Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 32.1913

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Kleine Kunst-Nachrichten.

Qualitäten eines Schuch, den er im Hinblick auf die
Leuchtkraft seines Kolorits noch hinter sich lägt.
Plastik und Graphik sind gut, doch nicht eben
bezwingend stark vertreten. Den „Clou" der Aus-
stellung bildet der französische Saal, in dem man
die besten Stücke der sogenannten „Tschudi-Spende"
der Münchner Pinakothek, darunter Werke von
Daumier, Courbet, Manet, Renoir, Cezanne, Gau-
guin, vereint mit ausgewählten Stückchen fran-
zösischer und schweizerischer Privatsammler, antrifft,
Werke von starkem, frohem, jungem Klang, die
an die Qualität der sie umgebenden deutschen
Kunst hohe Anforderungen stellen, denen — das
sei mit Stolz gesagt — die deutsche Kunst Genüge
zu tun vermag. — georg jacob wolf-münchen.

WIEN. Eine Tapeten-Ausstellung wurde
dieser Tage im österreichischen Museum
für Kunst und Industrie eröffnet, die von den öster-
reichischen Tapeten-Industriellen angeregt worden
war. Die Vorarbeiten für die Ausstellung hat ein
Komitee durchgeführt, dem Prof. Josef Hoffmann,
Direktor Alfred Roller, Direktor Dr. Eduard Leisching
und Hof-Tapetenlieferant Max Schmidt angehörten.
Das Arrangement der Ausstellung hat Architekt Karl
Witjmann, Professor an der Kunstgewerbeschule, als
Ausstellungstechniker trefflich bewährt, mit gutem
Gelingen besorgt. Aus vier Abteilungen setjt sich
die Ausstellung zusammen; die 1. Abteilung enthält
moderne Papiertapeten und Linkrusta nach künst-
lerischen Entwürfen, die 2. Abteilung zeigt Raum-
gestaltungen mit Benürjung von Tapeten, die 3. Ab-
teilung führt die Tapeten-Entwürfe aus den Klassen
Cizek, Hoffmann, Moser und Wimmer der Wiener
Kunstgewerbeschule vor, die 4. Abteilung, die histo-
rische, bringt alte Papiertapeten und Buntpapiere
aus den Kunstgewerbemuseen in Dresden, Ham-
burg, Lübeck, Stuttgart und Wien sowie aus dem
Besitye alter deutscher und englischer Tapeten-Manu-
fakturen zur Schau. Eine vom Direktor des Museums
Hofrat Dr. Eduard Leisching verfaßte und dem Kata-
log beigegebene ausführliche Einleitung, gewisser-
maßen eine Entwicklungsgeschichte der Tapete im
kleinen, unterrichtet in wissenschaftlich wohl be-
gründeter, dabei aber leicht faßlicher Darstellung
über die Entstehung und die mannigfachen Wand-
lungen der Tapete.

Die oft und stets mit zwiespältigen Empfindungen
erörterte Tatsache, daß das Ausland sich der Lei-
stungsfähigkeit unserer künstlerischen Kräfte be-
dient, um unserer heimischen Industrie just durch sie
schärfste Konkurrenz zu bereiten, hat endlich auch
die Vertreter der österreichischen Tapeten-Industrie
zu der Erkenntnis gelangen lassen, daß sie im Wett-
streit mit der mächtigen ausländischen Industrie nur
dann zu bestehen vermag, wenn sie ihren eigenen
Erzeugnissen neuerdings erhöhtes Interesse zuleitet.

Man sah, mit welch großem Erfolg sich das Aus-
land künstlerische Kräfte Österreichs nutjbar zu
machen verstand und entschloß sich, um nicht auch
fernerhin noch gezwungen zu sein, auf Umwegen
zu beziehen, was man selber zu leisten vermag, in
Verbindung mit Kunstgewerbeschule und Museum
österreichische Künstlerarbeit der österreichischen
Industrie dienstbar zu machen. Künstlerisch und
technisch erscheint der Versuch durchaus geglückt,
es bleibt demnach nur zu wünschen, daß er auch
kaufmännisch erfolgreich sein möge.

Die Ausstellung umfaßt eine erstaunliche Fülle
an verschiedenartigen Tapeten, von der farbig und
ornamental einfachsten bis zur reichsten. Für die
verschiedensten Zweckräume und Raumstimmungen
kann man die entsprechende Tapete finden. Es gibt
da vornehm gedämpfte und heiter turbulente, würde-
voll repräsentative und intim anmutige, still ver-
träumte und laut musizierende, neutrale Hinter-
gründe bildende und selbständig wirkende, bloß
schmückende und andere, die ganze Geschichten
erzählen, wie die „Dorf" betitelte, die von dem
originellen Haugsdorfer Einsiedler Franz von Zülow
entworfen wurde; Tapeten für Vorzimmer und Salons,
für Konditoreien und Landhausstuben, für Arbeits-
und Wohnräume, kurzum für alle Arten architek-
tonischer Raumgestaltungen, die sich der Mensch
errichtet. Und damit sich jeder, der weniger mit
Phantasie begabt ist als der Künstler, eine Vor-
stellung von der Wirkung der zur Verwendung ge-
brachten Tapeten machen kann, wurden mehrere
Räume errichtet und mit Möbeln ausgestattet, ein-
zelne Räume sogar mit alten Möbeln, um darzutun
wie gut man altes Gerät mit einer geeigneten
modernen Tapete zusammenstimmen kann. Es
sind da neben andern zu sehen ein Wohnzimmer
in einem Landhause, Raumgestaltung von Prof.
Josef Hoffmann mit Tapeten von Franz von Zülow
und L. H. Jungnickel; ein Raum in einem Garten-
haus mit einer von Prof. Berthold Löffler litho-
graphierten Tapete; ein Raum für eine Garten-
konditorei nach Entwurf von Prof. Karl Witzmann
mit Linkrusta-Wand- und Deckenverkleidung nach
Prof. Josef Hoffmanns Entwurf; ein Gartensalon,
Raumgestaltung von Architekt E. J. Wimmer, Tapete
nach Entwurf von Franz von Zülow ; ein Musik-
zimmer mit Tapetenmosaik aus farbigen lagernden
Papieren von Arnold Nechansky; ein Damensalon
nach Entwurf von Architekt D. Peche; ein Ausstel-
lungsraum nach Entwurf von Prof. Dr. Oskar Strnad.

Von den Firmen, die moderne Papiertapeten
und Linkrusta nach künstlerischen Entwürfen aus-
stellen, sind zu nennen: P. Piette in Bubentsch,
Bedburger Linkrustafabrik, Thausig & Co. in Wien,
Julius Jacksch in Abersdorf, A. Berger in Wien.
— Den Bodenbelag mehrerer Ausstellungsräume
haben die Triestiner Linoleumwerke geliefert, a. r-r.

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