen. Schließlich
hat er sich daran gewöhnt, den gierigen Rachen
der Schnellpresse mit lustigen Bosheiten und
ironischen Scherzen zu stopfen. Da er sich
nicht enthalten darf, bis ihn der große Zorn
überkommt, mußte er zum gewerbsmäßigen
Witzbold werden.

Der Satiriker ist Agitator, Kämpfer, Ver-
nichter der bestehenden Mächte, Zerstörer von
Vorurteilen, der Schicklichkeiten und Autori-
täten, Aufrührer und Aufwiegler. Ein ethi-

404

scher Wille bestimmt sein Gestalten. Jen-
seits von Gut und Böse wird er zum amüsier-
lichen Popanz, der keinen Spatzen schrecket.. .

Ist auch seine Geste rhetorisch, so bedarf
sie doch der kristallklaren Form. Der Aus-
druck muß überzeugend stark, mitreißend wahr
sein, denn auf ihm balanciert die Wirkung.
Und was wäre der trefflichste Hieb, dem die
Wirkung versagt ist!

So marschiert er ständig auf der
Grenze zur Kunst. Das Künstlerische stets
getrübt durch die Tendenz, und die Tendenz
wiederum abgeklärt durch die Macht des
künstlerischen Ausdrucksvermögens. Nur die


■•
D

D









loading ...